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Bergbau im Oberharz – das Rückgrat der Region

Nachbau eines Bergarbeiters mit einem Wagen in Miniatur  (Bildrechte: Anselm Neft)

Das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld vermittelt Geschichte hautnah und lebendig: Für Sie haben wir einen Blick in die Tiefe – und in die Vergangenheit – gewagt.

Ohne den Bergbau sähe es heute im Oberharz ganz anders aus: Weder gäbe es die rund 70 Seen, die allesamt künstlich für die Bevorratung von Wasser angelegt wurden, noch den reichen Bestand an Fichten, die man hier ab dem 18. Jahrhundert für den Ausbau von Schächten kultivierte. Dem Bergbau verdankte die Region ihren Reichtum, ihre vergleichsweise hohen Bevölkerungszahlen und Erfindungen wie das Drahtseil. Es gäbe in Clausthal-Zellerfeld mit großer Wahrscheinlichkeit keine Technische Universität und ganz sicher nicht das Oberharzer Bergwerkmuseum, das im Jahr 2017 sein 125-jähriges Bestehen feierte.

Die Geschichte des Bergbaus im Oberharz

Schon im dritten Jahrhundert nach Christus wurden im Oberharz Erze wegen ihres Silbergehalts abgebaut. Eine erste Blüte erlebte der regionale Bergbau im Mittelalter unter der Leitung der Zisterziensermönche vom Kloster in Walkenried. Nach einer Pestepidemie im Jahr 1350 kam der Abbau von Mineralien jedoch zum Erliegen. Die Menschen verließen die Gegend.

Erst 1520 kam wieder Bewegung in die Region. Der chronisch klamme Herzog von Wolfenbüttel gierte nach den Bodenschätzen im Oberharz, brauchte aber Arbeiter, um sie zu bergen. Da er „seine eigene“ Bevölkerung für die Feldarbeit benötigte, lockte er Bergleute aus dem Erzgebirge mit der Zusage einiger Privilegien in den Oberharz. Dazu zählten die Befreiung von Kriegsdienst, Steuerfreiheit, Glaubensfreiheit sowie die Rechte, Bier zu brauen, eine Kuh zu halten und im Wald Holz zu schlagen. Die Gerufenen kamen und brachten neben ihrem Wissen auch ihre Sprache mit. Bis heute sprechen einige ältere Menschen in der Region Clausthal-Zellerfeld und St. Andreasberg noch „Erzgebirgisch“. Auch in der Goslarschen Zeitung finden sich immer wieder Artikel in dem Dialekt, der mit den Bergleuten kam. So lernen wir, dass in diesem Dialekt der Vogel „feucht“, der Nagel „nààchl“ und das Mädchen „maadl“ ausgesprochen wird.

Das Oberharzer Bergbaumuseum – das älteste deutsche Museum seiner Art

Das Bergbaumuseum in Clausthal-Zellerfeld ist eine traditionelle Institution der Stadt und das älteste Bergbaumuseum Deutschlands. Es öffnete bereits 1892 seine Pforten und zählte bis zu seinem 125-jährigen Jubiläum mehr als 5,5 Millionen Besucher. Im Hauptgebäude warten 30 Ausstellungsräume; sie zeigen, wie die Arbeit der Silbererzgewinnung früher vonstattenging, welche Gerätschaften dafür verwendet wurden und wie sich das Leben der Bergleute gestaltete. Zu den Glanzlichtern der Sammlung zählen die historischen Lehrmodelle aus der Sammlung der Bergschule, der Vorläuferin der heutigen Technischen Universität in Clausthal-Zellerfeld. Die feingearbeiteten Holzmodelle bilden Förderbahnen, Förderschächte, Pochwerke und ganze Gruben nach und gelten als die bedeutendste Sammlung ihrer Art.

Aber auch die kleinen Objekte der Sammlung sind sehr sehenswert. Sie erfahren, was es mit „Hillebille“, „Mooskappe“, „Arschleder“ und dem Geleucht „Oberharzer Frosch“ auf sich hat. Und Sie lernen, dass Clausthal früher keinesfalls für alkoholfreies Bier stand, sondern hier – wie auch in den sechs anderen „freien Bergstädten“ der Region – hektoliterweise Nordhäuser Doppelkorn genossen wurde. Das Museum beinhaltet ein Freigelände, ein Mineralienkabinett und einen Videoraum, in dem man sich das harte Leben unter Tage einmal genauer ansehen kann.

Auf schmalen Gleisen im Schaubergwerk

Einen besonders guten Einblick gewährt die Führung durch das Schaubergwerk: Dicke Fichtenstämme, die besonders gerade wachsen und leicht zuzuschneiden sind, stützen Schacht und Stollen, als Röhren für die Pumpen dienen aufgebohrte Stämme. Auf schmalen Gleisen fahren die Loren, auch „Hund“ genannt. In der „Versehrtentonne“ wurden verletzte Bergleute nach oben transportiert. Kam ober Tage eine Leiche an, verbrannten die Arbeiter gleich die gesamte Tonne. Wo es täglich Gefahren für Leib und Leben gibt, gedeiht der Aberglaube. Eindrucksvoll ist auch die unterirdische Kapelle, in der sich die „Kumpel“ in den frühen Morgenstunden zum Gebet versammelten. Das stärkte die Gemeinschaft – und nebenbei konnte man kontrollieren, wer noch seinen Rausch ausschlief ...

Der Mathematiker, Naturforscher und Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg notierte 1780: „Der Reichtum der Bergleute, aber auch ihre Sorgen, reichen gerade nur von einem Sonnabend zum anderen. Bei harter Kost und noch härterer Arbeit sind sie heiter und lustig, spielen ihre Zither und singen ihr Bergliedgen und scheuen den Tod so wenig, der sie so oft und so augenscheinlich bei ihrem Gewerbe zu überfallen droht.“

Spurensuche im UNESCO-Weltkulturerbe – auch per e-Guide möglich

Das Oberharzer Bergwerkmuseum stattet alle Interessierten mit einem elektronischen Outdoor-Führungssystem aus. Der e-Guide EMIL führt Jung und Alt zu besonderen Orten und deckt Zusammenhänge auf: sei es das eiserne Fördergerüst des Ottiliae-Schachtes, die Grubenbahn auf der Tagesförderstrecke, die Radstube Thurm Rosenhof mit ihrem riesigen geschützten Kehrrad oder die Schachtanlage Kaiser Wilhelm II.

1992 ernannte die UNESCO das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg sowie die Altstadt von Goslar zum Weltkulturerbe der Menschheit. Damit gelangte zum ersten Mal in Deutschland ein Zeugnis der Industriekultur auf die Welterbeliste. 2010 wurde die Welterbestätte um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert, die für den Bergbau von zentraler Bedeutung war. In dieses 200 Quadratkilometer große Gebiet fallen Stauseen wie der Oderteich oder der Ottiliae-Schacht – Zeugnisse einer großen Vergangenheit, die die Region wirtschaftlich, technisch, aber auch gesellschaftlich und kulturell bis auf den heutigen Tag prägt.

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