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Historisches Helmstedt: 10 Mal Geschichte lebendig erfahren

Altes Kloster bei Sonnenschein (Bildrechte: Sara Uhde)

In Helmstedt und Umgebung finden sich eindrucksvolle Zeugen einer weit zurückreichenden Vergangenheit. Ob Klöster, Schlösser oder Großsteingräber: In der Region kommen Historiker, Kunstfreunde und Archäologen auf ihre Kosten.

Die Klosterkirche St. Lorenz & St. Vincenz in Schöningen

Von weither fallen dem Besucher die beiden Türme von St. Lorenz ins Auge. Anders als üblich, stehen sie nicht im Westen, sondern im Ostteil am Chorraum der Kirche. An diesem Ort wurde laut Gründungsurkunde ab 1120 ein romanisches Kloster erbaut. Forscher fanden hier jedoch auch bereits Überreste aus vorromanischer Zeit, die auf einen Wehrturm schließen lassen. Mutmaßlich handelt es sich dabei um einen Teil des Vorpostens, den die Karolinger im 8. Jahrhundert gegen die Slawen aus dem Osten errichteten.

Der Innenraum der Kirche besticht mit seinem reichen Netzgewölbe, figürlichen Schlusssteinen und den „Himmel“- und „Hölle“-Räumen mit ihren eindrucksvollen Deckenbemalungen. Ein weiterer, duftender Besuchermagnet: Der Bibelgarten von St. Lorenz zeigt über 200 Pflanzen aus verschiedenen Regionen. Es handelt sich ausschließlich um Gewächse, die in der Bibel erwähnt werden. 

Im Herzen von Schöningen liegt die malerische Stadt- und Marktkirche St. Vincenz. An diesem Standort entwickelte sich im 12. Jahrhundert eine Marktsiedlung rund um das Heiligtum – die älteste Stadtkirche im Braunschweiger Land. Seit Langem finden hier an Markttagen Andachten statt. Wer aus dem bunten Treiben in die kühlende Stille des Kirchenschiffs tritt, findet sich in einer eindrucksvollen Architektur wieder. Die ehemals romanische Kirche wurde Mitte des 17. Jahrhunderts wiederhergestellt und besticht seitdem mit einer Kombination aus statischen Renaissanceformen und bewegten barocken Ornamenten. Sehenswert sind neben Orgel, Altar und barocken Grabsteinen auch die Brustbilder biblischer Persönlichkeiten auf der Empore.

Das Schloss Schöningen

Um 1350 unter Welfenherzog Magnus I. als Jagdschloss und Grenzfeste errichtet, erinnert das Schloss Schöningen aufgrund von Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert heute nur noch teilweise an die prächtige spätmittelalterliche Anlage. Beeindruckend ist das historische Ambiente aber allemal. Der große Saal bietet eine einmalige Kulisse für Hochzeiten und andere große Feiern. Die liebevoll eingerichteten Hotelzimmer verheißen romantische Übernachtungen. Abgerundet wird das Angebot von einem Restaurant mit deutsch-italienischer Küche, einem Café und Räumen für Seminare und Schulungen. Im Sommer lockt ein Biergarten Einheimische und Touristen vor die alten Mauern des Schlosses.

Sehenswert sind auch die Schlosskapelle und der ehemalige Schlosspark, der heute als Volkspark allen offensteht.

Das Juleum Novum in Helmstedt

Das Juleum Novum (oder einfach Juleum) ist ein besonders eindrucksvoller Repräsentant der Weserrenaissance. Das mehrgeschossige Hörsaal- und Bibliotheksgebäude diente von 1612 bis 1810 als erste Landesuniversität Braunschweigs. Ein besonderer Hingucker – damals wie heute – ist der 56 Meter hohe achteckige Turm. Beeindruckend sind auch die großen Fenster, die ausgeschmückten Wandflächen und die mit Plastiken verzierten Schaugiebel.

Auch innen begeistert der prunkvolle Bau: Das „Auditorium Maximum“ im Erdgeschoss diente früher als Hörsaal und kann heute im Rahmen von Führungen oder bei Konzerten, Lesungen und anderen Veranstaltungen bewundert werden. Im Obergeschoss wartet eine Bibliothek mit 30.000 historischen Titeln aus jenen Tagen, als das Gebäude tatsächlich als Universität genutzt wurde. Im Kellergewölbe wiederum können Sie sich im Kreis- und Universitätsmuseum umschauen. Früher zechten hier die Studenten in „ihrem“ Weinkeller.

