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ARTchers Lake – Malerischer Bogensport-Parcours am Bernsteinsee

Fahne in Verkehrshütchen auf einem Waldweg (Bildrechte: Anselm Neft)

Traditionelles Bogenschießen ist nicht gerade eine Trendsportart. Dabei macht es Spaß, findet in der freien Natur statt und schult die Sinne und die Fähigkeit zur Fokussierung. Obendrein ist der Einstieg einfach – vor allem mit der Unterstützung des freundlichen Teams vom ARTchers Lake.

Unser Besuch beginnt auf dem Parkplatz des alten Betriebshofs – am nördlichsten Teil des Bersteinseegeländes. Von dort weisen ein Schild und ein roter Verkehrshut mit Bogenschützensymbol den Weg. Nach einem kurzen Spaziergang weichen die Bäume einer Wiese am Rand eines Sees: Wir sind angekommen. Ein paar Holzhütten, eine Grillstelle, ein Schießstand mit verschiedenen Zielen sowie ein Steg sind die sichtbarsten Spuren von menschlichen Eingriffen in das Idyll. Von hier aus startet der Parcours für Bogenschützen und solche, die es werden wollen.

Mit Feingefühl ans Bogenschießen

Zunächst erhält der Beginner hier seine Ausrüstung: einen Bogen mit dem angemessenen Zuggewicht (von vergleichsweise leicht zu haltenden 15 britischen Pfund bis zu 35 lbs für geübte Sportler), Köcher, Pfeile sowie einen schützenden Handschuh. Dann folgt die Einführung. Neben Sicherheits- und allgemeinen „Spielregeln“ der Anlage (Hunde immer an die Leine nehmen!) ist natürlich das Bogenschießen selbst zentral. Wie hält man die aus Holz selbstgebauten Geräte? Wie spannt man den Pfeil, wie visiert man das Ziel an, wann lässt man los? Im Prinzip ist der Ablauf einfach, doch der Teufel steckt im Detail. Hier geht es eben nicht um Kraftmeierei, sondern um Feinarbeit und -gefühl. Und um die Fähigkeit, sich voll und ganz auf ein Ziel zu konzentrieren ohne dabei überambitioniert zu werden.

Durch Zufall mitten ins Schwarze getroffen

Dirk Rößner, der Gründer von ARTchers Lake, entdeckte den Bogensport durch Zufall. 1989 hörte er als Student der Kunstpädagogik und Kunsttherapie einen Radiobericht über den damals weitgehend unbekannten Sport. Die Verbindung von sportlicher Betätigung und Meditation sprach ihn sofort an. Vielleicht hätte Dirk Rößner die erste Euphorie schnell vergessen, wenn er nicht wenige Tage später in seiner damaligen Heimat Ottersberg bei Bremen an einem Geschäft mit traditionellen Kurz- und Langbögen vorbeigegangen wäre. Innerhalb kürzester Zeit wurde er ein begeisterter Bogenschütze. Moderne Compound-Bögen interessierten ihn kaum. „Warum etwas so Archaisches wie das Bogenschießen mit Hightech kombinieren?“, fragt der 54-jährige Norddeutsche. „Wenn es allein um Effizienz ginge, müsste man wohl Gewehre nehmen. Mich interessiert aber das Leichtfüßige, Sinnliche, Schlichte.“

Der Gründer von ARTchers Lake entdeckte den Bogensport durch Zufall. (Foto: Anselm Neft)

Bogenschießen zur Stärkung der Persönlichkeit

Seine ersten Bogenschieß- und -baukurse gab der Pädagoge im Hankensbütteler Otterzentrum. Im Rahmen eines dreijährigen Projektes zur Integration jugendlicher Spätaussiedler brachte er den Kids nicht nur bei, wie man Pfeile in ein Ziel schießt, sondern auch, wie man Konzentration als unmittelbaren Erfolg erleben kann, Misserfolge wegsteckt, zur Ruhe kommt und selbstbewusster wird. Zu den besonderen Glanzlichtern für die Jugendlichen gehörten die Wildnislager und das Bauen eigener Bögen. „In den Gruppen mischten sich die Spätaussiedler mit anderen Jugendlichen. So kam Kontakt zustande und die Spannungen nahmen ab“, erzählt Dirk Rößner und erklärt: „Übrigens betrug das Verhältnis Mädchen zu Jungen etwa 50 zu 50. Beim Bogensport kommt es nämlich nicht auf die Körperkraft an.“

