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Familienwochenende in Peine: Von Fliegenden Untertassen, Osterhasen
und Flussfahrten

Eixer See in der Dämmerung (Bildrechte: Christian Bierwagen)

Ob im Wasser, auf dem Wasser oder ganz ohne Wasser – im Peiner Land findet sich für große und kleine Freizeitsportler garantiert etwas. Vom Sonnenbad am Strand eines der zahlreichen Badeseen bis zu Kanutouren auf der Fuhse, von fliegenden Tellern beim Disc Golf bis hin zu Eindrücken aus der Industriekultur, hier gibt es immer etwas zu tun.

Wie wäre es mit einem Aktiv-Wochenende mit der ganzen Familie im Peiner Land? Die Region ist geprägt von einer attraktiven Landschaft aus kleinen Flussauen, Niederungen und sanften Hügeln. Durch den in der Gegend verbreiteten Kiesabbau kommen hier auch Wasserratten voll auf ihre Kosten, denn künstliche Seen sorgen für Biotope „aus zweiter Hand“. Längst sind sie zu beliebten Badeparadiesen geworden, an denen sich einheimische wie auswärtige Besucher nicht nur an heißen Tagen erfrischen und erholen. Aber auch interessante kulturelle und geschichtliche Ziele stehen auf dem Programm.

Zwischen Industriegeschichte und Landlust live

Wenn Sie das Wochenende etwas verlängern können, beginnen Sie idealerweise bereits am Freitagvormittag in der Gemeinde Lengede. So beschaulich es heute auch wirkt, weltweit bekannt wurde Lengede 1963 durch ein dramatisches Grubenunglück und das anschließende „Wunder von Lengede“. Im Eisenerzbergwerk Lengede-Broistedt brach urplötzlich der Klärteich 12 ein, 475.000 Kubikmeter Wasser und Schlamm strömten in die Grube Mathilde und schlossen zahlreiche Bergarbeiter ein. Viele Bergleute konnten gerettet werden, aber elf Arbeiter waren zunächst unerreichbar verschüttet. Ganze 14 Tage lang harrten sie unter Tage aus, bis doch noch die Rettung gelang, an die kaum jemand geglaubt hatte – das Wunder von Lengede! Eine kostenlose Ausstellung im Rathaus dokumentiert die dramatischen Ereignisse in einer Dauerausstellung mit eindrucksvollen Fotos, Zeitungsausschnitten und Informationstafeln. Hier erfahren sie auch mehr über die Geschichte des Bergbaus und der Erdgeschichte, die ihn erst möglich gemacht hat (Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8–16 Uhr, Donnerstag 8–18 Uhr, Freitag 8–12 Uhr; gelegentlich werden auch Veranstaltungen am Wochenende angeboten). Anschließend können Sie an den Klärteichen vorbei zur fünf Kilometer entfernten Gedenkstätte des Grubenunglücks fahren (Schacht Mathilde, Vallstedter Weg, Lengede), hinauf zum Seilbahnberg, wo sie zudem einen herrlichen Rundumblick über das Peiner Land bis hin zum Harz genießen können.

Von der dramatischen Geschichte zur puren Landidylle – mit einer Top-Attraktion für Groß und Klein: Besuchen Sie das Ostereierhaus der „Eiertante“ Frau Gehlhaar in Ilsede-Oberg, sozusagen das Basecamp des Osterhasen (Lahbergweg 10, 31246 Ilsede-Oberg, www.laendliche-deko.de). Ganzjährig wird hier an feinster Oster-Deko gearbeitet, und in der Schauwerkstatt können Sie zusehen, wie aus ganz normalen Hühnereiern durch filigranes Bemalen oder bäuerlichen Kreuzstich echte Kunstwerke entstehen.

