Zum Inhalt springen

Spielwiese für Ingenieure – Gifhorn setzt auf Forschung und Entwicklung

Werk Knesebeck (Bildrechte: Butting)

Dort kann man alles. Sogar Hochdeutsch. Die Rede ist von Gifhorn, einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Niedersachsens. Aufgrund seiner Nähe zu Wolfsburg sind neben etlichen Zulieferern und Dienstleistern der Automobilbranche, auch Forschung und Entwicklung ansässig. Kein Wunder, dass man hier laufend neue Patente anmeldet und immer mehr Ingenieure den Landkreis für sich entdecken. Stuttgart ist Ihnen zu teuer? Dann kommen Sie doch in die Region!

Bei Ekkehard Pott aus Gifhorn gehören Geistesblitze zum Tagesgeschäft. Und wenn er das Haus verlässt, hat er immer Notizzettel dabei – auch im Urlaub. Sein Arbeitgeber VW – hier arbeitet Pott in der Aggregate-Entwicklung für Nutzfahrzeuge und Kleindiesel – profitiert davon erheblich: Alleine in den Jahren 2012 und 2013 hat das Deutsche Patentamt mit Sitz in München mehr als 30 seiner Ideen für so innovativ befunden, dass es sie mit Patenten schützte. Und so wurde Pott im Jahr 2014 auf der „Inventors Night“ zum Mitarbeiter mit den meisten Patenterteilungen in jenen beiden Jahren gekürt.

Auch andere Unternehmen im Landkreis Gifhorn fördern Forschung intensiv – wir stellen die wichtigsten Firmen und Projekte vor:

IAV: Automobil-Technologie der Zukunft

Der größte Arbeitgeber der Stadt ist die Ingenieurgesellschaft für Auto und Verkehr (IAV). Rund 3.500 Mitarbeiter sind in der Gifhorner Hauptniederlassung tätig, die zu den weltweit führenden Engineering-Dienstleistern der Automobilindustrie zählt. Seit über 30 Jahren entwickelt das Unternehmen innovative Konzepte und Technologien für einen zukunftsorientierten Verkehr. Eine Kernkompetenz des Standortes ist die Entwicklung serientauglicher Lösungen rund um Elektronik, Antriebsstrang und Fahrzeugtechnik. So hat IAV an etlichen Pionier-Projekten mitgearbeitet, zum Beispiel am 1-Liter-Auto von VW sowie an Motormanagement und Getriebesteuerung des 3-Liter-Lupo.

Trotz des Fokus auf den Bereich Automotive ist IAV in Gifhorn breit aufgestellt: In Laboren für Lithium-Ionen-Batterien und Brennstoffzellen forscht das Unternehmen im Bereich Elektromobilität, mit eigener Crash-Anlage zur Fahrzeugsicherheit und natürlich ganz generell zum Thema automatisiertes Fahren. Auch die Frage nach einer nachhaltigen Energieversorgung ist immer wieder Forschungsfeld bei IAV. Aktuell plant das Unternehmen unter anderem eine Pilotanlage, um sich eingehend mit der Wasserelektrolyse und der Umwandlung von Wasserstoff in Methan zu befassen. Zu den bekanntesten Entwicklungen der Gifhorner Ingenieure gehört übrigens ein Mikro-Blockheizkraftwerk, das Mehrfamilienhäuser und kleine Gewerbebetriebe mit Wärme und Strom versorgt kann.

Bertrandt: E-Mobilität und intelligente Stromnetze

Bertrandt gehört zu den führenden Engineering-Dienstleistern für die internationale Automobil- und Luftfahrtindustrie. 1995 eröffnete das schwäbische Unternehmen seine Niederlassung in Tappenbeck, wo heute über 2.000 Mitarbeiter auf einer Anlage von 50.000 Quadratmetern im Bereich Entwicklung tätig sind. Das Thema Elektromobilität steht dabei ganz oben auf der Agenda, denn für Steuerung und Antrieb benötigt ein E-Auto jede Menge Elektronik. In die dafür notwendige Prüf- und Messtechnik sowie in die Infrastruktur sind bereits zahlreiche Investitionen geflossen, aber auch die Fabrik- und Fertigungsplanung für E-Fahrzeuge will das Unternehmen weiter ausbauen. Darüber hinaus streckt Bertrandt seine Fühler nach weiteren Zukunftsthemen aus. Ganz heiß: intelligente Stromnetze, die das Zusammenspiel von Energieangebot- und nachfrage steuern.

