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New Work in der Region

Kleine Druckerwand in der fabmaker GmbH. (Bildrechte: fabmaker GmbH)

„New Work“ ist in aller Munde – aber nicht immer ist klar, was überhaupt hinter diesem Begriff steckt: Bedeutet er Home Office am Laptop, mehr Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit oder doch einfach nur Gleitzeit und den Kickertisch im Großraumbüro? Hier erklären wir, welche 5 Aspekte die Entwicklung von New Work prägen – und wieviel New Work in unserer Region steckt.

„New Work“ liest sich natürlich nur zufällig so ähnlich wie „New York“, aber das Neue, Moderne, Fortschrittliche erscheint bei beiden Begriffen sofort vor dem geistigen Auge.

Fakt ist: Digitalisierung und New Work hängen eng zusammen und je höher der Digitalisierungsgrad einer Gesellschaft ist, desto mehr Arbeit kann in Rahmenbedingungen stattfinden, die wir "New Work" nennen.

Wir stellen in diesem Artikel die wichtigsten Entwicklungen dar, die für sich allein betrachtet meist noch kein „New Work“ darstellen, aber zu prägenden Elementen des New Work-Konzeptes geworden sind.

#1 Von Agil bis Zukunftsorientiert - die Arbeitsweise

Der stetige Wandel von einer Industrie- zur Wissensgesellschaft geht auch bei uns in Deutschland mit einer hochgradigen digitalen Vernetzung einher und schafft zunehmend neue Strukturen der Arbeitsweise. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Zusammenarbeit: Denn je kleinteiliger ein Arbeitsprozess durch die Digitalisierung wird, desto mehr Vernetzung und selbständige Arbeitsweise sind nötig, um zum Ziel zu kommen.
In der Softwareentwicklung hat man dafür einen Begriff geprägt, der inzwischen auch in anderen Bereichen Einzug hält: Agil. Dahinter verbirgt sich die Idee, ein Projekt oder Produkt Schritt für Schritt mit einem sich selbst organisierenden Team zu entwickeln.

 

Je kleinteiliger ein Arbeitsprozess durch die Digitalisierung wird, desto mehr Vernetzung und selbständige Arbeitsweise sind nötig, um zum Ziel zu kommen.

Ihren Ursprung hat diese Entwicklung im Silicon Valley, wo am Anfang der Jahrtausendwende mit dem „Coworking“ eine neue Arbeitsform entstand. Die Grundidee ist, dass sich Spezialisten aus verschiedenen Branchen oder Abteilungen nicht nur einen Büroraum teilen, sondern auch das gemeinsame Wissen – zum Gewinn beider oder eben des ganzen Unternehmens.

Das Firmenschild von Google.
Hier nahm alles seinen Anfang: Google und andere Unternehmen aus dem Silicon Valley setzten von Beginn an auf den New Work-Ansatz. (Foto: Greg Bulla /unsplash)

#2 Im Großraumbüro oder am Palmenstrand: Der Arbeitsort

An eine Palme gelehnt, die Füße im Sand, den Laptop auf den Knien: Auch so können Arbeitsplätze aussehen. Selbständige vor allem aus der IT oder mit Finanz- und Beratungsdienstleistungen haben dank der weltweit voranschreitenden Digitalisierung zunehmend die Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz jederzeit neu bestimmen zu können – daher werden sie gelegentlich auch „Digitalnomaden“ genannt.
Alles, was sie brauchen, ist oft nur ein robustes Notebook und eine stabile Internetverbindung.

Generell gilt im New Work: Der Arbeitsplatz ist nicht mehr fest definiert, sondern hat  sich nach den Bedürfnissen der Arbeitenden zu richten. Oft sind so genannte Coworking Spaces das bevorzugte Lösungsmodell. Hier können sich Spezialisten in flexiblen Arbeitsplätzen mit kompletter Infrastruktur branchenübergreifend vernetzen, ihr Wissen teilen und teils auch gemeinsame kreative Prozesse entstehen lassen.

Auch das eigene Zuhause wird zunehmend zum Arbeitsplatz. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie beschleunigte die Entwicklung zum Homeoffice in Deutschland. Aber auch aus anderen Gründen wird Homeoffice immer häufiger von Arbeitnehmern eingefordert. Sei es, um Familie und Beruf besser zu vereinen, um Arbeitswege zu sparen oder um ungestörter arbeiten zu können.
Dank digitaler Vernetzung und Kommunikationswege stellt das mobile Arbeiten, „Remote Work“, auch in den eigenen vier Wänden grundsätzlich kein Problem mehr dar.     

