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Auf der Spur der süßen Kristalle – in der Zuckerfabrik Clauen im Peiner Land

Feld mit Zuckerrübenpflanzen (Bildrechte: Nordzucker AG)

Ohne Zucker wäre unser Leben nicht einmal halb so süß. Doch hätten Sie gewusst, dass das Zentrum der norddeutschen Zuckerproduktion vor unserer Haustür liegt? Wir waren vor Ort bei der Zuckerproduktion.

Mit der Nordzucker AG ist in der Region ein Global Player auf dem Zuckermarkt Zuhause. Entsprechende Anbauflächen und Produktionsanlagen haben hier eine lange Tradition. Ein Beispiel dafür ist die Zuckerfabrik Clauen, gelegen im sonnenverwöhnten Südwesten des Landkreises Peine. Schon im Jahr 1869 gründeten Landwirte die Zuckerfabrik als bäuerliche Aktiengesellschaft.

Im Peiner Land erstrecken sich fruchtbare Ackerflächen, soweit das Auge reicht. In der Heimat der Zuckerrübe gehen wir der Frage nach, wie der Zucker in die Tüte kommt. Der Zeitpunkt ist gut: Die süßen Feldfrüchte, die hier hervorragend gedeihen, sind bereits geerntet. Sie lagern in großen Rübenmieten am Feldrand. Zuerst beobachten wir ein monströses Gerät bei der Arbeit: einen Rübenlader. In atemberaubender Geschwindigkeit poltern bereits vorgereinigte Rüben auf den Lastwagen, der die Früchte in die Zuckerfabrik transportiert. Bis zu 600 große Fahrzeuge steuern die Fabrik im 1.000-Seelen-Ort Clauen während der Kampagne täglich an. In der Fachsprache bezeichnete Kampagne die Zeit, in der die Fabriken Zuckerrüben verarbeiten.

Ein Rübenlader transportiert die Früchte in die Zuckerfabrik. Bis zu 600 große Fahrzeuge steuern diese während der Kampagne täglich an. (Foto: Nordzucker AG)

Alle Wagen auf die Waage!

An der Waage, die jedes mit Rüben beladene Fahrzeug passieren muss, empfängt uns ein Werksführer, der uns zunächst mit einer weißen Haube, Sicherheitshelm und -weste ausstattet. Festes Schuhwerk mit flachen Absätzen und rutschfester Sohle sind für Besucher ebenfalls obligatorisch.

Auf dem 37 Hektar großen Werksgelände herrscht reger Verkehr. Schließlich werden hier täglich mehr als 10.000 Tonnen Rüben verarbeitet – eine gewaltige Menge, die angeliefert werden muss. Die Anfuhr ist bis ins Detail geplant und erfolgt gleichmäßig über den Tag verteilt. So werden dank einer logistischen Meisterleistung Verkehrsspitzen in den umliegenden Orten, lange Wartezeiten beim Abladen und Rübenengpässe in der Produktion vermieden.

Noch vor dem Entladen machen die Rübentransporter Halt an der Probenentnahme. Die Rübenproben gehen zur Bestimmung des Zuckergehalts ins Werk, dann darf der Fahrer auf dem Rübenhof entladen. Zuerst werden die Rüben gewaschen und die abgewaschene Erde als hochwertiger Boden wieder auf den Feldern ausgebracht. So bleibt die Fruchtbarkeit der Äcker auf natürliche Weise erhalten.

Die Rüben laufen jetzt über Förderbänder in respekteinflößende Schneidemaschinen, die nach lautstarker Arbeit schmale Schnitzel ausspucken. Bereits auf dem Hof fällt der süßliche Geruch der Rüben auf – an dieser Stelle intensiviert er sich noch.

Auf dem 37 Hektar großen Werksgelände werden täglich mehr als 10.000 Tonnen Rüben verarbeitet. (Foto: Nordzucker AG)

Aus Schnitzeln werde Saft

Nun werden die Rübenschnitzel auf etwa 70 Grad erwärmt. In riesigen Extraktionstürmen durchströmt heißes Wasser die Rübenschnitzel und löst den Zucker daraus. Es entsteht eine etwa 15-prozentige Zuckerlösung – der Rohsaft.

„Das Werk Clauen bezieht seit beinahe 15 Jahren keinerlei Grund- und Frischwasser“, sagt der Werksführer und in seiner Stimme schwingt etwas Stolz mit. Wie ist das möglich? „Die Zuckerrübe besteht zu 75 Prozent aus Wasser. Dieses mitgebrachte Wasser kann ganz hervorragend für die Zuckergewinnung genutzt werden“, erklärt er. Geschlossene Wasserkreisläufe und der Einsatz modernster Technik machen es möglich, dass heute nahezu kein Fremdwasser mehr nötig ist.

Da der Rohsaft neben Zucker auch andere Stoffe aus der Zuckerrübe enthält, wird die Zuckerlösung mit Hilfe von Kalk und Kohlensäure gereinigt. Das Ergebnis dieses Verfahrensschritts ist klarer, hellgelber Dünnsaft mit einem Zuckergehalt von 16 Prozent.

Jetzt wird Dampf gemacht

Unser Weg führt nun zu einer mehrstufigen Verdampfstation. Hier wird dem Dünnsaft so lange Wasser entzogen, bis sogenannter Dicksaft entsteht. Dieser wird nun in riesigen Kesseln bei Unterdruck eingedampft.

Wir erfahren, dass der Zucker im Saft ab einer Konzentration von 76 Prozent zu kristallisieren beginnt. Durch die Zugabe von sogenannten Impfkristallen – feinstem Zucker – regt man die gleichmäßige Kristallbildung an. Dabei entsteht ein dickflüssiger Brei. All dies spielt sich in einem geschlossenen System ab. Die sogenannte Füllmasse können wir deshalb nicht sehen. Unter ständigem Rühren wird die Füllmasse abgekühlt und die Kristalle wachsen zur gewünschten Größe.

Nun werden die Kristalle in einer Zentrifuge vom anhaftenden Muttersirup getrennt und mit Wasser gereinigt. Der Zucker ist jetzt weiß. „Wenn man diesen Zucker erneut auflöst und ihn nochmals kristallisieren lässt, entsteht die Raffinade, also besonders reiner Zucker“, erklärt unser Guide.

Der Rübendicksaft wird in unzähligen, riesigen Kesseln bei Unterdruck eingedampft. (Foto: Nordzucker AG)

Das ist er also: der Zucker, den wir in der Tüte kaufen und der unseren Kaffee süßt. Und obwohl das Werk Clauen ausschließlich losen, kristallinen Weißzucker für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie produziert, können wir uns nun auch vorstellen, wie andere Zuckersorten entstehen. Denn der fertige Zucker – getrocknet und gekühlt – bildet die Grundlage für alle Produkte der Nordzucker-Marke Sweet Family. Dazu zählen beispielsweise Gelier-, Würfel und Puderzucker.

Unser Rundgang neigt sich dem Ende zu. Nachhaltig beeindruckt und um interessante Erkenntnisse reicher, treten wir den Heimweg durch die fruchtbare Bördelandschaft an. Der süße Duft der eher unscheinbar aussehenden Rübe begleitet uns noch ein Stück.

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