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Mettwurstpraline, Leberwursteis
oder frische Eier von glücklichen Hühnern: Sie haben die Wahl!

4 Personen an Tisch (Bildrechte: Inga Stang)

Unter den zahlreichen Hofläden und Manufakturen im Landkreis Peine haben sich Lüddekes Hofladen und das Eiscafé Bernauer einen besonderen Namen gemacht. Von Grillwurst bis Mettwurstpralinchen, von Stracciatella bis Leberwursteis: In den Familienbetrieben kommen traditionelle, experimentierfreudige und sogar vierbeinige Leckermäuler voll auf ihre Kosten.

Metzgerhandwerk mit Tradition

Im Herzen der Ortschaft Groß Lafferde, das zur Gemeinde Ilsede im Süden von Peine gehört, liegt Lüddekes Hofladen. Der Familienbetrieb ist weit über den Ort hinaus für seine Fleischspezialitäten bekannt. Aber nicht nur dafür – hier gibt es auch frische Eier, fruchtige Marmeladen, Kartoffeln aus der Region sowie leckere Fertiggerichte aus eigener Produktion.

Den Grundstein für den Hofladen legten Harry und Anneliese Lüddeke. Vor mehr als 50 Jahren fingen sie an, Eier, Gemüse und die Dosenwurst aus der Landwirtschaft von Schwiegervater Walter Schaper zu verkaufen. Später übernahm Sohn Harald Lüddeke den ortsansässigen Schlachtbetrieb von Heinrich Bomke und verlagerte ihn in den späten achtziger Jahren auf den Hof an der Marktstraße 6. Dort ließ er nicht nur ein neues Schlachthaus bauen, sondern eröffnete wenig später auch das erste Ladengeschäft. „Danach sind wir immer größer geworden und haben unser Sortiment stetig ausgebaut“, erzählt Lüddeke nicht ohne Stolz.

Besonderen Wert legt die ganze Familie darauf, dass alle Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung stammen. Schließlich hat das Metzgerhandwerk bei den Lüddekes Tradition. Schon Großvater Walter Schaper war Hausschlachter; seither wird das wertvolle Wissen von Generation zu Generation weitergegeben und bis heute vom Betriebsinhaber Harald Lüddeke bewahrt.

Fester Bestandteil des Angebots sind verschiedene Grillspezialitäten, die glutenfrei und allergenarm sind. Dazu gehören die DLG-prämierten Bratwürste ebenso wie die beliebten Krakauer, aber auch Steaks und Grillspieße. Für Vegetarier wird fleischloses Grillgut hergestellt. „Sehr beliebt sind auch unsere frisch geschlachteten Hähnchen aus eigener Haltung“, schwärmt Sabine Lüddeke, die den Hofladen führt. Ihre Kundschaft wisse die Vorteile der hofeigenen Geflügelaufzucht zu schätzen. Bei den Lüddekes leben die Tiere teilweise in Freilandhaltung, sie haben Zeit zum Wachsen und erleben, weil lange Transportwege entfallen, vor der Schlachtung keinen zusätzlichen Stress.

Ideenreichtum und beste Qualität als Erfolgsgeheimnis

Obwohl das Familienunternehmen immer weiter gewachsen ist, halten die Lüddekes bis heute an ihren einstigen Grundsätzen fest. „Fast alle Tiere, die wir bei uns schlachten, stammen aus eigener Haltung. Und auch ohne Bio-Zertifizierung legen wir großen Wert auf artgerechten Umgang“, erklärt Lüddeke. So erhalten Gänse, Schweine und Rinder auf dem Hof nur hochwertiges Futter, das vor Ort aus eigenem Getreide und Soja gemischt wird. Vielleicht macht gerade diese Konsequenz den Hofladen so erfolgreich? Fest steht, dass der Betrieb in seiner langjährigen Geschichte vielfach ausgezeichnet wurde – zum Beispiel mit den begehrten Gütesiegeln der DLG.

Dass Harald Lüddeke in der Gegend einen regelrechten Ruf als „Kult-Metzger“ genießt, hat aber nicht nur mit seinem hohen Qualitätsanspruch zu tun. Über die Ortsgrenze hinaus sorgen vor allem seine ungewöhnlichen Produktideen für Aufmerksamkeit. So wurde die von ihm kreierte Schokoladen-Mettwurst in der lokalen Presse als die „zarteste Versuchung, seit es Würste gibt“ gepriesen. Und tatsächlich: Die luftgetrocknete Mettwurst entfaltet durch die darin enthaltene Zartbitterschokolade ein geradezu exotisches Aroma. Zum Verschenken oder für den süßlich-herzhaften Happen zwischendurch gibt es die mit Vollmilchschokolade verfeinerten Mettwurstpralinchen „Süße Mette“. Wer kann dazu schon nein sagen?

Süßer Genuss in Peines ältestem Eiscafé

Wer es einfach nur sahnig mag, der ist im Bernauer Eiscafé bestens aufgehoben. Das Traditionsgeschäft gehört zu Peine wie der „Big Ben“ zu London und schreibt in der Eulenstadt seit fast 80 Jahren Geschichte. Schon Ende der 1930-er Jahre genoss man hier Eis aus eigener Herstellung. Und was einst als mobiler Eiswagen begann, den Frida Bernauer mit eigener Hand durch die Innenstadt zog, ist heute ein gepflegtes Eiscafé. „Als Kinder haben wir kurz nach dem Krieg von den Bernauers Eis zwischen zwei Pappen gekauft.“ So oder so ähnlich wird es der Inhaberin Tanja Jablanovszky oft erzählt, wenn sie mit Gästen plaudert, die der Eisdiele seit Jahrzehnten treu sind.