#3 Die Arbeitszeit

Wie viele andere Aspekte unterliegt auch die Einteilung der Arbeitszeit einem Wandel. New Work-Konzepte gehen dabei weit über Gleitzeit-Regelungen hinaus und sehen auch eine weitgehende Autonomie in der Nutzung der Tageszeit für Arbeitsaufgaben vor.
Flexible Zeitfenster sind eine weitere Maßnahme, um die Eigenverantwortung zu erhöhen und die Arbeitszeit den produktiven Phasen von Mitarbeitern anzupassen.

Ein zeitgemäßes Arbeitsumfeld, um Job und Privatleben zum Nutzen beider besser vereinbaren zu können, wünscht sich laut einer Umfrage etwa in der Region Braunschweig-Wolfsburg eine Mehrheit der Arbeitnehmer.      
Und sie finden zunehmend Gehör: Statt in festen Zeitstrukturen verhaftet zu bleiben, finden sich immer mehr Unternehmen, die sich von den klassischen Arbeitsstrukturen distanzieren.

#4 „Wer ist hier der Boss?“ – Hierarchien

Arbeitsprozesse werden kleinteiliger und digitaler. Das mündet laut New Work-Experten im Aufbrechen von Hierarchien: Führungspersonen geben Macht ab und delegieren Entscheidungsgewalt zu selbstorganisiert arbeitenden Teams, die schnell eigenständige Entscheidungen treffen können.

Ein zunehmend digitales Arbeitsumfeld führt fast automatisch zu einem Wechsel in der Führungskultur.
Ziel ist, dass Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Mitarbeiter und Führungskraft die intrinsische Motivation erhöhen. Konkret bedeutet das: Weniger Anwesenheitskontrolle und Top-down-Attitüde beim Manager, sondern mehr Vertrauen, Eigenverantwortung und Rückendeckung bei gleichzeitiger Vorgabe der Richtung.

Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Mitarbeiter und Führungskraft sollen die intrinsische Motivation erhöhen.

#5 New Work - Neue Arbeit

New Work hat viele zentrale Säulen, darunter den flexiblen Arbeitsort oder die agile Arbeitsweise. Doch ganz grundsätzlich bedeutet „New Work“ eben auch genau das: Neue Arbeit.
Neue Tätigkeiten, Ausbildungen und Cluster entstehen, die sich komplett an der Digitalisierung der Wirtschaft ausrichten. Die Palette ist bunt: Sie reicht von Profi-Influencern über (selbständige) IT-Experten bis hin zu Ausbildungen wie 42Wolfsburg oder Networking-Spaces wie den TrafoHub in Braunschweig, welche die digitale Transformation begleiten.
Gleichzeitig fördert die Digitalisierung auch neue und zum Teil unsichere Beschäftigungsmodelle und Arbeitsformen wie Crowdsourcing und Clickworking.

Ein Stuhl mit einem Schild: Think outside the box"
Der Klassiker: Ein inzwischen altes Motto, welches man jedoch immer wieder mit Leben füllen sollte. (Foto: Nikita Kachanovsky /unsplash)
Von Heide bis Hightech, von New Work bis Naturerlebnis

New Work in der Region Braunschweig-Wolfsburg

Die Region Braunschweig-Wolfsburg ist wirtschaftsstark und hochinnovativ. Zudem leben in kaum einer anderen Stadt Europas pro Einwohner so viele Wissenschaftler wie in der Löwenstadt. Ob es um die Forschung und Weiterentwicklung der Mobilität bei Volkswagen geht, aktuell um die Entwicklung eines Corona-Medikaments in Braunschweig oder die Erforschung von sicheren Hochleistungsbatterien in Goslar – Die Region steht mit ihrer Vielfalt an modernen Arbeitsplätzen gut da.

Dass sich das New Work-Konzept mitsamt seiner Idee von flachen Hierarchien und teamorientierter Arbeitsweise in einem solchen Umfeld langsam durchsetzt, liegt hauptsächlich an der Digitalisierung sowie an dem starken Wachstum von Startups in diesen und ähnlichen Bereichen.

Aber auch etablierte Unternehmen, etwa die Softwareentwickler bei Bredex oder die über 265 Jahre alte Öffentliche Versicherung, spielen eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung neuer Standards in unserer Region.

Teamgeist und flache Hierarchien: Die Bredex-Mitarbeiter trafen sich jeden Monat zum Pen&Paper-Spieleabend "Dungeons & Dragons".