Man hört Dirk Rößner gerne zu, wenn er in seiner ruhigen, aber doch leidenschaftlichen Art vom Bogenschießen spricht, den meditativen Elementen, dem kurzfristigen Einklang. In den USA sei traditionelles Bogenschießen eine anerkannte Therapieform, die bei ADHS, Suchterkrankungen, Unsicherheit und Depressionen angewandt werde.

Ein optimales Gelände am Rand des Bernsteinsees

Dirk Rößner betrieb jahrelang einen eigenen Parcours in einem ehemaligen Munitionsdepot innerhalb eines militärischen Sperrgebietes. 2014 kam die Kündigung. Ein Jägersmann wollte hier sein privates Jagdrevier schaffen. Der Bogenbegeisterte musste nicht lange nach einem neuen Ort suchen. Aus der Presse erfuhr die Bernsteinsee Grundbesitz GmbH von seinen Ambitionen und verpachtete ihm ein zehn Hektar großes Gelände, das im Bebauungsplan als optimal für Outdoorsport ausgewiesen worden war. Heute warten hier zwei unterschiedlich schwere Parcours mit vielen abstrakten Zielen und liebevoll aus Spezialschaum angefertigten Tierattrappen.

Der Parcours birgt viele abstrakte Ziele und liebevoll aus Spezialschaum angefertigte Tierattrappen. (Foto: Anselm Neft)

„Manche finden es gewalttätig, auf Schaumattrappen zu schießen, die Tieren ähneln“, sagt Dirk Rößner. „Diese Kritiker würde ich gerne fragen, ob sie Fleisch essen“, sagt der Vegetarier schmunzelnd. Unter den Zielen befinden sich neben heimischem Wild auch ungewöhnliche Kreaturen wie ein Werwolf oder eine Riesenspinne. Passenderweise zieht es auch viele Liverollenspieler und Menschen aus der Mittelalterszene an den ARTchers Lake. Die meisten Kunden sind aber Familien und Paare.                 

 „Oft denken die Erwachsenen, sie tun den Kindern mal einen Gefallen“, sagt Dirk Rößner. „Und dann haben sie selbst den größten Spaß.“

An guten Tagen kommen bis zu 100 Besucher zum Parcours. Viele werden zu Stammgästen, denn es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken: Wie schieße ich bei Wind? Treffe ich diesmal den Schaumbiber besser, als beim letzten Mal? Wie schießt es sich mit höherem Zuggewicht? Sind die fetten Karpfen im Teich wieder mehr geworden? Gibt es neue Figuren auf dem Parcours? Und was sagt meine Begleitung zum Bogenschießen?

Die Verbindung von sportlicher Betätigung und Meditation spricht viele an. (Foto: Anselm Neft)

Rößners Team besteht aus drei Festangestellten und einem erweiterten Stab von 25 Menschen, die sich auf die unterschiedlichste Art einbringen. Manche betreuen Kindergeburtstage, Firmenevents oder Junggesellenabschiede, andere helfen als Landschaftsgärtner, Webmaster, bauen die Zielattrappen oder machen einfach mal am Wochenende die Kasse. Dem Team geht es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Auch Dirk Rößner verdient einen Gutteil seiner Brötchen nicht mit den beiden Standorten ARTchers Lake und ARTchers Park, sondern als pädagogischer Angestellter einer Jugendherberge. Hier zählt der Spaß an der Sache und daran, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Eine Stimmung, die sich schnell auf die Besucher überträgt.

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