Von diesem träumerischen Landlust-Live-Zwischenstopp sind es nur vier Kilometer bis zur Industrieromantik. Das Peiner Land ist geprägt von Bergbau und Stahlindustrie, und nirgendwo wird das eindrucksvoller erlebbar als im Industriepark Ilseder Hütte, einem der großen Komplexe der Industriekultur in Niedersachsen. Hier wurde 1858 ein Hochofenwerk als erste Anlage zur Roheisenerzeugung in Niedersachsen eröffnet, um das herum im Lauf der Jahrzehnte ein ausgedehnter Hüttenkomplex rund um die Stahlproduktion samt Gebläsehalle, Kokerei und Kraftwerk entstand. Tausende Arbeiter verdienten hier ihren Lebensunterhalt. Wie durch ein weiteres Wunder überstand die wichtige Industrieanlage beide Weltkriege unversehrt und ist daher heute ein bestens erhaltenes Industriedenkmal. Über das ehemalige Hüttengelände führt ein eindrucksvoller Industriepfad, den man während einer organisierten Führung erleben kann (mindestens zehn Personen, Kontakt: Tourist-Info Peiner Land, Ilseder Hütte 10, 31241 Ilsede, Tel. 05172-9492-600, www.tourismus-peine.de). Aber auch die Erkundung auf eigene Faust ist jederzeit möglich, über die wito gmbh kann man eine aufschlussreiche Broschüre beziehen, in der die einzelnen Stationen des Industriepfads informativ erklärt werden.

Am Seilbahnberg

Ilseder Hütte

Fliegende Untertassen – ab ins Körbchen

Und zum Abschluss Ihres ersten Erlebnistages im Peiner Land hätten wir noch etwas ganz Besonderes für Sie. Peine ist nämlich das heimliche Zentrum einer noch jungen Sportart: des Disc Golfens. Auf dem Gelände der Ilseder Hütte finden Sie einen großzügigen 18-Bahnen-Disc-Golf-Parcours. (Die dafür erforderlichen Discs sind gegen eine geringe Gebühr im Restaurant „Currywurst & Coffee“ (Eichstraße 5, 31241 Ilsede, Tel. 05172-370247) erhältlich.)

Disc Golf? Genau! Hat nichts mit Disco zu tun und relativ wenig mit Golf, macht aber mindestens genauso viel Spaß. Man könnte es auch Frisbeegolf nennen, aber die Wurfscheiben heißen hier eben Discs. Diese müssen mit möglichst wenigen Würfen in ihr Ziel, einen Metallkorb, gebracht werden. Anders als beim „richtigen“ Golf muss man nicht jahrelang trainieren, um passabel spielen zu können, sondern kann wie beim Minigolf gleich loslegen. Disc Golf ist also geeignet für Groß und Klein und wird am besten in der Gruppe oder der Familie gespielt.

Damit endet Ihr erster erlebnisreicher Tag im Peiner Land. Ein guter Ort zum Übernachten ist Vechelde, wo es am nächsten Morgen auch gleich weitergeht. In der Umgebung finden Sie ein breites Spektrum an Unterkünften – von der privaten Ferienwohnung bis zur Pension. Eine besondere Empfehlung ist das Landhaus Verdi (Dorfstraße 12, 38159 Vechelde). Dort können Sie im Bistro und während der warmen Monate auch im Biergarten zu Abend essen. Wenn es am ersten Abend Ihres Erlebniswochenendes etwas fürstlicher sein soll, können Sie aber auch im Restaurant-Biergarten Fehtlon im ehemaligen Lustschloss von Herzog Ferdinand von Braunschweig speisen, umgeben von einer prächtigen historischen Parkanlage (Hildesheimer Straße 5, 38159 Vechelde; Öffnungszeiten: 11–14.30 Uhr, 17–23 Uhr, montags Ruhetag).

Spaß am See und Abenteuer im Wald

Am Samstag steht Natur pur auf dem Programm. Am Vormittag lockt – entsprechende Außentemperaturen vorausgesetzt – erst einmal Badespaß. Im Naturfreibad Vechelde-Bettmar gibt es alles, was das Herz des Freibadfans höher schlagen lässt: eine im See markierte 50-Meter-Bahn mit Starterblöcken und 5-Meter-Sprungturm – und dazu für die Kleinen eine Kinderrutsche mit Nichtschwimmerbereich. Wer es trockener oder gemütlicher mag, der greift zu den Boulekugeln oder versucht sich an einer Partie Freiluft-Schach. Nur wenige Minuten Fußweg vom Naturfreibad Bettmar entfernt finden Sie an einem weiteren See die idyllische Anlage „Waldsee Camping” am Naturschutzgebiet Bettmarer Holz.

