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Die Brauakademie Zellerfeld – back to the roots

Gewürze im Regal der Brauakademie Zellerfeld (Bildrechte: Kurbetriebsgesellschaft "Die Oberharzer" mbH)

Selbstgemachtes liegt im Trend – viele Menschen backen heute ihr Brot selbst. Doch auch das flüssige Brot kann man selber herstellen – wenn man weiß, wie. Ein Besuch in der Brauakademie Zellerfeld.

In Zellerfeld und Clausthal hat das Brauen von Bier Tradition. Diese begann vermutlich schon im 16. Jahrhundert. Sicher ist, dass sich das Brauwesen im 17. Jahrhundert in den beiden Städten zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelte. Während in Clausthal das Claus-Bräu hergestellt wurde, hieß das Zellerfelder Pendant „Berg Brauerei“. Ausgeschenkt wurden in der Region aber auch Broihan und Braunbier, Goslarsches, Grundnersches Osteroder, Halberstädter sowie Braunschweiger Mumme.

1924 wurden zunächst die beiden Städte zusammengelegt, dann ihre Braustätten. Im Zuge wachsender Marktkonzentration auf dem Biermarkt wurde 1970 die Berg Brauerei an die Martini-Gruppe Kropp in Kassel verkauft und das heimische Bierbrauen eingestellt.

Neues Bier am alten Standort

2013 richteten der gelernte Brauer und Mälzer sowie Lebensmitteltechniker Siegfried Oppermann und der Braumeister Richard Schulze in der 1601 gegründeten „Alten Münze“ inmitten des historischen Gebäudeensembles „Kunsthandwerkerhof Zellerfeld“ eine heimische Brauerei ein und knüpften damit an die Jahrzehnte lang brachliegende Zellerfelder Tradition an. Heute werden dort jährlich 200 Hektoliter „Zellerfelder Münzbräu“ gebraut, Tendenz steigend. Das Bier können Sie gleich nebenan im historischen Gewölbe der Gaststätte „Biermünze“ als Helles, Dunkles oder Weizenbier verkosten.

Weiches Wasser für fruchtige Biere

Grundlage für die leichten, fruchtigen Biere ist das weiche Wasser des Oberharzes. Dazu werden Malz aus Bamberg und Hopfen aus der Hallertau verarbeitet. Den Prozess erläutert Siegfried Oppermann bei einer seiner Führungen: „Malz und Wasser kommen in die Maischpfanne und werden dort erhitzt. Im Läuterbottich werden die festen Bestandteile (Treber) von den flüssigen (Würze) getrennt. In der Würzpfanne fügen wir der Würze Hopfen zu. Nach den Stationen „Whirlpool“ und „Würzekühler“ kommt die Flüssigkeit in den Gärtank, wo noch Hefe hinzugegeben wird. Nach etwa acht Tagen können wir das Bier dann in die Lagertanks abfüllen.“ Wenn Richard Schulze unter der Nachbildung eines historischen Brausterns spricht – die sechs Ecken stehen seit Jahrhunderten für Wasser, Erde, Feuer, Luft sowie hell und dunkel – überträgt sich seine Leidenschaft für die Materie auf die Zuhörer. Wer nun Lust bekommt, einmal selbst Bier zu brauen, ist in der Brauakademie genau richtig.

Flüssiges Lernen in Bierbrauseminaren

Neben Führungen und Verkostungen bieten Oppermann und Schulze auch Seminare für Anfänger und Fortgeschrittene an; dabei kombinieren sie auf unterhaltsame Weise Theorie und flüssige Praxis. Wer will, kann vor Ort ein „Zellerfelder Bierdiplom“ erwerben oder sich zum „Zellerfelder Braugesellen“ ausbilden lassen. Dabei lernen die Bier-Azubis beispielsweise den Unterschied zwischen A-Hopfen und B-Hopfen. Letzterer ist reich an Bitterstoffen und wird von den großen Bierherstellern verwendet, unter anderem, da er besonders kostensparend ist. Der A-Hopfen hingegen ist reich an Aromen, die sich jedoch schneller verflüchtigen. Gerade die populär gewordenen Craftbeer-Privatbrauereien experimentieren mit etlichen A-Hopfen und erzeugen dabei Geschmacksrichtungen wie „Mandarine“ oder „Polarnacht“.

Handwerklich ja, Craftbeer nein

„Es gibt in Deutschland auch heute noch gut 1.200 kleine, handwerklich arbeitende Privatbrauereien“, kommentiert Oppermann den aktuellen Trend zum Craftbeer. „Die wenigsten davon schreiben sich ,Craftbeer‘ auf die Fahne. Wir tun das auch nicht. Ich habe nichts gegen Brauereiexperimente, aber unser Bier ist geschmacklich wie preislich dann doch ziemlich traditionell“, spielt er schmunzelnd auf die hohen Preise für exotische Leckereien wie „Indian Pale Ale“ an.

Zellerfelder Münzbräu kann vor Ort oder per Onlineshop in Flaschen oder Fässern verschiedener Größe erworben werden. Das ungefilterte Bier ist reich an Nährstoffen, hält aber anders als die Biere bekannter Großbrauereien nur vier Wochen. Aber, Hand aufs Herz – wer würde so ein köstliches Bier überhaupt so lange stehenlassen?

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