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New York, Athen,
Goslar – die UNESCO Weltkulturerbestätten

Flugaufnahme auf Naturschutzgebiet (Bildrechte: GOSLAR marketing gmbh)

Wenn das Kaiser Heinrich noch erlebt hätte: Die historische Bedeutung der alten Kaiserstadt und der reichen Bergbaugeschichte des Oberharzes reicht weit über die Region, über Deutschland und sogar Europa hinaus.

1992 wurden Goslars Altstadt und der Rammelsberg zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, die Welterbestätte wurde im Jahr 2010 noch um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert. Damit stehen unsere historischen Stätten in einer Reihe mit berühmten Monumenten wie der Chinesischen Mauer und der Freiheitsstatue im Hafen von New York, der Akropolis in Athen und den Pyramiden von Gizeh.

Erkunden Sie die Spuren einer der ältesten Bergbauregionen in Europa im Harz – auf einem Gebiet von über 220 Quadratkilometer! Bedeutende Bauwerke, vom einfachen Bergmannshaus über die Kaiserpfalz bis zum Kloster Walkenried, versetzen die Besucher in Staunen. Kilometerlange Stollensysteme und das größte vorindustrielle Energieverbundsystem der Welt – die Oberharzer Wasserwirtschaft, mit über 100 Teichen – haben die Harzlandschaft eindrucksvoll geprägt. Im Grunde ist der gesamte Landkreis mit seinen Besucherbergwerken und Museen ein einzigartiger Wissensspeicher aus 3.000 Jahren Bergbaukultur.

Die Stiftung Welterbe mit Sitz in Goslar trägt die Verantwortung für die Erschließung und Vermittlung dieses UNESCO-Welterbes. Seit 2015 gibt es mit dem „UNESCO Global Geopark Harz ● Braunschweiger Land ● Ostfalen“ eine weitere Welterbestätte im Harz. Der Geopark öffnet Fenster in die Erdgeschichte und zeigt Besuchern in Schauhöhlen, Bergwerken, Museen oder an Geopunkten in der Landschaft überraschende Zusammenhänge zwischen Geologie, Legende und Geschichte auf.

Rammelsberg im Nebel
Erkunden Sie eine der ältesten Bergbauregionen Europas (Foto: GOSLAR marketing gmbh)

Bis heute ein unversehrtes Kleinod: die Goslarer Altstadt

Wussten Sie, dass die Pfalz zu Goslar dem Kaiser Heinrich III. im wahrsten Sinne am Herzen lag? Nachdem er im Jahr 1056 bei einem Jagdaufenthalt im Harz gestorben war, wurde unter anderem sein Herz entnommen und in seiner Lieblingspfalz Goslar beigesetzt, ehe der Leichnam nach Speyer überführt wurde. Das hatte Heinrich bereits zu Lebzeiten so bestimmt. Und noch heute, weit über 900 Jahre später, ruht des Herrschers Herz in der alten Kaiserstadt am Nordrand des Harzes. Bereits seit Beginn des 11. Jahrhunderts hatte sich Goslar zu einem der wichtigsten Orte im Reich entwickelt. Konrad II., Heinrichs Vater, war schon bald nach seiner Wahl zum deutschen König hierhergekommen und hatte den Grundstein für die heutige Kaiserpfalz gelegt.

Heinrich III. ließ das bis heute erhaltene Kaiserhaus fertigstellen. Mit einer Länge von 54 und der Tiefe von 18 Metern war es eine architektonische Meisterleistung und der größte Profanbau seiner Zeit. Der Chronist Lampert nannte die Goslarer Pfalz den „berühmtesten Wohnsitz des Reiches.“ Auch für Konrads Enkel, Kaiser Heinrich IV. blieb Goslar der zentrale Ort seiner Herrschaft. Es ist überliefert, dass sich Heinrich IV. mit seinem Hofstaat in Goslar aufhielt, als ihn ein Schreiben des Papstes erreichte, in dem dieser ihn zur Unterwerfung aufforderte. Der schwelende Investiturstreit eskalierte und sein Ende, der Gang nach Canossa, ist bis heute sprichwörtlich.

Das Bildnis Kaiser Heinrichs IV. ziert auch den Goslarer Kaiserring, einen international renommierten Preis für bildende Kunst, der seit 1975 jährlich in der Kaiserpfalz verliehen wird. In der Liste der Preisträger finden sich berühmte Namen wie Gerhard Richter und Willem de Kooning, Ólafur Elíasson und Rebecca Horn. Der erste Träger des Kaiserrings hat sich in unmittelbarer Nähe verewigt – Henry Moore wählte den Garten der Kaiserpfalz als Standort für seine Skulptur „Goslarer Krieger“.

Zu Fuß ins Mittelalter!

In der Nachbarschaft der Kaiserpfalz entwickelte sich eine Kaufmannssiedlung zu einer großen und wohlhabenden Bürgerstadt. Im 12. Jahrhundert erreichte Goslars Altstadt ihre heutige Größe. Mit Bürgerhäusern, dem Kreuz aus sieben Kirchen, einer mächtigen Stadtbefestigung und dem Ensemble aus Kaiserhaus und der (heute nicht mehr erhaltenen) Stiftskirche machte Goslar auf die Zeitgenossen einen so gewaltigen Eindruck, dass es auch das „Rom des Nordens“ genannt wurde.

