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Denkmäler in Wolfsburg: Eine kurze Erinnerungsgeschichte der Stadt

Das Alvar-Aalto-Kulturhaus (Bildrechte: Lars Landmann)

Wolfsburg ist eine vergleichsweise junge Stadt – sie wurde 1938 am Fabrikstandort des damals so genannten Hauptwerks von VW gegründet. Hätten Sie gewusst, dass Wolfsburg in Sachen Erinnerungskultur überraschend viel zu bieten hat? Gehen Sie mit uns auf Entdeckungstour und erfahren Sie mehr über zehn bemerkenswerte Denkmäler!

Rund um den Hauptbahnhof

#1 Sara-Frenkel-Platz: Bronzener Buchenstamm erinnert an Zwangsarbeiter

Es waren Buchen auf dem Klieversberg, in deren Rinde ein russischer Zwangsarbeiter 1944 seine beklemmenden Gravuren hinterließ. Sie dienten der Künstlerin Sabrina von Weizsäcker als Vorbild für ihre Baum-Nachbildung aus Bronze. Die Plastik steht seit 2010 auf dem Sara-Frenkel-Platz unweit der Wolfsburger Markthalle, genau dort, wo sich im Zweiten Weltkrieg die Verbindungswege zweier Zwangsarbeiterlager kreuzten. An diesem Ort erinnert das Denkmal seither an alle Zwangsarbeiter, die in der NS-Zeit in Wolfsburg zur Arbeit gezwungen wurden. Die polnisch-jüdische Krankenschwester Sara Frenkel, die als junge Frau mit falscher Identität im Stadtkrankenhaus eingesetzt war, ist Namenspatronin für den ehemaligen Europaplatz – stellvertretend für alle ihre Leidensgenossen.

#2 L’Emigrante: Denkmal für die Migranten der Stadt

Skulptur "L'emigrante" am Willi-Brandt-Platz
Skulptur "L'emigrante" am Willi-Brandt-Platz (Foto: Lars Landmann)

Aufrecht steht der Mann und blickt mit einem zaghaften Lächeln in eine neue Zukunft. Einen Koffer trägt er unter dem Arm, ein anderer steht zu seinen Füßen. Seit 2004 erinnert die mannshohe Bronze-Plastik eines italienischen Einwanderers an alle italienischen Migranten, die Wolfsburg seit den 1960er Jahren mit aufgebaut und geprägt haben. 2010 zog das Denkmal vor den Hauptbahnhof, wo der ehemalige Oberbürgermeister Rolf Schnellecke bei der Enthüllung treffende Worte fand: „L‘Emigrante ist die Kunst gewordene Ehrung des italienischen Anteils am Werden unserer Stadt.“ Die Figur stammt vom Künstler Quinto Provenziani.

#3 Heizkraftwerk Nord/Süd: Wahrzeichen mit Vergangenheit 

Mit ihren hohen Schornsteinen sind die beiden Heizkraftwerke Wolfsburg Süd und Nord bedeutende Wahrzeichen der Stadt. Das vordere, zum Bahnhof gelegene Kraftwerk Süd ist mit dem Werk ab 1938 errichtet worden. Das daran anschließende Kraftwerk Nord kam in den 1950er Jahren hinzu. Sie liegen direkt gegenüber dem Hauptbahnhof auf der Nordseite des Mittellandkanals und verfügen, genau wie die Werksanlagen, über Fassaden aus braunem Klinker. Das berühmte VW-Logo prägt das Gebäude mit seinen acht Metern Durchmesser übrigens schon seit den 1950er Jahren und kann bei Nacht beleuchtet werden. Dabei sind die Kraftwerke bei weitem nicht nur Dekoration: Bis heute versorgen sie das Volkswagenwerk mit Energie und die Stadt mit Fernwärme. 

#4 Alvar-Aalto-Kulturhaus: ein Gesamtkunstwerk

Ein Haus auf Stelzen, mitten in der Fußgängerzone: Das Alvar-Aalto-Kulturhaus ist ein Kulturzentrum, das von dem finnischen Architekten und Designer Alvar Aalto gestaltet und 1962 eingeweiht wurde. Da Aalto auch alle Details – selbst Möbel, Lampen und Türklinken – entwarf, gilt das Gebäude als Gesamtkunstwerk. Neben der Wolfsburger Stadtbibliothek ist seit einigen Jahren auch das Netzwerk Baukultur in dem denkmalgeschützten Gebäude untergebracht. 

(Foto: Lars Landmann)

#5 Schloss Wolfsburg: Namensgeber der Automobil-Metropole

Namensgeber der bald 80 Jahre alten Automobil-Metropole ist die mittelalterliche Niederungs- und Wasserburg, die vor mehr als sieben Jahrhunderten von den Rittern aus dem Geschlecht derer von Bartensleben erbaut worden ist. Die Umgestaltung zum prächtigen Schloss der norddeutschen Renaissance erfolgte um 1600. Im 18. Jahrhundert wurde der vierflügelige Prachtbau von einem als Englischer Landschaftsgarten angelegten Schlosspark umgeben; heute beherbergt das traditionsreiche Bauwerk neben der Städtischen Galerie auch das Stadtmuseum. Hier können Sie die wechselvolle Geschichte der Stadt erkunden, die von den Nationalsozialisten auf dem Reißbrett geplant wurde und erst nach dem Zweiten Weltkrieg ihren heutigen Namen erhielt. Seither ziert das Baudenkmal das Wappen der Stadt.

