Zum Inhalt springen

„Play it again“ – mechanische Musikinstrumente in Königslutter

Frank Bierstedt mit Akkordeon (Bildrechte: Frank Bierstedt)

Wussten Sie, dass es schon vor über 100 Jahren selbstspielende Geigen gab? Diese und andere Raritäten können Sie im Museum mechanischer Musikinstrumente betrachten – und in klanggewaltiger Aktion erleben.

15 Kilometer westlich von Helmstedt liegt der Kaiserdom von Königslutter – und nur wenige Schritte vom Dom entfernt steht das Museum mechanischer Musikinstrumente, das eine wahrhaft faszinierende Ausstellung mit 250 Objekten beherbergt: von der Miniaturspieluhr, die in eine geschlossene Faust passt, bis zur zwölf Quadratmeter großen Karussellorgel. Fast alle Instrumente und Geräte sind übrigens intakt und jederzeit spielbereit.

Und deshalb empfehlen wir auch unbedingt die Teilnahme an einer Führung: Diese ist nicht nur kundig und humorvoll, sondern als besonderen Clou erleben Sie im Rahmen der Führung viele der Exponate in Aktion. Schauen und hören Sie selbst!

Nach dem Museumsbesuch empfiehlt sich das angrenzende Domcafé, um den Klangeindrücken nachzuspüren. (Foto: Thomas Kempernolte)

Tasten und Saiten, wie von Geisterhand bewegt

Besonders sehenswert ist ein Steinway-Konzertflügel von 1910, den die Firma Welte automatisiert hat. Dieser so genannte Reproduktionsflügel kann mithilfe von papierenen Lochstreifen Stücke wiedergeben, die vorher mit einem speziellen Flügel aufgezeichnet wurden. Zahlreiche berühmte Komponisten und Pianisten verewigten ihr Klavierspiel auf diese Weise – von Claude Debussy über Max Reger und Gustav Mahler bis hin zu George Gershwin. Einmalig an der Welte-Automation ist, dass nicht nur Tonhöhe und -länge, sondern auch die Anschlagstärke aufgezeichnet wurde: Somit klingen die Reproduktionen ungemein natürlich und „livehaftig“.

Noch herausfordernder für die Tüftler von „anno dunnemals“ war es, eine Geige mechanisch zum Klingen zu bringen. Wer jemals so ein Streichinstrument in der Hand hielt, der wird bestätigen, dass das Zusammenspiel aus Saiten und Geigenbogen komplex ist: Bis der erste schöne Ton erklingt, vergehen viele Stunden mühevollen Übens. Der Firma Hupfeld aus Leipzig gelang es 1910 mit ihrem „Phonoliszt Viola“, drei Geigen und ein Klavier vollautomatisch zu einem herrlich klingenden Quartett zusammenzuführen. Nach einer Vorführung auf der Brüsseler Weltausstellung 1910 wurde es als „achtes Weltwunder“ bezeichnet.

Auf eine eigene Weise skurril, und sehens- wie hörenswert, ist ein „Nachbau“ des berühmten Schauspielers und Sängers Tino Rossi. (Foto: Thomas Kempernolte)

Mit Pauken und Trompeten

Noch ein bisschen vielfältiger und vor allem wesentlich lauter ist die 1925 hergestellte Karussellorgel der Gebrüder Bruder aus Waldkirch: Wenn der Museumsführer dieses beeindruckende Instrument startet, legen die Besucher beeindruckt die Ohren an! Hier erklingen nämlich nicht nur Orgelpfeifen, sondern auch Trommeln und Becken.

Auf eine eigene Weise skurril, und sehens- wie hörenswert, ist ein „Nachbau“ des berühmten Schauspielers und Sängers Tino Rossi. Diese animierte Figur in Lebensgröße kann ihren Mund und ihre Augen bewegen – dazu erklingen ein mechanisch gespieltes Schlagzeug und ein Akkordeon. Durchaus interessant sind auch die Reaktionen der Zuschauer auf diese Vorführung: Für den einen sieht sie einfach nur lustig aus, der andere findet die augenrollende Figur sogar ein wenig gruselig.

Wissenswertes, verständlich erklärt

Neben den Vorführungen bietet das Museum auch viele Informationen über die Instrumente: Historisches, Technisches zur Funktionsweise – und allerlei Fun Facts. Auf diese Weise können Sie die Welt der mechanischen Musikinstrumente sinnlich und intellektuell zugleich erleben. Und wer keine Lust auf eine Führung hat, der kann am Eingang ein Begleitheft durch die Ausstellung erwerben: Unter dem programmatischen Titel „Ihre Ohren werden Augen machen“ führt Sie dieses Heft auf 76 Seiten mit vielen Abbildungen durch den Museumsparcours.

Nach dem Museumsbesuch empfiehlt sich das angrenzende Domcafé, um den Klangeindrücken nachzuspüren – hier gibt es köstlichen Kaffee und Kuchen. Frisch gestärkt könnten Sie sich danach auch noch in das ebenfalls sehenswerte Dom- und Steinmetzmuseum begeben: Es wurde 2011 neu eröffnet und zeigt den Kaiserdom und seine Baugeschichte aus der Sicht des Steinmetzhandwerks. Erleben Sie hautnah, welche große menschliche Leistung hinter dem Bau dieses Doms steht!

Hörbeispiele

Vorheriger Artikel
Discgolf: Sport, Spiel und Spaß mit Wurfscheiben
Nächster Artikel
Handgemacht: Kaffeeröstereien und Micro-Breweries in Wolfenbüttel