Nach dem Badevergnügen geht es dann aber ab ins Grüne: Der Wald-Erlebnispfad Zweidorfer Holz führt in den Basthorst, ein großes Waldstück zwischen den Ortschaften Meerdorf, Wendeburg und Sophiental. In einem 25.000 Quadratmeter großen Buchen-, Eichen- und Erlenbestand können Sie an 22 Erlebnisstationen Natur hautnah erleben: Mal geht es in die Unterwelt des Waldbodens, mal ins Kronendach, man kann sich tarzangleich von Baum zu Baum schwingen oder Tierstimmen erraten. Der Wald-Erlebnispfad ist nicht direkt mit dem Auto erreichbar. Es gibt drei Ausgangspunkte, um mit einem etwa dreißig Minuten dauernden Spaziergang dorthin zu gelangen. Sie liegen hinter dem Campingplatz Paradiessee bei Meerdorf, am Ortsausgang Sophiental und an der Zweidorfer Mühle. Ausführliche Informationen und Kartenmaterial finden Sie auf www.wald-erlebnis-pfad.de.

Den Tag beschließen Sie schließlich so, wie Sie ihn begonnen haben: am Wasser. Sie haben die Auswahl zwischen drei attraktiven, nur wenige Kilometer entfernten Badegewässern.

Am Rande des ländlich geprägten Dorfes Wehnsen, ein paar Kilometer nördlich von Peine, liegt, von schattenspendenden Bäumen umsäumt, der Wehnser See. Von dort sind es nur gut acht Kilometer bis zur Wipshäuser Kieskuhle. Dieses Gewässer nordöstlich von Peine erfreut sich wegen seines flachen Ufers, seines Spielplatzes und der Möglichkeit zum Grillen besonders bei Familien großer Beliebtheit.

Walderlebnisspielplatz Zweidorfer Holz

Ansicht Naturfreibad Broistedt
Das Naturfreibad Broistedt (Foto: Susanne Jasper)

Der Eixer See schließlich, direkt nördlich von Peine, bietet einen feinen Sandstrand, eine Liegewiese und ein Volleyballfeld und lockt zahlreiche Badegäste an. Erwischen Sie den richtigen Tag im Juni (wir empfehlen den dritten Sonntag), können Sie sogar das Spektakel des Peiner Härke Triathlons miterleben, denn dann wird der Eixer See zur Wettkampfstrecke. Am Südufer des Sees befindet sich auch ein Ausflugslokal. Auf der Seeterrasse lässt sich bei Kaffee, leckerem Eis und Kuchen wunderbar die Sonne genießen oder zum Sonnenuntergang zu Abend essen. Übernachten können Sie ganz in der Nähe zwischen den Seen, etwa im Best Western Hotel Peine-Salzgitter (Ammerweg 1, 31228 Peine) oder auf 4-Sterne-Niveau im Hotel Schönau (Peiner Straße 17, 31228 Peine).

Ansicht Eixer See
Der Eixer See bietet einen feinen Sandstrand, eine Liegewiese und ein Volleyballfeld (Foto: Christian Bierwagen)

Mit dem Kanu durch unberührte Natur

Dann sind sie am Sonntagmorgen direkt startklar für eine ausgedehnte Kanu-Tour über die Fuhse. Gestartet wird an der Eixer Mühle in Peine, die an sich schon einen Besuch wert ist. Schon 1349 wurde sie erstmals in einem Lehnsbrief erwähnt, vermutlich stammt sie aber bereits aus dem 11. Jahrhundert. Gemahlen wird dort zwar nicht mehr, die Mühle dient heute als Landhandel. Die Wasserturbine wird zur Stromerzeugung genutzt.

Hier also beginnt Ihre romantische Kanu-Tour, die Sie in weiten Bögen durch Auen, Wiesen und Felder führt. Auf einer Strecke von gut zwanzig Kilometern geht es vorbei an kleinen Ortschaften, historischen Wassermühlen und Brücken bis nach Uetze. Sie werden auf sechs Wehre treffen, an mindestens zweien muss man das Kanu um das Wehr herumtragen. Doch keine Sorge, die Kanuverleiher zeigen, wie es geht. Wer will, kann auch eine geführte Tour buchen. Picknicken Sie unterwegs im Grünen oder stärken Sie sich nachmittags am Ziel in Uetze bei Kaffee und Kuchen in der Alten Wassermühle.

Für einen rustikalen Ausklang des Wochenendes empfiehlt sich schließlich ein Besuch im Kreuzkrug, einem traditionellen Landgasthof ganz in der Nähe von Uetze, der seit 200 Jahren Gäste beherbergt und für seine Enten (nicht Eulen!) berühmt ist. Dort können Sie bei regionalen Spezialitäten ein erlebnisreiches Wochenende ausklingen lassen.

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