Das Kloster St. Ludgerus in Helmstedt

Das ehemalige Benediktinerkloster dient heute als Begegnungsstätte und modernes Gästehaus. Die klösterliche Atmosphäre durchzieht noch heute den jahrhundertealten Gebäudekomplex; die schlichten Unterkünfte gehen auf ehemalige Mönchsquartiere zurück. In anderen Räumen ist noch zu erahnen, dass es sich um Werkstätten, Stallungen oder eine große Schreibstube handelte. Die Krypta präsentiert sich heutigen Besuchern sogar weitgehend unverändert. Der historische Kaisersaal aus der Barockzeit gehört zu den eindrucksvollsten Räumen. 

Das Kloster wurde bereits um 800 an der Stelle eines germanischen Quellheiligtums gegründet und prägte Helmstedt maßgeblich bis ins 15. Jahrhundert. Im Zuge der napoleonischen Kriege wurde das Kloster 1802 säkularisiert und vom Kirchenbesitz in eine landwirtschaftlich genutzte Staatsdomäne umgewandelt. Heute bestechen die barrierefreien Bauten durch eine Verbindung von historischem Flair und moderner Funktionalität. 72 Gästebetten verteilen sich auf fernsehlose Einzel- oder Sechsbettzimmer. Bei Jung und Alt besonders beliebt sind der idyllische Klosterinnenhof, der gemütliche Gewölbekeller und das Café Olivia mit Kaffee für entspannte Stunden.

Übrigens: Keine 200 Meter entfernt befindet sich die älteste Pfarrkirche Helmstedts. St. Stephani thront als dreischiffige spätgotische Hallenkirche auf dem höchsten Punkt der Stadt und ist unbedingt einen Besuch wert.

Die Basilika St. Johannis in Süpplingenburg

Die wehrhaft wirkende Kirche strahlt an diesem Ort eine besondere Mystik aus. Vielleicht liegt es daran, dass hier die legendenumrankten Tempelritter ein Kollegiatsstift betrieben. Der Ort gilt als eines der letzten Besitztümer des Templerordens auf deutschem Boden. Noch früher stand hier eine Wasserburg, die Kaiser Lothar III. als Stammsitz diente. Nach der Zerschlagung des Templerordens gingen die Konventsgebäude an den Johanniterorden.

Heute dient der spätromanische Bau als Pfarrkirche und Veranstaltungsort für Orgelkonzerte. Das typische Kruckenkreuz der Templer im Deckengewölbe erinnert noch heute an den Orden. An den nahegelegenen Sandteich zieht es jährlich im Mai und Juni etliche Besucher. Dann nämlich stehen die rundherum angepflanzten Rhododendren in voller Blüte. Höhepunkt dieser Zeit ist das von der Gemeinde Süpplingenburg ausgerichtete Blütenfest.

Das ehemalige Zisterzienserkloster Mariental

Ein Kleinod der Romanik erwartet den Besucher in Mariental bei Helmstedt. Die weitläufige Anlage wurde bereits 1138 unter Pfalzgraf Friedrich II von Sommerschenburg errichtet und diente zunächst dem Zisterzienserorden als Kloster. Nach der Reformation waren im Gebäude bis 1745 die evangelische Klosterschule und das Lehrerseminar untergebracht.

Heute lohnt vor allen Dingen die dreischiffige Pfeilerbasilika der ehemaligen Klosterkirche den Besuch. Eindrucksvoll ist auch das Skriptorium (eine romanische Schreibstube), die 1998 im Rahmen des Projektes „Zeitenreisen – Wege in die Romanik“ rekonstruiert wurde. Besichtigungen sind tagsüber möglich, Gruppenführungen können angemeldet werden.

Kloster Mariental (Foto: Sara Uhde)

St. Walpurgis

Die älteste Stadtkirche Helmstedts ist die 1160 erstmals urkundliche erwähnte damalige Kapelle St. Walpurgis. Jahrhundertelang diente das romanische Bauwerk als Pfarrkirche, in der Kinder getauft und Ehen geschlossen wurden. Im Zuge der Reformation verlor St. Walpurgis diese Funktion und wurde zu einer Nebenkirche der nahegelegenen St. Stephani.

