Zum Inhalt springen

Handgemacht: Kaffeeröstereien und Micro-Breweries in Wolfenbüttel

Mann kocht Kaffee in einer Kaffeerösterei (Bildrechte: Norman Lies)

Beim Genuss von Kaffee und Bier geht der Trend seit Jahren zu hochwertigen und individuellen Produkten aus kleinen Firmen. Besonders beliebt sind handgemachte Erzeugnisse, bei denen alle Schritte von der Auswahl der Rohstoffe über die Produktion bis zum Verkauf transparent sind. So etablieren sich zunehmend kleine Privatbrauereien – auch Micro-Breweries genannt – auf dem Markt. Und immer mehr Cafés locken mit dem Duft aus eigener Rösterei. Auch in Wolfenbüttel setzt der Zeitgeist kulinarische Akzente.

Treccino: Rösterei und Caffèbar

Seit Monika Steinig 2014 die Caffèbar Treccino eröffnet hat, fehlt ihr rotes Piaggio-Dreirad mit mobiler Kaffeebar auf dem Wolfenbüttler Marktplatz. Dafür lädt sie mit ihrem Mann am Alten Tore 1a zum Wohlfühlen und Genießen ein. Bei schönem Wetter können Sie draußen sitzen und bei einem Espresso oder Filterkaffee in die historische Altstadt blicken. Im Inneren des Cafés dominieren warme Braun- und Rottöne. Auffälligster Einrichtungsgegenstand ist der rote Kaffeeröster, der an eine Mischung aus gewaltiger Kaffeemühle und Alchemistenofen erinnert. In diesem gasbetriebenen Trommelröster werden sortenreine Arabica-Rohkaffees in traditioneller Langzeitröstung verarbeitet. Dadurch soll der Kaffee besonders aromatisch schmecken und gut verträglich sein.

Die meisten Sorten bezieht das Paar über Kleinimporteure, die direkten Kontakt mit den Erzeugern in den Ursprungsländern pflegen. Das Prinzip des „Direct trade“ gewährleistet fairen Handel und nachhaltigen Anbau. Die Auswahl im Treccino ist groß: Neben ausgewählten Kaffeespezialitäten, die es auch laktosefrei und zum Mitnehmen gibt, finden Sie auf der Karte Biotees, Trinkschokoladen und das gesamte Sortiment von David Rio Chai-Tees. Saisonale Kreationen wie Smoothies, Frappés und ein sommerlicher „Eispresso“ runden das Angebot ab – hier lohnt sich also ein Besuch zu jeder Jahreszeit!

Die Caffèbar Treccino bezieht den Arabica-Rohkaffee über Kleinimporteure, die direkten Kontakt mit den Erzeugern in den Ursprungsländern haben. (Foto: Clemens Meyer-Hoitz)

Pinocchio: Die kleinste Kaffeerösterei Deutschlands

Jo Weigmann betreibt im Herzen Wolfenbüttels ein Café mit drei Tischen und der kleinsten Kaffeerösterei Deutschlands. Hier kann es schnell schon einmal voll werden, doch bei einem Gastgeber wie Jo rückt man gerne zusammen. Der gebürtige Franke verströmt die Leidenschaft und Lässigkeit eines Italieners. Und wenn Sie mit ihm ins Gespräch kommen, dann überträgt sich etwas von dieser Leidenschaft garantiert auch auf Sie. Jede Tasse, jeder Kaffeesack, jedes Bild im Pinocchio hat eine Geschichte. Da ist zum Beispiel das Foto von Eva, einer alten Barista. Bei der heute weit über 90 Jahre alten Italienerin lernte Jo die Kunst des Kaffeeröstens Anfang der 2000er. Bereits in den 1980er Jahren hatte ihn der Genuss des ersten Espressos südlich des Brenners nachhaltig begeistert.

Es vergingen gut zwanzig Jahre, bis der ehemalige Schreinermeister, Parkettleger und Polizist seinen Weg zum selbstständigen Rösten und Verkaufen von Kaffee fand. Heute bietet er unterhalb seiner Wohnung am alten Kornmarkt 14 (!) köstliche Espressi, Cappuccinos, Latte Machiatos und Filterkaffees an. Und wer die frisch gerösteten Kaffeebohnen mit nach Hause nehmen will, dem kredenzt Jo aromaschonende Ventilbeutel mit Espresso- oder 100% Arabica-Bohnen.

Privatbrauerei Stebner: Wolfenbüttels erstes Craft Beer

Als Andreas Stebner 2014 zufällig zwei alte Familienrezepte zum Brauen von Bier entdeckt, reift in dem Inhaber einer Feinkost-Manufaktur die Idee, eine eigene Brauerei in Wolfenbüttel zu gründen. Nach mehreren Lehrgängen nimmt er am 22. Juni 2016 in der Okerstraße 16 die Brauerei Stebner in Betrieb. Als erste Kreation entsteht das „Stebner Landbier“: von rotbrauner Farbe, vollmundig, mit einzigartiger Malznote. Mittlerweile finden sich auch Pilsner, Indian Pale Ale, Alt-, Schwarz- und Fruchtbiere im Angebot der Brauerei, die sich reine Handarbeit, erlesene Zutaten und einen Mix aus alten Rezepten und neuen Ideen auf die Fahnen schreibt. Eine Bar lädt zur Verkostung vor Ort ein. Ein Shop, in dem Sie Flaschen für zu Hause kaufen können, befindet sich nur wenige Meter entfernt. Zu Stebners besonderen Angeboten zählen Braukurse und das „Custom-Beer“ – hier haben Sie die Möglichkeit, eigene Kreationen in Auftrag zu geben oder bereits existierende Biere mit individuellem Etikett zu versehen.

Mad Dukes Brewery: Bier aus der Region für die Region

Anfang Januar 2016 startete das Crowdfunding-Projekt der Mad Dukes („verrückte Herzöge“). Heute können die selbst erklärten Lokalpatrioten Timo Baars, Marcel Hotopp, Patrice Theuring und Christian Thönebe bereits auf eine kleine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Das erste Ziel von 10.500 Euro haben sie längst erreicht. Die Resonanz in der Region ist groß. Ein „ehrliches“ Bier, ungefiltert und ohne Chemikalien, wollen die jungen Männer aus regionalen Zutaten herstellen. Erste offizielle Geschmackstests mit dem „Weizenbüttler“ verliefen vielversprechend – und weitere spannende Kreationen wie Weizenfestbier, Kürbisbier und ein Bier mit Kaffeearomen sind geplant. Nachdem alle Crowdfunding-Unterstützer beliefert worden sind, werden sich die Mad Dukes um ein Händlernetz kümmern. Erhältlich ist das Bier seit September beim Tires Grill & Feinkost, Krambuden 18, 38100 Wolfenbüttel. Aktuelle Info zu Bezugsmöglichkeiten finden Sie auf der Facebook-Präsenz der Mad Dukes.

„Wir möchten dem Bier seine Seele zurückgeben“

Das Mad-Dukes-Team
Vorheriger Artikel
„Play it again“ – mechanische Musikinstrumente in Königslutter
Nächster Artikel
„Innovation ist eine feste Triebfeder der Wirtschaft“