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Naturpark Elm-Lappwald: Unterwegs auf 65.000 Fußballfeldern

zwei Radfahrer genießen Blick über den Clarateich (Bildrechte: Thomas Kempernolte)

Im Mittelalter belagerten Raubritter die Handelsstraßen entlang des Elms. Und noch im 19. Jahrhundert unternahm der dreiste Räuberhauptmann Rose mit seiner Bande Diebeszüge in den Lappwald-Gemeinden. Eine Spurensuche mit dem Fahrrad.

Heute ist es zum Glück ruhiger und sicherer geworden in den Wäldern und auf den Höhen bei Helmstedt und Königslutter. Wir machen uns mit dem Fahrrad auf den Weg, um den Beweis für diese Behauptung anzutreten. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Naturpark Elm-Lappwald hat eine Ausdehnung von sagenhaften 470 Quadratkilometern – das entspricht über 65.000 Fußballfeldern. Zum Glück ist die Landschaft wesentlich attraktiver als kurzgemähter Sportrasen: Hier finden sich vier Höhenzüge, der größte Buchenwald Norddeutschlands und die Landschaftsschutzgebiete Drömling und Mittlere Schunter, um nur zwei der insgesamt 13 Landschaftsschutzgebiete des Kreises Helmstedt zu nennen. Im Kreis Helmstedt wird Natur gepflegt und großgeschrieben. Erst 2016 gründete sich ein neuer Geopark-Trägerverein und in Königslutter findet sich in einem ortstypischen Fachwerkhaus ein zentrales Informationszentrum des Vereins FEMO, dem Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen e.V.

Diese einzigartige Naturwelt lässt sich am besten auf dem Sattel erkunden. Fünf verschiedene Touren können wir besonders empfehlen:

1. Der Elmkreisel – die schwere Variante

Gleich die erste Tour fordert unser fahrerisches Können. Wir sind mit dem Mountainbike in den größten Buchenwald Norddeutschlands aufgebrochen – auf den Spuren der frühen Elm-Bewohner.

Dass der Höhenzug heute weitgehend unbesiedelt ist, bemerken wir bald nach der Abfahrt in Schöningen. Auf Trails geht es vorbei an der Goldquellenhütte, an der Schunterquelle und am Osterspring zum Lutterspring. Unsere einzigen Begleiter: der Gesang der Vögel und das Geräusch der Reifen auf dem weichen Boden.

Am Lutterspring nehmen wir uns etwas Zeit, um das sprudelnde Wasser zu beobachten. Die insgesamt sieben Quellen zählen mit einem Ausstoß von durchschnittlich 230 Litern Wasser pro Sekunde zu den stärksten in Norddeutschland.

In Königslutter statten wir der mächtigen Kaiser-Lothar-Linde hinter dem Kaiserdom einen Besuch ab. Der Kaiser soll im Jahr 1135 persönlich den Auftrag zur Pflanzung des Baums gegeben haben.

Doch nun zurück auf den Trail. Ein langer Anstieg auf den Drachenberg – die dritthöchste Erhebung des Elms – bringt uns aus der Puste. Unsere Mühe wird belohnt: mit einer rasanten Abfahrt ins romantische Reitlingstal.

Am Rittergut Lucklum legen wir eine weitere Pause ein und genießen die Ruhe des pittoresken Dörfchens, bevor wir den höchsten Berg des Elms, das Eilumer Horn (323 Meter), in Angriff nehmen. Am Gipfelkreuz tragen wir uns ins Gipfelbuch ein, dann geht es – diesmal wesentlich zügiger – bergab.

Zum Tetzelstein, dem nächsten Haltepunkt, müssen wir wieder einige Höhenmeter bewältigen. Vorbei an den Hügelgräbern und der Elmsburg führen Trail- und Schotterpassagen zurück nach Schöningen. Leibhaftigen Rittern oder gar Raubrittern sind wir nicht begegnet. Nur ihren mehr oder weniger gut erhaltenen Behausungen.