Bis 2009 war die Eismanufaktur rund 70 Jahre fest in den Händen von Familie Bernauer und ihren Nachkommen. Dabei sind vor allem die Gründer – Frida und Emil Bernauer – in Peine eine Art Legende. Sie stellten ihr Eis zu Anfang in einer ehemaligen Viehscheune am Echternplatz her und boten es von dort aus mit dem Handwagen feil. Wenig später verschönerten sie den Innenhof und stellten Gartenmöbel auf, sodass sich Kunden hinsetzen und ihr Eis vor Ort genießen konnten. Für damalige Verhältnisse eine echte Sensation, weshalb sich das kleine Café, vor allem in den Sommermonaten, zum Treffpunkt für Eisliebhaber aus der gesamten der Region entwickelte.

Als Fridas Tochter Renate mit ihrem Mann Gerhart Albers den Laden Ende der 60-er Jahre von den Eltern übernahm, schützten sie den Innenhof mit einem Dach und bauten neue sanitäre Anlagen. Das renovierte Café, das weiterhin einen tadellosen Ruf genoss, führten die beiden bis 1995. Dann übernahm Enkelsohn Matthias Albers, der die Eistradition der Großeltern mit Herz und Handarbeit bis 2008 weiterverfolgte. Auch Tanja Jablanovszky entwickelte die Eisdiele weiter und zog vor wenigen Jahren in die heutigen Räumlichkeiten am Markt 19 ein, wo die Gäste ihr Eis auf einer herrlichen Terrasse genießen können.

Bild von Eiswagen
Das Traditionsgeschäft schreibt in der Eulenstadt seit fast 80 Jahren Geschichte (Foto: Inga Stang)
Eisladen Außenansicht
Inhaberin Tanja Jablonovsky vor ihrem Eisladen. (Foto: Inga Stang)

Eiskreationen aus eigener Manufaktur

Obwohl das schmucke Haus am Markt seinen Gästen neben köstlichen Eisspezialitäten ein stilvolles 50-er Jahre Ambiente bietet, wurde der Umzug von den alten Stammgästen nicht nur positiv aufgenommen. „Manche vermissen das nostalgische Flair des alten Ladens,“ erzählt Jablanovszky. Sie könne das verstehen, denn auch sie verbinde mit ihm zahlreiche Kindheitserinnerungen. „Aber wir mussten umziehen“, betont die Inhaberin, „sonst hätten wir auf eine Außenterrasse verzichten müssen und wären auf Dauer nicht konkurrenzfähig geblieben.“ Ein Hauch von Gründungsmythos weht aber noch heute in der Peiner Kult-Eisdiele: So erinnern gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografien an vergangene Tage, als Eiswaffeln noch Luxus und zwei Kugeln süßes Glück für 40 Pfennige zu haben waren. Das waren noch Zeiten…

Eiscafé Bernauer
Das kleine Café hat sich zum Treffpunkt für Eisliebhaber aus der gesamten Region entwickelt (Foto: Inga Stang)

Bei allem Modernisierungseifer ist man bei der Eisherstellung dagegen traditionsbewusst geblieben: Milch, Sahne, Zucker und Bindemittel sind immer noch die wesentlichen Zutaten für alle Eiskreationen, die seit jeher von Hand und mit Zutaten aus der Region zubereitet werden. Für alle Sorten werden nur beste Zutaten wie Früchte, echte Vanille oder Safran verwendet. Künstliche Aroma- und Farbstoffe sind tabu. Manche Eissorten, wie das Schokoladeneis, basieren sogar noch auf überlieferten Rezepten von Frida Bernauer. „Wir stellen unser Eis von Hand am klassischen Eiskessel her, so wie man das früher gemacht hat.“, erklärt Tanja Jablanovszky ihre Sicht der Eisherstellung, die bekanntermaßen nicht mehr jede Eisdiele teilt.

„Mit einer Kugel Eis kannst du die Menschen glücklich machen.“

Tanja Jablanovszky

60 Sorten süßes Glück

Eisgenuss, soweit das Auge reicht: Im Hochsommer stehen in der Kühlvitrine jeden Tag gut 60 verschiedene Sorten zur Auswahl. Darunter finden sich neben zeitlosen Klassikern wie Erdbeere und Stracciatella auch innovative Rezepturen für kalorienarmes, zuckerreduziertes und laktosefreies Eis. Veganer können verschiedene rein pflanzliche Eissorten probieren. Zu lokalen Anlässen wie dem Peiner Freischießen oder dem Highland Gathering hat Tanja Jablanovszky schräg-skurrile Geschmacksrichtungen wie Härke-Pilsener- oder Whiskey-Eis im Angebot. Und sogar Hunde werden in der Eis-Manufaktur verwöhnt – mit vierbeinerfreundlichem Leberwursteis.

Liegt das Geheimnis des Erfolges also in der Vielfalt des Angebots, in der langjährigen Tradition oder in der Leidenschaft für hochwertige Handarbeit? Tanja Jablanovszkys Erklärung ist so einfach wie einleuchtend: „Mit einer Kugel Eis kannst du die Menschen glücklich machen.“ Ein bisschen Philosophie pflegt man in Peine also auch.

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