Ausbildungen für die Arbeitswelt von morgen

Die digitale Transformation wird die Arbeitswelt prägen. Daher ist es notwendig, dass sich Mitarbeiter mit neuen Technologien, Arbeitsformen und digitalen Werkzeugen vertraut machen. Noch entscheidender ist es, Ausbildungen für die Arbeitswelt von morgen zu entwickeln.
Hier ist unsere Region inzwischen weit vorne: In der brandneuen Wolfsburger Programmierschule „42“ weht dank Gründer Max Senges nicht nur der Geist des Silicon Valley, sondern auch der von Hogwarts und jener aus Ferdinand Porsches Meisterschule. Mehr über das bahnbrechende Konzept mit dem Gamification-Ansatz finden Sie hier.  

Dass die Anwendung und die Entwicklung digitaler Tools und Möglichkeiten aber nicht erst in der Ausbildung, sondern bereits in der Schule erfolgen sollte, ist eigentlich schon eine Selbstverständlichkeit. An der IGS Lengede im Landkreis Peine geht man diese ersten Schritte konsequent und kreativ, zum Vorteil für alle Seiten.

Zwangsläufig werden diese Lösungen unter den Umständen der Corona-Pandemie auch in der Hochschullehre weiter entwickelt. Wie genau die digitale Lehre an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter aussieht, beschreibt Student Fabian Schmidtheisler in einem Blogbeitrag.

 

 (Bildrechte: Kerstin Jasper)

„Der digitale Werkzeugkasten erweitert den traditionellen Klassenraum um die Vorzüge des digitalen Klassenzimmers."

Kerstin Jasper, didaktische Leiterin der IGS Lengede

Einen schon weitergehenden Ansatz verfolgt die promotion school, die für alle Mittel- und Oberstufenschüler der Region offen ist. In diesem begleiteten Wettbewerb lernen die Schüler, in Teams tatsächlich marktreife Innovationen zu schaffen. In diesem Jahr war zum Beispiel eine Online-Änderungsschneiderei neben vielen anderen kreativen Ideen ein Sieger.

Coworking Spaces

Coworking-Region

Das Arbeiten und Entwickeln von Ideen und Projekten in wechselnden Teams ist ein ganz wesentlicher Ansatz von New Work. Wer in der Region als Start-Up oder Freiberufler die Arbeitskultur der Zukunft mit Gemeinschaft und Netzwerk verbinden möchte, findet in Stadt und Land eine vielfältige Auswahl an Coworking-Spaces in großer Bandbreite vor - vom ehemaligen Fliegerhorst in Goslar bis zu einer zum New Work-Tempel umgebauten Markthalle in Wolfsburg.

Welches die Vorteile von Coworking sind und warum auch in unserer Region dabei  noch Luft nach oben ist, erklärt Christian Cordes, Vorsitzender der German Coworking Federation mit Sitz in Braunschweig, im Interview: 

„Keine Floskel, sondern Arbeitsnormalität“

Herr Cordes, was ist für Sie persönlich der große Vorteil am Coworking?

Der große Mehrwert von Coworking ist, dass Menschen in einer Location aufeinandertreffen, die sie freiwillig und selbstbestimmt zu ihrem gemeinsamen Arbeitsort bestimmt haben. Das Thema „sharing“ und „shared economy“ ist für diese Leute nicht nur eine Floskel, sondern Arbeitsnormalität. Das fängt an beim Teilen von Infrastrukturen, von Werkzeugen wie Digitalkameras bis hin zur gemeinsamen Teilnahme an Ausschreibungen.
… lesen Sie hier das ganze Interview.

Inspirierend, anspornend, verbindend

Warum ein Einzelarbeitsplatz nicht produktiver macht, erklärt auch Alexandra Honcza, Geschäftsführerin der Raumwerkstadt GmbH und der Krumpholz Bürosysteme GmbH, im Interview mit Standort38.

Honczas Argumente werden gestützt durch eine zunehmende Nachfrage an Teamworkshop-Locations in Deutschland.
Das Entwickeln von Projekten und frischen Ideen in kleinen oder größeren Teams und an ungewöhnlichen Orten gewinnt an Bedeutung, wenn reines Fachwissen in den Hintergrund rückt und allgemeine digitale Kompetenzen sowie universelle Fähigkeiten aufgewertet werden.