Streckeninfo:

Länge: 76 Kilometer

Anstiege: 1350 Höhenmeter

Beschaffenheit: 5 % Asphalt, 60 % Schotter, 35 % Pfade

Schwierigkeit: schwer

Abfahrt auf dem Trail ins Luttertal. (Foto: Thomas Kempernolte)

2. FEMO-Nord-Tour – durch Dorm und Lutterheide

Nun wollen wir eine Radtour in die Lutterheide machen – mit einigen Abstechern zu Fuß. Deshalb zählt auch festes Schuhwerk zu unserer Ausrüstung.

Wir starten in Königslutter und steuern den Findlingsgarten des FEMO (Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen) an. In einer nachgebildeten Eiszeitlandschaft bestaunen wir die Findlinge, bevor wir weiterradeln nach Rieseberg. Jetzt umfängt uns eine reizvolle Landschaft. Wiesen mit Sandmagerrasen wechseln sich mit in der Sonne duftenden Kieferwäldchen ab: Wir sind in der Lutterheide angekommen.

Mehr über die Lutterheide und ihre botanischen Besonderheiten erfahren wir bei einem kleinen Fußmarsch auf dem Geologie- und Wald-Erlebnispfad Rieseberg. Nun radeln wir über Rotenkamp und durch den Boimstorfer Sundern weiter zur Mündung des Baches Uhrau in die Schunter. An dieser Stelle erlaubt eine Aussichtsplattform den Blick über das Naturschutzgebiet Lutterlandbruch und die Schunterauen.

Auf dem Weg nach Groß Steinum – hier ist der Name Programm – machen wir einen Abstecher zum Großsteingrab am Dorm. Das rekonstruierte Monument ist etwa 5.500 Jahre alt. An der Bockshornklippe, einer sagenumwobenen Felsformation in Groß Steinum, erfahren wir, dass die hier vorkommenden Knollenquarzitblöcke idealer Baustoff für Großsteingräber waren.

Von hier startet auch der Geologie-/Natur-Erlebnispfad Dorm, eine weitere FEMO-Tour. Zu Fuß tauchen wir ein in die Geheimnisse der Erdgeschichte und entdecken Flora und Fauna des hügeligen Laubwaldes.

Über Rottorf radeln wir zurück nach Königslutter und besuchen zum Abschluss des Tages das zentrale Informationszentrum im Geopark Braunschweiger Land. Es liegt gut versteckt in einem Fachwerkhaus zwischen Rathaus und Stadtkirche.

Streckeninfo:

Länge: 27 Kilometer

Anstiege: 140 Höhenmeter

Beschaffenheit: 50 % Asphalt, 45 % Schotter, 5 % Pfade

Schwierigkeit: leicht

(Foto: Thomas Kempernolte)

3. Die Heeseberg-Runde – Berg- und Talfahrt zu den Adonisröschen

Die einzigartige Landschaft rund um den Heeseberg im Süden des Landkreises Helmstedt steht jetzt auf dem Plan. Gleich am Anfang der Tour wartet auf uns die größte Herausforderung: Wir starten an der Burg Warberg und müssen die Höhen des Elms erklimmen. Mit 300 Metern über dem Meeresspiegel ist die Haukhütte der höchste Punkt der Tour.

Als wir am Waldrand ankommen, stoppen wir die rasante Talfahrt, um die Aussicht zu genießen. Vor uns liegt das Große Bruch, eine weite Ebene. Im Hintergrund erhebt sich majestätisch der Brocken.

Wir sausen weiter bergab nach Twieflingen. Von da aus geht es an duftenden Rapsfeldern vorbei über Dobbeln nach Jerxheim. Hinter Jerxheim erwartet uns der Anstieg zum 200 Meter hohen Heeseberg. Auf dem Bergplateau erklimmen wir den Aussichtsturm, der die Mühen mit einem grandiosen Rundblick belohnt.

