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Von Grotrian Steinweg bis Sandberg Guitars:
In der Löwenstadt spielt die Musik!

 (Bildrechte: Allianz für die Region / Jörg Scheibe)

Klassik, Jazz, Pop und Rock – weltweit gespielt auf Instrumenten aus Braunschweig. Eine kleine Firmenkunde.

Perlende Pianoklänge, funkige und rockige Bässe oder zarte Geigenmelodien – in Braunschweig liegt Musik in der Luft. Und das nicht erst seit gestern: Die Löwenstadt ist eines der Zentren des deutschen Musikinstrumentenbaus. Der größte deutsche Hersteller von Klavieren und Flügeln, Schimmel Pianos, hat seinen Sitz in Braunschweig, ebenso wie Grotrian-Steinweg, ein namhafter Hersteller von Tasteninstrumenten. Doch damit nicht genug: Ähnlich kraftvoll wie der Löwe, der der Stadt einst ihren Namen gab, und nicht weniger bekannt und beliebt sind die elektrischen Bässe und E-Gitarren der Firma Sandberg Guitars. Etwas sanftere und vornehmlich klassische Töne hingegen schlagen die Streichinstrumente des Geigenbaumeisters Joseph Boasson an, dessen Meisterbetrieb seit 1988 über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen hat. Die Großen und Kleinen der Braunschweiger Instrumentenindustrie mögen den meisten unter Ihnen bereits zu Ohren gekommen sein. Doch was vielleicht die wenigsten bisher wissen: Auch der Erfinder des Taktstocks, Louis Spohr, war ein waschechtes Braunschweiger Musiktalent. Neben dem Teufelsgeiger Paganini zählte er zu den größten Geigern seiner Zeit. Er war auch als Komponist, Dirigent und Gesangslehrer aktiv.

Gitarrenbau bei Sandberg Guitars in Braunschweig. (Foto: Allianz für die Region / Jörg Scheibe)

Tradition innovativ gestalten

Wie viele Teile hat eigentlich ein Schimmel-Piano? Es sind bis zu 9.000! In feinster Handarbeit werden hochwertige Hölzer verarbeitet und lackiert, sowie Saiten gezogen und Klaviaturen montiert. Das Ergebnis: massive und elegante Instrumente, die bei Konzerthäusern und Künstlern ebenso heißbegehrt sind wie bei Privatkunden – und das schon seit 1885. In jenem Jahr gründete Wilhelm Schimmel in Leipzig nach Abschluss der Tischlerlehre eine eigene Klavierwerkstatt, die sich schnell einen Namen machte. Später erfuhr sie unter anderem als Hoflieferant des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach und des Königs von Rumänien besondere Anerkennung.

Es folgten Jahre mit Höhen und Tiefen: Jahrzehntelang bewegte sich das Unternehmen auf Erfolgskurs, eine Neuausrichtung in den 90-er Jahren ließ Schimmel ebenso wie andere Größen der Klavierbaubranche eine Krise abwenden. Das Unternehmen positionierte sich mit unterschiedlichen Linien in verschiedenen Preissegmenten. 2009 driftete das Unternehmen dann doch kurzfristig in die Insolvenz – und startete im Jahr 2010 wieder durch.

150 Mitarbeiter zählt das Familienunternehmen heute: Klavierbaumeister, Schreinermeister und Konstrukteure arbeiten in der Schimmel-Manufaktur und leben einen gemeinsamen Leitsatz: „Tradition innovativ gestalten“. Heute stehen Schimmel-Klaviere und -Flügel unter anderem in der Leipziger Oper, dem Londoner „English National Ballet“, aber auch bei berühmten Plattenfirmen wie „Motown Records“ oder „Mercury Records“ in New York.

„Mein Schimmel – ein Flügel, der mich abheben lässt! Danke in Freundschaft“

(Udo Jürgens)

Glück auf 88 Tasten

In der Grotrian-Steinweg-Straße in Braunschweig ist der Name Programm – seit 1974 hat die international bekannte Pianoforte-Fabrik Grotrian-Steinweg hier ihren Firmensitz. Im Jahr 1835 von Heinrich Engelhard Steinweg gegründet, gehört sie heute zu den ältesten Pianoforte-Fabriken der Welt. Clara Schumann und Paul Hindemith, aber auch der Jazzpianist Jacques Loussier und der eng mit Braunschweig verbundene Komponist Hans Werner Henze – sie alle schwuren und schwören auf die schwarzen und weißen Tasten von Grotrian-Steinweg. Inhaber Wilhelm Grotrian gab seinerzeit seinen Söhnen Kurt und Willi, die später ins Unternehmen eintraten, einen Leitspruch mit auf den Weg, der noch heute gilt: „Jungs, baut gute Klaviere, dann kommt alles andere von selbst“.

In der Braunschweiger Manufaktur produzieren heute 60 Mitarbeiter jährlich circa 500 Pianos, Flügel und historische Tasteninstrumente der Premiumklasse, zudem Zuliefer- und Zubehörteile. Seit Jahrzehnten sind die Instrumente des deutschen Klavierherstellers weltweit gefragt – gegenwärtig werden sie in über 60 Länder exportiert. Die Familie Grotrian-Steinweg ist auch heute noch durch Liebhild Grotrian-Steinweg-Pahl im Gesellschafterkreis vertreten – die Familientradition des 180-jährigen Unternehmens hat auf diese Weise auch für die Zukunft eine wichtige Stimme. Und so setzt das deutsche Unternehmen weiterhin auf altbewährte Traditionen, gepaart mit Wissen und Technik der Neuzeit. Zwei Dinge haben sich dabei nie verändert: der Klang und die Liebe zur Musik.

Bei Sandberg werden Gitarren noch von Hand gebaut. (Foto: Allianz für die Region / Jörg Scheibe)

Ganz dick im Bassbau-Geschäft und streichzart auf jeder Saite

Nicht nur Bassisten deutscher Bands – wie Torsten Scholz von den Beatsteaks, Oliver Riedel von Rammstein oder Ines Smentkowski von den Broilers – schwören auf die E-Bässe und E-Gitarren des deutschen Unternehmens Sandberg Guitars. Weltweit sind die Instrumente gefragt. 1986 gründete Holger Stonjek gemeinsam mit Freund Gerd Gorzelke das Unternehmen. Seit 1990 hat Sandberg Guitars seinen Firmensitz in Braunschweig. Auf 700 Quadratmetern bauen 17 Festangestellte und acht Freiberufler mehr als 1500 Instrumente im Jahr. Leidenschaft, Technik und das richtige Holz sind bei Sandberg die Schlüssel zum perfekten Klang. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Kreative Köpfe stecken hinter jedem Instrument und auch bei ausgefallenen Sonderwünschen gilt seit mehr als 30 Jahren der Firmen-Leitspruch: „Always by your side“.

Es ist genau diese Liebe zum Detail, die auch den Geigenbaumeister Joseph Boasson bei der Herstellung seiner Instrumente antreibt. Seit mehr als 52 Jahren baut, repariert und vermietet der in Jerusalem geborene Boasson nunmehr Geigen, Bratschen, Celli und Bögen. 1988 ließ sich der Geigenbaumeister in Braunschweig nieder und ist seitdem weit über die Grenzen der Löwenstadt hinaus für seine Instrumente bekannt, denn jedes Stück ist ein Unikat.

E-Bässe bei Sandberg Guitars. (Foto: Allianz für die Region / Jörg Scheibe)

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