Bockshorn-Klippe und Großsteingrab Groß Steinum

Auf dem über fünf Kilometer langen „Geologie- und Naturerlebnispfad Dorm“ gelangt der Wanderer am Rande des trefflich benannten Dorfes Groß Steinum zur sagenumwobenen Bockshorn-Klippe. Es handelt sich bei diesem Naturdenkmal um imposante Knollenquarzite, die rund 60 Millionen Jahre auf dem Buckel haben. Wippen kann man auf dem ebenfalls passend benannten „Wippstein“ leider nicht mehr, da er in drei Teile zerfallen ist. Stattdessen können Sie sich anhand von Tafeln über die geologischen Hintergründe dieser einzigartigen Steinformationen informieren.

Nur 800 Meter entfernt wartet das erste von drei Großsteingräbern aus der jüngeren Steinzeit. Zusammen mit den Quarziten der Bockshorn-Klippe bilden die Steingräber wahrscheinlich Punkte auf einer Linie, die heilige Plätze in einer heiligen Landschaft miteinander verband. Gesichert sind diese Überlegungen zu den Landmarken jedoch nicht, zumal die Bewohner Groß Steinums einige der Steine bei ihrer Entdeckung Anfang 1950 umgruppierten.

Von archäologischem Interesse sind auch die Grundrisse einer ehemaligen Burganlage. „Dit nije hus“ (das neue Haus) könnte der reale Ort zu einer Sage über ein Räubernest namens der „Neue Hof“ sein.

Die Lübbensteine bei Helmstedt

Die südlichsten Großsteingräber Norddeutschlands finden sich bei Helmstedt und gelten als eines der herausragenden archäologische Wahrzeichen im Braunschweiger Land. Es handelt sich um zwei Anlagen aus Knollenquarzit, die jeweils aus einer Kammer und einem seitlich abgesetzten Gang bestehen. Errichtet wurden das vollständig rekonstruierte Nord- und das nicht komplett erhaltene Südgrab von Menschen der Trichterbecherkultur im 4. Jahrtausend vor Christus auf dem St. Annenberg. Die malerische Lage, die einen weiten Blick ins Land erlaubt, erhöht den Reiz der archaischen Anlagen. Sie dienten als Kollektivgräber, in denen Familien oder Sippen bestattet wurden. Zahlreiche Hinweise sprechen dafür, dass die Anlagen als heilige Plätze galten und dort Rituale abgehalten wurden.

Die Steingräber, um die sich im Volksmund einige Sagen ranken, demonstrieren das technische Knowhow der Jungsteinzeit. Solche Anlagen zu errichten erforderte sowohl bestimmte Gerätschaften als auch die Anstrengung der gesamten Siedlungsgemeinschaft.

Die mittelalterlichen Warten im Lappwald

Über viele Jahrhunderte bildete der Lappwald einen Grenzforst zwischen braunschweigischem und preußischem Staatsgebiet. Schmuggler, wie der regional bis heute bekannte Räuberhauptmann Rose, nutzten den Grenzwald für ihre Zwecke. Andere errichteten hier bereits im 13. Jahrhundert Beobachtungstürme, auf die der Wanderer im Naturschutzgebiet Elm-Lappwald bis heute stoßen kann: die Magdeburger Warte und die beiden Walbecker Warten. Die runden Steinbauten dienten als Beobachtungsposten und Verteidigungsanlagen und wurden von der Helmstedter Landwehr als äußerer Teil der Stadtbefestigung genutzt. Die komplett wieder aufgebaute Magdeburger Warte kann heute als zehn Meter hoher Aussichtsturm bestiegen werden.

Im Lappwald existiert außerdem noch ein Wachturm aus jüngerer Zeit. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlief die innerdeutsche Grenze durch den Forst. Entsprechend findet sich der Beobachtungsturm der ehemaligen DDR-Sperranlage. Wer mehr darüber erfahren will, findet interessante Objekte und Informationen im Zonengrenz-Museum in Helmstedt.

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