Zwischen Stadtmitte und Klieversberg

#6 Scharoun-Theater-Wolfsburg: funktionaler Klotz von Weltrang

Als Stadt mit vergleichsweise kurzer und wechselhafter Geschichte hat Wolfsburg nach dem Zweiten Weltkrieg systematisch den Neuanfang gesucht – auch architektonisch. Deshalb beauftragte sie 1969 den durch den Bau der Berliner Philharmonie bekannt gewordenen Architekten Hans Scharoun mit dem Bau eines Stadttheaters. Heraus kam nach vierjähriger Bauzeit ein kühnes Bauwerk, das durch schlichte Formensprache und die auf Anhieb erkennbare Funktionalität seiner Bauteile überzeugt. Im Zentrum befindet sich der Zuschauerraum, der gleichmäßig gute Sichtbedingungen ermöglicht. 1989 wurde das Gebäude durch das Landesamt für Denkmalpflege in die Liste der Kulturdenkmale der Stadt Wolfsburg aufgenommen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde das Theater im Januar 2016 wiedereröffnet.

#7 Heilig-Geist-Kirche von Alvar-Aalto: außergewöhnliche Formensprache

Schwungvolle Formen, klare Linien und eine helle Atmosphäre – das zeichnet die evangelisch-lutherische Heilig-Geist-Kirche mit ihrem angegliederten Gemeindezentrum aus. Man macht sich dabei kaum noch eine Vorstellung davon, wie außergewöhnlich ein solcher Kirchenbau in den frühen 1960er Jahren gewesen ist. Genau wie das Kulturhaus im Stadtzentrum entwarf der finnische Architekt und Designer Alvar Aalto die beiden Sakralbauten im Stadtteil Klieversberg. Beide zählen architektonisch zur Internationalen Moderne und stehen mit ihrer schlichten Formensprache für eine antisentimentale Tendenz in der Baukunst. Zu Kirche und Gemeindehaus gehören auch eine Kindertagesstätte und ein Pastorat, die als Komplex die Architektur der gartenstadtartigen Umgebung prägen. Seit 2015 gehört die Kirche zur Lukas-Gemeinde. 

#8 VW-Bad: historisches Badevergnügen 

Sprungturm, Rutsche, Schwimmerbecken: Das 1951 eröffnete Volkswagen Bad wurde im Auftrag des Volkswagenkonzerns innerhalb von 90 Tagen als moderne Freizeitanlage gebaut. Eine Million Mark investierte der Autobauer damals in das städtische Badevergnügen, dem die Wolfsburger vorher lediglich an Badestellen am Mittellandkanal sowie am Großen Schillerteich frönen konnten. Bei der Eröffnung wurde das Bad feierlich an die Stadt Wolfsburg übergeben, die es bis heute erfolgreich betreibt. Zwar ist das Bad nicht mehr wie in den 1980-er Jahren das meistbesuchte der Stadt, aber rund 100.000 Besucherinnen und Besucher wissen das besondere Ambiente vor Ort bis heute zu schätzen.

Fallersleben

Hoffmannhaus: Geburtshaus des berühmten Dichters 

Das Geburtshaus des Dichters und Gelehrten August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern im Wolfsburger Stadtgebiet. Als zweitältester Sohn des Gastwirts Heinrich Hoffmann erblickte der spätere Hochschullehrer für Germanistik und Verfasser der deutschen Nationalhymne 1798 darin das Licht der Welt. Das stattliche Fachwerkhaus selbst wurde bereits im 17. Jahrhundert erbaut und 1984 modernisiert. Heute wird es wie zu Hoffmanns Zeiten als Gaststätte in der Altstadt des Wolfsburger Stadtteils Fallersleben geführt und eine steinerne Büste erinnert an den Dichter, der aus Liebe zu seiner Heimatstadt den Namenszusatz „von Fallersleben“ annahm. Wer mehr über den berühmten Sohn der Stadt erfahren möchte, sollte es nicht versäumen, auch die Dauerausstellung des Hoffmann-Museums im Schloss Fallerleben zu besuchen. 

(Foto: Manfred Hensel)

Laagberg

KZ-Außenlager Laagberg: Mahnmal gegen das Vergessen 

1943 begann man am Laagberg mit dem Bau eines Baracken-Lagers. Die damalige Volkswagenwerk GmbH hatte die Fertigung der Flugbombe Fi 103 (auch V1 genannt) übernommen und die Unternehmensleitung ging davon aus, dass man dafür in großer Zahl Arbeitskräfte benötigen würde. Im nordöstlichen Bereich wurde 1944 auf Betreiben von VW ein Außenlager des KZ Neuengamme eingerichtet. Bis kurz vor Kriegsende leisteten dort etwa 800 männliche Insassen aus Frankreich, den Niederlanden, Polen, Spanien sowie der Sowjetunion Schwerstarbeit. 1987 wurde an der Breslauer Straße, die mitten durch das ehemalige Lagergelände führt, eine Stele errichtet, die als Mahnmal an dieses düstere Kapitel der Stadtgeschichte erinnert. Seit man 2017 im südlichen Geländebereich bei Bauarbeiten auf Fundamente stieß, wird auch über die Errichtung einer Gedenk- und Erinnerungsstätte diskutiert.

(Foto: Bildersammlung StaWo)
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