Wer heute nach Goslar kommt, der wähnt sich auf einer Zeitreise ins Mittelalter. Der Weg in die Stadt führt durch das imposante Breite Tor. Am historischen Marktplatz, der guten Stube der selbstbewussten Stadt, zeigen sich Goslars einstige Macht und Wohlstand. Hinter dem Jahrhundertbauwerk des Rathauses mit seinem Huldigungssaal ragen die ungleichen Türme der Marktkirche St. Cosmas und Damian in den niedersächsischen Himmel. Von der Fassade des historischen Gildehauses „Kaiserworth“ betrachten die Statuen von acht deutschen Kaisern das emsige Treiben auf dem stets belebten Marktplatz. Rund um die Straßen und verwinkelten Gassen der Altstadt zeugen Fachwerkhäuser mit prächtigen Zierschnitzereien von vergangenen Zeiten. An einem der schönsten dieser Häuser, dem Brusttuch, ist die „Butterhanne“ zu finden, Goslars heimliche Wappenfigur: eine Frau, die dem Teufel keck ihren blanken Hintern entgegenhält! In Wirklichkeit ist seit dem 14. Jahrhundert ein Adler das offizielle Wappentier…

Huldigungssaal in Goslar
Wer heute nach Goslar kommt, der wähnt sich auf einer Zeitreise ins Mittelalter. (Foto: GOSLAR marketing gmbh)

Der Rammelsberg – ein Besuch in der Unterwelt

Die Grundlage für die Bedeutung der Bergbauregion lag unter der Oberfläche der mächtigen Berge des Harzes, die sich südlich der Kaiserstadt zu Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge auftürmen. Der historisch bedeutsamste Berg des Harzes ist – nein, eben nicht der Brocken! – der Rammelsberg. Geologische Befunde deuten auf eine Erzgewinnung bereits in der Bronzezeit hin. Erst 1988, nach weit über tausend Jahren ununterbrochener Bergbaugeschichte, wurde die Erzförderung eingestellt. Im Laufe der Jahrhunderte hatten die unerschrockenen Bergleute 30 Millionen Tonnen metallhaltigen Gesteins aus dem Berg geholt. Dem daraus gewonnenen Silber, Blei, Kupfer und Zink verdankte Goslar seinen Reichtum.

Heute fahren keine Bergleute mehr in den Rammelsberg ein, wohl aber Besucher aus der ganzen Welt. Neben den weithin sichtbaren Bergwerksanlagen über Tage können die Gäste jahrhundertealte Stollen bestaunen. Deren ältester, der Rathstiefste Stollen, wurde schon im 12. Jahrhundert in den Stein getrieben. Immerhin über 200 Jahre alt ist der Roeder-Stollen, benannt nach seinem Schöpfer Oberbergrat Georg Christoph Roeder. Hier folgt der Besucher dem Weg des Wassers durch den Berg – durch Leitungen, über gewaltige hölzerne Wasserräder bis hin zu den Pumpen und Entwässerungsstollen.

Heute fahren keine Bergleute mehr in den Rammelsberg ein, wohl aber Besucher aus der ganzen Welt. (Foto: GOSLAR marketing gmbh)

Die Oberharzer Wasserwirtschaft – mit Wasser gegen Wasser

Mit dem Wasser ist das im Bergbau so eine Sache – dies gilt nicht nur für den Rammelsberg. Der gesamte Oberharz war vom 16. bis ins 19. Jahrhundert eines der wichtigsten Bergreviere Europas.

Über die Jahrzehnte grub man sich immer tiefer in den Berg – bis die Harzer Bergwerke zu den tiefsten der Welt gehörten: Bereits um 1700 wurden Schächte bis in Tiefen von 300 Metern hinabgeschlagen, um 1830 erreichte man eine Tiefe von 600 Metern. Doch in allen Gruben sahen sich die Bergleute vor dieselbe Herausforderung gestellt: Schon in einer Tiefe von wenigen Metern erschwerte eindringendes Wasser den Bergbau erheblich. Je tiefer die Bergleute in den Berg vordrangen, desto mehr Energie brauchten sie, um das Grubenwasser abzupumpen. So entwickelte sich parallel zum Bergbau ein komplexes System zur Sammlung, Umleitung und Speicherung des Oberflächenwassers: Die Oberharzer Wasserwirtschaft.

Das größte und bedeutendste Teich- und Grabenverbundsystem der Welt gehört seit 2010 zum UNESCO-Welterbe. Es umfasst 107 Stauteiche, 310 Kilometer Gräben und 31 Kilometer unterirdische Wasserläufe – das weltweit größte Energiesystem der vorindustriellen Zeit. Bis zum heutigen Tag betreiben und pflegen die Harzwasserwerke 63 Stauteiche, 70 Kilometer Gräben und 21 Kilometer Wasserläufe. Diese sind für den Besucher mit insgesamt 22 themenorientierten WasserWanderWegen gut erschlossen. So können Sie sich auf eigene Faust auf den Weg machen – oder im Rahmen geführter Touren für zwei Stunden, einen halben oder einen ganzen Tag in die einzigartige Erlebniswelt der Oberharzer Wasserwirtschaft eintauchen.

Parallel zum Bergbau entwickelte sich ein komplexes System zur Sammlung, Umleitung und Speicherung des Oberflächenwassers (Foto: Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg)

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