Continental: viel mehr als heiße Reifen

Ein weiterer bedeutender Arbeitgeber in Gifhorn ist Continental, der deutsche Marktführer für Reifenproduktion. Vor Ort beschäftigt der Konzern etwa 1.500 Mitarbeiter und hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1871 vom reinen Reifenhersteller zu einem der wichtigsten Zulieferer der Automobilindustrie weltweit entwickelt. Auch Continental setzt auf Forschung und Entwicklung, zum Beispiel mit dem „Cruising Chauffeur“ im Bereich automatisiertes Fahren oder mit Tests des neuen Kraftstoffs Oxymethylenether, kurz OME, auf dem Feld der klimaneutralen Mobilität. Wussten Sie eigentlich, dass das Gifhorner Continental-Werk zu den umsatzstärksten Standorten des gesamten Konzerns zählt und die Konzern-Leitung in den nächsten sechs Jahren 100 Millionen Euro in den Standort investieren will? Wenn das keine Perspektive ist!

Butting Gruppe: volles Rohr voraus

80.000 Tonnen: So viel Stahl verarbeitet die BUTTING Gruppe allein an ihrem Standort in Knesebeck, Kreis Gifhorn. Klar, dass das Unternehmen mit über 1.400 Mitarbeitern, rund 100 Auszubildenden und einem Werksgelände, das fast so groß ist wie fünf Fußballfelder, zu den größten Arbeitgebern in der Region gehört. Der Schwerpunkt des Werkes liegt in der Fertigung von Rohren aller Art: längsnahtgeschweißt, aus Band und Blech und natürlich einbaufertig. Im Jahr 2015 erhielt Butting den bisher größten Auftrag seiner über 200-jährigen Unternehmensgeschichte: 170 Kilometer rostfreie Rohre zur Erschließung eines Ölfeldes in Kasachstan. Von der Leistungsvielfalt zeugen auch Fassaden-Rohre für das höchste Gebäude der Welt, den Burj Khalifa in Dubai, oder Kraftstoff-Förderleitungen für die Ariane Trägerrakete.

„Gemeinsam mit dem Kunden entwickeln wir unsere Produkte ständig weiter“, sagt Herrmann Butting, der das Familienunternehmen in siebter Generation führt. Eine langfristige Standortentwicklung ist ihm wichtig und dazu gehört auch, dass sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren. Deshalb gibt es bei Butting etliche Anreize wie flexible Arbeitszeitmodelle, übertarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie eine betriebliche Gesundheitsförderung. Was will man mehr?

VW-Testgelände: viel Raum für beste Ideen

Im Kreis Gifhorn befindet sich auch das Testgelände der VW-Abteilung für Forschung und Entwicklung, das laut Volkswagen das größte seiner Art weltweit ist. Auf dem rund 11 Quadratkilometer großen Gelände in Ehra-Lessien drücken die rund 1.000 Mitarbeiter ordentlich aufs Gas. Doch um Geschwindigkeit geht es dabei nur am Rand, vielmehr stehen die Fahr- und Sicherheitseigenschaften der Automobile im Fokus, auch die von Elektroautos und selbstfahrenden Modellen.

„Bereits in wenigen Jahren wird die Ära des vollautonomen Fahrzeugs in manchen Metropolen der Welt beginnen.“

Axel Heinrich, Leiter der Forschung

Auf dem „Future Mobility Day“ Juni 2017 stellte die Ideenschmiede des Konzerns bereits Technologien und Konzepte für die Mobilität der Zukunft vor. Die „Vision Zero“ verfolgt zum Beispiel das Ziel, die Zahl der Verkehrstoten auf null zu senken. Wie das gelingt? Mit selbstfahrenden Autos, die dank künstlicher Intelligenz permanent dazulernen. Axel Heinrich, Leiter der Forschung, ist überzeugt: „Bereits in wenigen Jahren wird die Ära des vollautonomen Fahrzeugs in manchen Metropolen der Welt beginnen.“

Vorheriger Artikel
Fashion, Abwechslung und beste Bedingungen: Arbeiten bei New Yorker
Nächster Artikel
Kopf hoch – Tanzen! Was geht in Braunschweigs Clubszene?