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Das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig

Innenraum im Herzog Anton Ulrich Museum (Bildrechte: Herzog Anton Ulrich Museum/ C. Cordes)

Das berühmte Braunschweiger Kunstmuseum zählt mit über 250 Jahren nicht nur zu den ältesten seiner Art – es beherbergt auch eine deutschlandweit besonders bedeutende Sammlung von Kunstwerken aus altägyptischer Zeit bis zur Gegenwart. Nach einer siebenjährigen Sanierung präsentiert sich Ihnen das Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM) prächtiger und umfangreicher als je zuvor.

Wir wünschen Prof. Dr. Jochen Luckhardt alles Gute für den Ruhestand ab Februar 2019!

4.000 Kunstwerke aus 3.000 Jahren auf 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche – das HAUM ist ein Kunstmuseum der Superlative. Zu den Beständen der Sammlung zählen antike Skulpturen und bedeutende Gemälde des Barock und der Renaissance. Bis heute üben Bilder wie Rembrandts „Gewitterlandschaft“, die „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ von Rubens oder Vermeers „Mädchen mit dem Weinglas“ eine große Anziehungskraft auf Menschen von nah und fern aus. Auch das Selbstbildnis des italienischen Renaissance-Malers Giorgione oder „Die schöne Polin“ von Ján Kupecký faszinieren monatlich gut 7.000 Besucherinnen und Besucher – „etwa doppelt so viele wie vor der Sanierung“, gibt der leitende Museumsdirektor Prof. Dr. Jochen Luckhardt zu Protokoll.

(Foto: Herzog Anton Ulrich Museum/ C. Cordes)

Neue Kunstwerke, neue Präsentation

Nach der 2016 abgeschlossenen Sanierung zeigt sich die Gemälde-Ausstellung mit 315 Werken umfangreicher als je zuvor. Rund 70 davon sind neu in der Präsentation und waren teilweise seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr öffentlich zu besichtigen. „Wo früher oft die kunsthistorische Bedeutung die einzige Richtschnur bildete, fokussieren wir uns heute auf eine breitere Perspektive“, so Professor Luckhardt.

Entsprechend gibt es eine neue Hängung. Thematische Zusammenstellungen sollen den Betrachtern neue Zugänge zu den alten Meisterwerken erlauben. Dabei sind auch Themen mit Aktualitätsbezug zu entdecken – zum Beispiel Migration. „Wir wollen viel bieten und viel ermöglichen“, erklärt Professor Luckhardt. „Zu jedem Bild gibt es nun eine kurze Beschreibung.“ Zusätzlich ermöglicht ein kostenloses Büchlein eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Werken.

Neben alter Kunst zeigt das HAUM aber auch zeitgenössische Werke. Bilder von Andy Warhol oder Robert Rauschenberg sind ebenso darunter wie ein „Raum für junge Kunst“, in dem aktuell die Berliner Künstlerin Susanne Weirich ausstellt. „Damit ein Museum attraktiv bleibt, muss es sich immer wieder erneuern“, stellt der Museumsdirektor fest – und meint damit sowohl den Inhalt als auch dessen Präsentation im HAUM.

Skulpturen, Kunsthandwerk, Ostasiatika

Neben Gemälden bietet das HAUM noch etliche andere Sehenswürdigkeiten: zum Beispiel die größte Sammlung italienischer Majolika-Keramik nördlich der Alpen, über zweihundert Exemplare französischer Emaillemalerei, Fürstenberg-Porzellan und eine beachtliche Kollektion ostasiatischer Kunstwerke. Die Ausstellung antiker Skulpturen in den straßenseitigen Museumsräumen hat nach der Sanierung die Anzahl ihrer Exponate annähernd verdoppelt.

Ein besonderes Highlight ist die „Kunstkammer“, ein Raum voller wundersamer, im Setzkasten-Prinzip angeordneter Objekte. Der staunende Blick fällt bald auf einen über 200 Jahre alten Papierblumenstrauß, bald auf eine Armprothese aus dem 17. Jahrhundert. Er schweift über Korallen, „magische“ Steine, Straußeneier, das anatomische Modell einer Schwangeren und bleibt schließlich am imposanten Stoßzahn eines Narwals hängen, der laut Professor Luckhardt in früheren Zeiten als Beleg für die Existenz des sagenumwobenen Einhorns herhielt. „Man darf aber nicht denken, dass die Menschen früher dümmer oder leichtgläubiger gewesen sind als heute“, betont der Museumsleiter. „Das verfügbare Wissen war ein anderes. Und wenn man sich heute anschaut, was Menschen alles glauben, nur weil es im Internet steht ...“

Forschung und Bibliothek

Das HAUM versteht sich nicht nur als Ausstellungs- und Veranstaltungsort, in dem beispielsweise museumspädagogische Führungen oder „Internationale Familientage“ stattfinden. Eine weitere wichtige Aufgabe des Museums ist die Erforschung und Publikation kunsthistorischer Zusammenhänge. In diesem Kontext ist auch die Bibliothek zu sehen, die mit einem Bestand von derzeit etwa 75.000 Bänden zu den größten kunstwissenschaftlichen Spezialbibliotheken Niedersachsens zählt. Schwerpunktmäßig finden sich Werke über:

  • Kunstgeschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart
  • Italienische, niederländische, französische, deutsche, englische und spanische Kunst mit einem Schwerpunkt 16. bis 18. Jh.
  • Graphik und Handzeichnungen
  • Angewandte Kunst
  • Außereuropäische Kunst
  • Numismatik

Einen umfangreichen Zeitschriftenbestand, der teilweise bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht, sowie Ausstellungs- und Auktionshauskataloge hält die Präsenzbibliothek ebenfalls vor. Wer zu Hause (weiter-)lesen will, kann sich vor Ort Kopien erstellen lassen.

Wahrzeichen der Stadt und zweiter Museums-Standort: Die Burg Dankwarderode

Die im 12. Jahrhundert als Pfalz von Heinrich dem Löwen erbaute Burg Dankwarderode ist nicht nur ein eindrucksvolles Beispiel für die Bauweise sächsischer Niederungsburgen – als „Außenposten“ des HAUM wartet sie auch mit einer sehr sehenswerten Mittelalter-Sammlung auf. Im Knappensaal sind seit 1963 als Glanzlichter Teile des Welfenschatzes, der Kaisermantel von Otto IV und das Original des bronzenen „Burglöwen“ zu sehen, den Heinrich der Löwe um 1166 als Gerichts- und Herrschaftszeichen auf dem Burgplatz errichten ließ. Eine Kopie des Wahrzeichens steht heute noch an alter Stelle auf dem Platz.

Eine geschichtsträchtige Stätte

Die Burg Dankwarderode fungierte über Jahrhunderte als Residenz der Braunschweiger Herzöge. Einem von ihnen verdankt das HAUM seinen Namen. Anton Ulrich (1633 – 1714), kunstsinniger Herzog von Wolfenbüttel-Braunschweig, bildete mit seiner Sammlung von Kunstwerken den Grundstock für das Museum. Zunächst manifestierte es sich als Kunst- und Naturalienkabinett von Herzog Karl I., Großneffe und Nachfolger von Anton-Ulrich. Das Kabinett öffnete seine Pforten 1754 im Kleinen Mosthof und wurde später in den Großen Mosthof verlegt. Es wurde etwa zeitgleich mit dem British Museum in London eröffnet und gehört zu den ersten Museen Deutschlands.

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