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ZeitOrte - Von der Urzeit in die Zukunft

steinzeitliche Installation (Bildrechte: ZeitOrte)

Die Region von der Heide bis in den Harz ist nicht nur jederzeit einen Besuch wert, sie ermöglicht auch eine Zeitreise. Klingt nach Science Fiction, ist von Gifhorn bis Goslar und von Peine bis Helmstedt aber für jedermann erlebbare Realität – mit den ZeitOrten.

Wer hat noch nie davon geträumt, in der Zeit zurückzuspringen und hautnah zu erfahren, wie es in anderen Zeitaltern zuging? Wie die Menschen vor hundert oder tausend Jahren an dem Ort lebten, an dem Sie heute entspannt vor einem Eiscafé sitzen oder durch eine schmucke Innenstadt spazieren? Oder gar, wie es dort aussah, als der Mensch noch gar nicht auf der Bildfläche erschienen war? Und schließlich: Wer würde nicht gerne einen kleinen Blick in die Zukunft werfen und sehen, wie die Welt von übermorgen aussieht?

An über hundert Orten im östlichen Niedersachsen können Sie einen solche Reise in andere Zeiten unternehmen: zu den ZeitOrten. Sie können zwischen sechs unterschiedlichen Zeitaltern hin- und herreisen: „Urzeit“, „Steinzeit“, „Mittelalter & Renaissance“, „Barock & Aufklärung“, „Industrialisierung & Moderne“ und „Gegenwart & Zukunft“. Jeder ZeitOrt erlaubt einen intensiven Einblick in die jeweilige Zeit an genau diesem Ort. Starten Sie Ihre Expedition mit uns!

Auge in Auge mit Urzeitwesen

Gleich zu Beginn wagen wir den weitesten Sprung in die Vergangenheit. Auf in die Urzeit! Im Geopark-Informationszentrum im Zentrum von Königslutter wandern Sie über vier Stockwerke durch die Erdgeschichte des Braunschweiger Landes, treffen auf die Bewohner längst vergangener Zeitalter und erleben ihren damaligen Lebensraum. Gesteine und Fossilienfunde erlauben eine plastische Vorstellung vom Leben im Gebiet des Geoparks Harz.Braunschweiger Land.Ostfalen zur Zeit der Dinosaurier und lange davor. Sehen Sie die Rekonstruktion eines frühen Herrschers der Region, des langhalsigen Nothosaurus. Oder gehen Sie ins Detail und bestaunen Sie die fossile Insektenfauna aus dem Poseidonschiefer und in Buntsandstein gebettete Stromatolithen. Ein begeisterndes Konzept, von der UNESCO als „Global Geopark“ gewürdigt.

Weitere echte „Urzeitviecher“ treffen Sie im Städtischen Museum Schloss Salder in Salzgitter – das selbst schon eine eigene kleine Zeitreise erlaubt, denn das im prächtigen Renaissance-Stil erbaute Schloss präsentiert Zeitzeugen von der Urzeit bis in die Moderne. Dort stoßen Sie auf einen der spektakulärsten Niedersachsen aller Zeiten: den fischartigen Ichthyosaurier, der hier in der Unterkreidezeit lebte. Das gut erhaltene Skelett wurde beim Erzbergbau in Salzgitter entdeckt und gilt als paläontologische Sensation. Im Außenbereich des Schlosses können Sie sich über den Eiszeitgarten bereits vorbereiten auf die Weiterreise in die nächste Epoche: die Steinzeit.

Steinharte Zeiten

Reisen Sie nun ein paar dutzend Millionen Jahre durch die Zeit nach vorne, aber von Salzgitter aus nur ein Dutzend Kilometer nach Osten: Schon betreten Sie die Archäologie in der Kanzlei, dem Archäologischen Museum in Wolfenbüttel. Auf über 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche begegnen Sie dem ersten bekannten menschlichen Einwohner Braunschweigs, einem Neandertaler. Erleben Sie seine Welt und vergewissern Sie sich, dass der Forscherdrang der Braunschweiger schon zur Steinzeit immens war: Begutachten Sie frühe Schädeloperationen der Steinzeitmenschen! An Aktionsplätzen können Sie selbst Teil der Steinzeit werden und sich an den Techniken unserer Vorfahren versuchen. Steineklopfen und Getreidemahlen unter Echtzeitbedingungen – harte Arbeit.

 (Bildrechte: ZeitOrte)
Steinzeitliche Installation in der "Archäologie in der Kanzlei" (Foto: ZeitOrte)

Danach können Sie im Historischen Museum Schloss Gifhorn ihre Steinzeiteindrücke vertiefen (und ganz nebenbei noch in weitere Zeitalter hinüberblinzeln, denn das Welfenschloss selbst datiert aus dem 16. Jahrhundert  präsentiert eindrucksvolle Zeitdokumente dieser Epoche). In den prähistorischen Sammlungen werden Sie Zeuge, wie die frühen Menschen von nomadisierenden Jägern und Sammlern zu sesshaften Ackerbauern wurden – kein Wunder, in der Region siedelt man sich bis heute gerne an.

Museum Schloss Gifhorn (Bildrechte: ZeitOrte)
Das Historische Museum Schloss Gifhorn lädt als "ZeitOrt" in verschiedene Epochen ein (Foto: ZeitOrte)

Mittelalter und Renaissance

Springen Sie weitere 10.000 Jahre nach vorne und tauchen Sie ein in das mittelalterliche Klosterleben. Das heute zum UNESCO-Weltkulturerbe „Oberharzer Wasserwirtschaft“ gehörende ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried war über 400 Jahre die Heimat tiefgläubiger Gottesmänner. Die Zisterziensermönche hatten Walkenried im 13. Jahrhundert zu einem der einflussreichsten Klöster Norddeutschlands gemacht. Der berühmte doppelschiffige Kreuzgang ist einzigartig, ebenso besonders ist auch die akustische und visuelle Inszenierung des mittelalterlichen Klosterlebens – besonders nach Einbruch der Dunkelheit, wenn Hunderte Kerzen die Atmosphäre der Epoche wieder lebendig werden lassen.