Zwischen Harz und Heide gibt es eine Vielzahl von spannenden Teamworkshop-Locations: Vom Trafo-Hub in Braunschweig, einem Ort für Coworking, Vernetzung und digitale Transformation des Mittelstandes, über ein außergwöhnliches, auf New Work und Outdoor gleichermaßen spezialisiertes Hotel im Oberharz bis zu einer klassischen, vom Weltmarktführer Butting eingerichteten Akademie auf einem Burggelände.

Wie ganze Unternehmen das Prinzip Coworking für sich aufnehmen und täglich im Arbeitsalltag umsetzen, zeigt die Mast-Jägermeister SE aus Wolfenbüttel.
Der Likörhersteller mit Kult-Image auf der ganzen Welt hat eine komplette Etage für das Coworking seiner Mitarbeiter hergerichtet. Der Name: Wolfenbrooklyn. 

Home Office – Nicht nur in der Pandemie ein gefragtes Lösungsmodell

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Infektionsschutzmaßnahmen hat das Home Office für einen großen Teil der Arbeitnehmer an Bedeutung gewonnen. Nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom arbeitete zwischenzeitlich jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland im Home Office. 

Welche Erfahrungen Volkswagen macht, wo 35.000 Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten und die Digitalisierung dadurch an Fahrt aufnimmt, ist hier zu lesen. 
Dass hier wie dort allerdings gute Bedingungen für die Beschäftigten herrschen sollten, machte die IG Metall Braunschweig deutlich.

Auch abseits der Corona-Pandemie sehen viele Beschäftigte in der Region Braunschweig-Wolfsburg das Homeoffice als das am besten geeignete Modell, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren – auch wenn die Mehrheit die meiste Zeit am ehesten am Arbeitsplatz im Betrieb verbringen würde. Die Frage nach dem Homeoffice scheint also ein weiteres Feld, wo New Work und Old Economy aufeinandertreffen.

Vom Batteriezentrum bis Medizintechnik

New Work – Neue Produkte und Ideen

Wo bereits im Analogen eine neue Denkweise Einzug gehalten hat, ist es leichter, neue Technologien und Prozesse zu entwickeln. Dafür gibt es in unserer Region viele gute Beispiele:

  • Die Logistik-Schwergewichte der Schnellecke Group integrieren den Start-up-Spirit, um sich zu digitalisieren. Lesen Sie, was ein 40-Tonner mit Augmented Reality und 3-D-Tetris zu tun hat. 
     
  • New Work und Soziale Dienste, geht das zusammen? Es geht, sogar sehr gut, wie das AWO-Innovationslabor zeigt.
     
  • Ein Roboter als Super-Nanny: Das Saatgutunternehmen Strube im Landkreis Helmstedt experimentiert mit künstlicher Intelligenz auf dem Feld.
     
  • Die Entwickler von LinkLearning in Gifhorn haben die Zeichen der Wissensgesellschaft erkannt. Ihre Anwendung wird in der Beta-Version 2021 das Erstellen und Teilen von Wissen ermöglichen, als Tutorial, als e-Learning oder Anleitung. Dabei ist es egal, ob es um eine Autoreparatur oder eine Softwarebedienung geht. Ein echter Fortschritt für alle Organisationen und Gruppen, die ihr Wissen untereinander oder offen teilen wollen.  

Wie die stetige Innovation unser Leben verändert und wie sich ein Dialog zwischen Gesellschaft und Wissenschaft einrichten lässt, erforscht das Zentrum für Gesellschaftliche Innovation an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter.  

Die vierte industrielle Revolution

Sehr viele weitere Projekte in der forschungsintensiven Region Braunschweig-Wolfsburg, ob von Unternehmen mit Weltruf oder findigen Start-ups, untermauern das Potenzial, welches in neuen Technologien und Arbeitsformen steckt.

Ein teller mit Messer und Gabel, darauf ein Smartphone, welches einen Hamburger zeigt.
Die Digitalisierung wird zwar nicht alle, aber zwangsläufig immer mehr Lebensbereiche umfassen. (Foto: Victor He /unsplash)

Damit die Region ein Spielfeld für digitale Pioniere bleibt, wird es nicht nur notwendig sein, allgemeine IT-Kompetenzen auf allen Qualifizierungsstufen zu vermitteln, wie etwa den neuen und fast einzigartigen Studiengang „Digital Technologies" – auch ein Zugang zum schnellen Breitband-Internet gehört zum Umbauprojekt.
Denn die Digitalisierung, oft auch als vierte industrielle Revolution bezeichnet, ist unumkehrbar. Nutzen wir sie!

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