Zum Inhalt springen

Aus Alt mach Neu: Goslar zeigt, dass Recycling lohnt

Endprodukt Kupferkonzentrat (Bildrechte: Jörg Scheibe)

Schon in der Schule lernen wir, den Müll zu trennen – damit er recycelt werden kann. Die Wiederverwertung von Ressourcen ist auch im industriellen Stil sinnvoll und wichtig. Goslar ist ein Hotspot der Recyclingtechnologien, wir stellen die drei Top-Unternehmen vor.

Metalle und Seltene Erden sind die Stoffe, aus denen unsere technologischen Alltagsbegleiter gefertigt sind. Aber ihr Abbau und ihre Neugewinnung sind kostenaufwendig, ökologisch problematisch und befeuern häufig genug Konflikte in den Abbaugebieten. Umso wichtiger ist es also, Altmetalle aus Elektronikschrott zu gewinnen. Damit diese für die Industrie einsatzbereit sind, bedarf es anspruchsvoller Aufbereitungsverfahren. Die Region Goslar hat sich zu einem Top-Recyclingstandort für Sondermetalle entwickelt. Besonders für Fachkräfte im Bereich Metallurgie, Chemie und Recycling bietet die Region daher spannende Karrierechancen.

Chemienetzwerk Harz

Logo ChemieNetzwerk Harz
(Foto: ChemieNetzwerk Harz)

Am Puls der Schlüsseltechnologien – H. C. Starck GmbH

Keiner unserer allgegenwärtigen Alltagsbegleiter vom PC bis zum Smartphone wäre denkbar ohne spezielle Metalle wie Niob, Tantal, Wolfram und Molybdän. Diese Metalle müssen nicht nur aufwändig (wieder-)gewonnen, sondern auch je nach Einsatzgebiet speziell verarbeitet und aufbereitet werden. Genau das ist das Kerngeschäft der H. C. Starck GmbH, die mittlerweile auf eine hundertjährige Firmengeschichte zurückblicken kann.

Label EU Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
(Foto: EFRE)

Doch Metall ist nicht Metall. Durch entsprechende Bearbeitung und Aufbereitung können die Eigenschaften der Metallpartikel bis ins Detail designt und so optimal für ihre Einsatzzwecke gefertigt werden. Ob Pressen, Sintern, Walzen und Verdichten: Das Unternehmen beherrscht alle Feinheiten der Pulvermetallurgie. Und wenn andere Materialien an ihre Grenzen gelangen, beginnt der Einsatzbereich von Hochleistungskeramik, einem weiteren von H. C. Starck verarbeiteten Werkstoff. Damit befindet sich die Firma auch am Puls der Schlüsseltechnologien der Zukunft, egal, ob im Bereich Elektronik, Gießerei, Automobilbau oder Medizintechnik. Mit weltweit über 900 Patenten repräsentiert das Unternehmen zudem einen wichtigen Impulsgeber für Forschung in der Region Goslar. H.C. Starck ist Mitglied im Chemienetzwerk Harz.

Pretty in Zink – NORZINCO GmbH

Wir mögen es im Alltag vielleicht nicht bemerken, aber Zink ist überall präsent. Ob zur Vulkanisierung im Rahmen der Reifengummiherstellung oder in der Kosmetik-Industrie: Ohne Zinkverbindungen geht es nicht. Als einer der führenden Hersteller von Zinkstaub und Zinkoxid ist die NORZINCO GmbH ein wichtiger Vertreter der Recycling-Branche und metallurgischen Industrie im Raum Goslar. Damit ist die Firma als Lieferant für viele Industriezweige von großer Bedeutung. Das gilt beispielsweise für die Elektronik- und Lackindustrie. 

Doch was ist Zinkstaub und wofür wird er eigentlich eingesetzt? Zinkstaub ist ein echtes Multitalent – es dient als Pigment zum Korrosionsschutz, wird beim mechanischen Verzinken und für spezielle Verfahren im Bereich der chemischen Industrie benötigt. Norzinco kann im sogenannten New-Jersey-Verfahren aus zinkhaltigen Recycelrohstoffen hochreinen Zinkstaub und Zinkoxide gewinnen. Das ist von zentraler Bedeutung, da die Wiederverwertbarkeit von Zink ökonomisch und ökologisch sinnvoll und wichtig ist.

Das Unternehmen bietet viele spannende Einstiegsmöglichkeiten erfahrene Fachkräfte und Absolventen.

Viel zu schade für den Schrott – Electrocycling GmbH

Mit immer kürzer werdenden Lebenszyklen von Smartphones und Fernsehern fällt immer mehr Elektronikschrott an – der wertvolle Rohstoffe enthält. Das Recycling dieses Elektroschrotts ist eine echte Mammutaufgabe. Die Firma Electrocycling beweist dies eindrucksvoll: Die 160 Mitarbeiter sortieren monatlich circa 4.000 Tonnen Elektroschrott – das entspricht dem Gewicht von 5.555 Automobilen der Marke Smart…

Das Unternehmen schlägt aber nicht nur Rohstoffe um, es hilft seinen Kunden auch, die komplexen rechtlichen und organisatorischen Anforderungen ans Recycling zu meistern. Für Gewerbeunternehmen bietet die Electrocycling GmbH zum Beispiel die Bestückung mit Sammelbehältern für Elektroschott und deren Abholung an. Auch die bundesweite Demontage von Industrieanlagen befindet sich im Leistungsspektrum des Unternehmens.

Recycling von Flachbildschirmen
Electrocycling - Recycling von Flachbildschirmen (Foto: Jörg Scheibe)

Als zertifizierter Recycler für elektronische Altgeräte bietet das Unternehmen ein geschlossenes Verwertungs-und Leistungssystem (Electrocycle-System), das allen gesetzlichen Vorgaben gerecht wird. Wie wichtig das ist, zeigt der Umstand, dass das Unternehmen inzwischen über eine halbe Milliarde Tonnen Elektroaltgeräte verwertet hat. Die Entsorgung von elektronischen Altgeräten erfordert jedoch klare Sicherheitsstandards im Umgang mit Datenmüll. Sensible Daten müssen sicher gelöscht werden, um nicht wiederhergestellt werden zu können.

Und welchen Metallen gilt bei der Gewinnung das Hauptaugenmerk? Vor allem Stahl, das eines der am meisten verwendeten Materialen in elektronischen Geräten ist, Aluminium, dessen Neugewinnung extrem CO2-intensiv ist, und Kupfer, das vor allem in Kabelform in Altgeräten vorliegt und dessen Neugewinnung extrem aufwendig ist, müssen recycelt werden.

Gut möglich also, dass Sie schon heute in Ihrem Smartphone ein Stück Goslar mit sich herumtragen – oder dass ausgemusterte Technik aus Ihrem Haushalt einmal dort landet…

Fließbandsortierung bei Electrocycling
Fließbandsortierung bei Electrocycling (Foto: Jörg Scheibe)
Vorheriger Artikel
Arbeitgeber in Braunschweig: Ein kleiner Überblick
Nächster Artikel
Vom Kartoffelchip bis zur Karosserie: Arbeitgeber in Gifhorn