Nun schließt sich ein kleiner Spaziergang an. Der FEMO-Erlebnispfad „Heeseberg“ weist uns den Weg zu den im Frühjahr gelb blühenden Adonisröschen. Der Abschied vom Heeseberg fällt uns schwer. Doch auf dem Rückweg liegen noch einige Höhepunkte in Schöningen vor uns.

Gleich in der ersten Kurve nach dem Ortseingang lohnt sich ein Besuch der ehemaligen Klosterkirche St. Lorenz mit dem Bibelgarten. Hinter der Mauer, die den Garten umgibt, genießen wir die Stille.

In der Schöninger Innenstadt warten das Seilereimuseum und die bemerkenswert ausgemalte Kirche St. Vincenz. An der Wassermaid vor dem Rathaus verweilen wir noch einen Moment und beobachten das Treiben auf dem Marktplatz, bevor wir uns wieder auf die Räder schwingen. Der Rückweg führt über Esbeck, Buschhaus und St. Ludgeri Südschacht zurück nach Warberg.

Streckeninfo:

Länge: 38 Kilometer

Anstiege: 450 Höhenmeter

Beschaffenheit: 60 % Asphalt, 40 % Schotter, keine Pfade

Schwierigkeit: mittel

4. Durch den Lappwald – auf den Spuren des Räuberhauptmanns Rose

Für die letzte Tour holen wir noch einmal die Mountainbikes aus der Garage. Wir wollen in den südöstlichen Lappwald, ein bei den Helmstedtern überaus beliebtes Gebiet zum Radfahren.

Die Tour beginnt in Helmstedt am Schützenhaus. Wir nehmen den Trail zum Alten Badeteich, von wo aus eine längere Steigung zur 1. Walbecker Warte bewältigt werden muss. Der Wartturm aus dem 13. Jahrhundert zeugt von den Aktivitäten der ehemaligen Landwehr. Denn durch den Lappwald verlief mit dem eisernen Vorhang nicht nur die Grenze zur DDR, sondern auch die Grenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und der preußischen Provinz Sachsen.

In den Jahrzehnten bis zur Öffnung der Grenze im Jahre 1989 konnten sich Flora und Fauna ungestört entwickeln. Nun genießen wir auf dem sanft abfallenden Trail vom Gläsernen Brunnen hinunter ins Brunnental das frische Grün.

In Bad Helmstedt angekommen, umfahren wir den großen Teich und legen am Clarabad eine Pause ein. Die Enten freuen sich schnatternd über mitgebrachte Brotreste, während wir die Sonne genießen.

Jetzt müssen wir ordentlich in die Pedale treten, denn der Weg führt hoch zur Mesekenheide. Vom ehemaligen Forsthaus geht es gemächlich durch den Wald zur Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Nach einem Streifzug durch die Grenzanlagen an der A2 fahren wir weiter.

Unser nächstes Ziel ist die Höhle des Räuberhauptmanns Rose. Wir bewältigen einen wildromantischen Pfad und schieben die letzten Meter. Auch hier ist alles friedlich und verlassen, denn der Räuber wurde nach seiner Ergreifung nach Amerika abgeschoben.

Nun steuern wir Harbke an. Im nach englischem Vorbild angelegten Landschaftspark wandeln wir – die Räder schiebend – vor der Kulisse der Schlossruine auf Goethes Spuren. Der Dichter war im Jahr 1805 Gast auf dem Schloss. Er soll tief beeindruckt gewesen sein von einem 1758 gepflanzten Gingko-Baum (inzwischen 15 Meter hoch), den wir heute noch bewundern können.

Auch wir fühlen uns inspiriert von der zauberhaften Umgebung. Deshalb schwingen wir uns auf die Bikes und radeln vorbei an der Magdeburger Warte zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Und neuen Taten entgegen.

Streckeninfo:

Länge: 33 Kilometer

Anstiege: 440 Höhenmeter

Beschaffenheit: 20 % Asphalt, 50 % Schotter, 30 % Pfade

Schwierigkeit: mittel

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