Zum Inhalt springen

Robert Koch – wie der Clausthaler die Medizin revolutionierte

Robert Koch Büste vor Gebäude  (Bildrechte: Wikipedia/ Netnet)

Was wäre die Welt ohne Robert Koch? Die Erreger von Cholera und Tuberkulose trieben noch immer unerkannt ihr tödliches Unwesen. Milzbrand wäre immer noch eine große Bedrohung für Schafs- und Rinderherden. Und vermutlich hätte Alexander Flemming kein Penicillin erfunden, da er seine Bakterien nach Kochs Methoden züchtete. Ohne Robert Koch, so viel ist sicher, wäre die Welt eine andere – und der Landkreis Goslar um einen seiner bedeutendsten Söhne ärmer.

Am Ende seines Lebens hatte der berühmte Arzt, Mikrobiologe und Hygieniker die Medizin revolutioniert. Doch zu Beginn seines Lebens deutete wenig auf eine spektakuläre Karriere als Bakteriologe hin. Denn Robert Koch wurde am 11. Dezember 1843 als Sohn eines einfachen Bergarbeiters in Clausthal, unweit von Goslar, geboren. Entdecker wollte er werden – wie sein Vorbild Alexander von Humboldt, der den Erdball kartographierte. Doch bis Robert Koch seinem Forscherdrang folgen und mit der Entdeckung von Bakterien und Krankheitserregern zu Weltruhm gelangte, gingen noch einige Jahre ins Land.

Lehr- und Wanderjahre

Als eines von zehn Kindern sollte Robert Koch zunächst Lehrer werden, doch gleich nach dem ersten Semester der Philologie wechselte er an die medizinische Fakultät, wo er mit großem Eifer studierte und die Universität Göttingen im Jahr 1866 als promovierter Arzt verließ. Nach dem Studium sammelte Koch Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Bereichen: als Krankenhausarzt in Hamburg, wo er 1866 die schlimme Cholera-Epidemie erlebte, als Landarzt bei Hannover und als Freiwilliger im Sanitätsdienst während des Deutsch-Französischen Krieges, wo er an Ruhr und Typhus erkrankte Soldaten behandelte. Nach diesen Lehr- und Wanderjahren legte er 1872 mit 29 Jahren das Physikatsexamen ab und ließ sich noch im selben Jahr als Amtsarzt in der Provinz Posen nieder.

„Wenn der Arzt hinter dem Sarg seines Patienten geht, so folgt manchmal die Ursache der Wirkung.“

Robert Koch
(Foto: Gemeinfrei)

Bahnbrechende Entdeckung

Zum Glück ließ ihm seine neue Position nicht nur Zeit für eine eigene Privatpraxis, die er nebenbei führte, sondern auch für seine große Leidenschaft: die bakteriologische Forschung. So richtete er in seinem Wohnhaus ein kleines Labor ein, wo er ohne Bibliothek und unter einfachsten Bedingungen in seiner Freizeit forschte. Besonders fasziniert war Koch vom sogenannten Bacillus anthracis, jenem Bakterium, das Milzbrand auslöst. Zwar war damals schon bekannt, dass das stäbchenförmige Bakterium im Blut verendeter Tiere zu finden ist. Aber niemandem gelang der Nachweis, dass es auch der Verursacher der Krankheit ist. Koch hingegen konnte unter dem Mikroskop beobachten, wie der Erreger erst Sporen bildete, diese dann wieder in Bakterien verwandelte und sich so vermehrte. Diese Entdeckung war ein wichtiger Schritt in seiner Karriere, die ihm 1880 den Ruf ans Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin einbrachte.

„Die Frage ist so gut, dass ich sie nicht durch meine Antwort verderben möchte.“

Robert Koch

Karriere mit Höhe und Tiefen

Am Kaiserlichen Gesundheitsamt entwickelte Koch verschiedene neue Verfahren zur Zucht und Einfärbung von Bakterien – Voraussetzung für Entdeckung und Nachweise des Tuberkulose-Erregers, der für 15 Prozent der Todesfälle jener Zeit verantwortlich war. Mit seinem Vortrag über das von ihm benannte Tuberkelbakterium vor der Berliner Physiologischen Gesellschaft wurde Robert Koch 1882 in der Fachwelt bekannt. Und so war es nur folgerichtig, dass er 1885 zum ordentlichen Professor am neu geschaffenen Lehrstuhl für Hygiene der Berliner Universität berufen wurde.

Die nächsten Jahre widmete sich der Mediziner Lehre und Wissenschaft und wurde so neben Louis Pasteur zum Begründer der Bakteriologie. Auf zahlreichen Reisen von Indien bis Südafrika und von Ägypten bis Japan erforschte er neben Cholera, Malaria, Pest auch die Schlafkrankheit und entdeckte im Geiste seines Vorbilds, Alexander von Humboldt, die Miniaturwelt der Krankheitserreger. Zwar war der 1890 von ihm präsentierte Impfstoff „Tuberkulin“ als Heilmittel wirkungslos und führte zum Skandal, dennoch erhielt er 1905 „in Anerkennung seiner Untersuchungen und Entdeckungen im Bereich der Tuberkulose“ den Nobelpreis für Medizin. Zurecht, denn es waren auch Kochs Beobachtungen, auf deren Basis 1921 ein wirkungsvoller Impfstoff entwickelt wurde.

(Foto: Wikipedia/ Netnet)

Vorbild bis in die Gegenwart

Fünf Jahre nach Verleihung des international anerkannten Preises verstarb Robert Koch 1905 im Alter von 66 Jahren an Herzschwäche. Doch seine Forschung prägt die Medizin bis heute. So waren seine Erkenntnisse auf dem Gebiet der Hygiene wegweisend für die moderne Chirurgie und auch heute wird noch nach Koch'schen Regeln definiert, wann ein Parasit als Krankheitserreger gilt. Und wussten Sie, dass Robert Koch Medizin-Ikonen wie Paul Ehrlich und Emil von Behring, die Impfstoffe gegen Tetanus und Kinderlähmung mitentwickelten, als Mentor zur Seite stand? Kein Wunder, dass man von einer regelrechten „Koch'schen Schule“ spricht.

„Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen, wie die Cholera und die Pest.“

Robert Koch

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind auf das Lebenswerk des berühmten Mediziners, laden wir Sie herzlich ein, einmal ganz bewusst seine Spuren in der Gegenwart zu verfolgen: als Namensgeber des bundesdeutschen Zentrums für Gesundheitsfürsorge, des Robert-Koch-Instituts, der Robert-Koch-Stiftung, die jährlich einen der renommiertesten Medizin-Preise der Bundesrepublik verleiht – und natürlich von Straßen und Plätzen in ganz Deutschland. Darüber hinaus erinnern Denkmäler an vielen Orten auf der Welt an sein Wirken – natürlich auch in seiner Geburtsstadt Clausthal, wo eine Büste vor seinem Wohnhaus den berühmten Sohn der Stadt würdigt.

Vorheriger Artikel
Mettwurstpraline, Leberwursteis oder frische Eier von glücklichen Hühnern: Sie haben die Wahl!
Nächster Artikel
Hofläden und Co.: regionaler Genuss für die ganze Familie