 (Bildrechte: Kloster Isenhagen)
Kreuzgang im Kloster Isenhagen (Foto: Kloster Isenhagen)

Natürlich ging es damals streng geschlechtergetrennt zu – satte 150 Kilometer liegen zwischen Walkenried und Kloster Isenhagen, wo die Zisterziensernonnen innere Einkehr und Nähe zu Gott fanden. Hier am Ortsrand von Hankensbüttel in der Südheide Gifhorn erleben Sie die Abläufe des mittelalterlichen Klosterlebens. Ein reicher Kunstschatz von historischen Möbeln über filigrane Goldschmiedearbeiten bis hin zu kostbaren Textilien mit Korallenstickereien zeigt, dass die Damen sich offenbar auch mit weltlichen Dingen gut auskannten. Das Kloster ist auch heute noch bewohnt.

Aufklären über die Aufklärung

Mitten in die kunstgeschichtlich so reiche Epoche des Barock brach ab etwa 1700 das rationale Denken, der Glaube an die Naturwissenschaften und den Fortschritt durch Überwindung althergebrachter Strukturen ein: Das Zeitalter der Aufklärung war angebrochen. Einer ihrer bedeutendsten Denker war Gotthold Ephraim Lessing, der als Bibliothekar in Wolfenbüttel lebte. In seinem Wohnhaus, wo er das weltberühmte Drama „Nathan der Weise“ schrieb, können Sie in einer interaktiven, modernen Ausstellung auf Tuchfühlung mit dem großen deutschen Dichter gehen. Direkt daneben liegt die Herzog-August-Bibliothek, in der Sie mit ihren über 900.000 Bänden und der bedeutendsten Handschriftensammlung Europas den Geist jener Zeit atmen können. Vor 300 Jahren wurde dieses Herzstück der Aufklärung bereits als achtes Weltwunder gefeiert. Zu Zeiten von Herzog August Ende des 17. Jahrhunderts war sie die größte Bibliothek der Welt!

 (Bildrechte: Stadt Wolfenbüttel)
Das Lessinghaus in Wolfenbüttel (Foto: Stadt Wolfenbüttel)

Von den Schätzen der Bildenden Kunst im Barock können Sie sich im frisch renovierten und gerade erst wiedereröffneten Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig überzeugen. Von Rubens über Rembrandt bis Vermeer – die ausgestellten Gemälde verzaubern auch nach Jahrhunderten und lassen uns heute noch durch die Augen der alten Meister sehen. Seit 1754 ist dieses Museum bereits eine international renommierte Institution.

 (Bildrechte: ZeitOrte)
Imposanter Blick in die Herzog August Bibliothek (Foto: ZeitOrte)

Die neue Zeit bricht an

Allmählich geht es Richtung Gegenwart. „Industrialisierung & Moderne“ ist die vorletzte Etappe Ihrer Zeitreise. Die neue Zeit macht sich auch durch Umbrüche in der Alltagskultur bemerkbar. Lassen Sie die musikalische Vielfalt dieser Epoche erklingen! Im Museum Mechanischer Musikinstrumente in Königslutter erleben Sie auf über 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche 250 zeitgenössische Exponate aus 250 Jahren Geschichte mechanischer Musikinstrumente. Fast alle Instrumente sind spielbereit. Bei Führungen bekommen Sie hier ordentlich was auf die Ohren, ganz gleich ob von Drehorgel, Spieluhr, Karussellorgel, Stummfilm-Orchestrion, Grammophonautomat oder Musicbox.

Wo und wie einige dieser Instrumente zum Einsatz kamen, können Sie anschließend in den ZeitRäumen Vechelde-Bodenstedt im Landkreis Peine nachempfinden. Tauchen Sie ein in die Welt um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert! Kernstück der ZeitRäume ist ein originalgetreu eingerichteter Vorkriegsbauernhof mit Gaststätte, Kegelbahn und Tanzsaal. Versetzen Sie sich in die Zeit ihrer Groß- und Urgroßeltern und feiern Sie mit ihnen – denn hier wurde einst zünftig getrunken und getanzt zu Live-Musik, hier haben sich all die Geschichten abgespielt, die Sie in Ihrer eigenen Kindheit so oft gehört haben. Multimediale Informationsstelen machen die ZeitRäume zu einem ZeitOrt, an dem Sie Einblicke in die Geschichte von der Kaiser- bis in die Nachkriegszeit erhalten. Womit Sie bereits fast wieder in der Gegenwart angekommen sind.

Zurück in die Zukunft

Die letzte Etappe Ihrer Zeitreise führt Sie in Gegenwart und Zukunft. Hier lädt die Industrie-, Kultur- und Wissenschaftsregion zu zahlreichen ZeitOrten ein, die nicht nur topaktuell auf der Höhe der Zeit stehen, sondern auch einen Ausblick in die Zukunft erlauben. Was die Kunstwelt beispielsweise gegenwärtig gerade bewegt, können Sie in den bedeutenden Kunstvereinen von Braunschweig, Wolfsburg und Wolfenbüttel erleben. Sie präsentieren in wechselnden Ausstellungen Highlights der unsere Zeit prägenden Gegenwartskunst, als Speerspitze der Avantgarde den Blick stets in die Zukunft gerichtet.

Hier heben die Gedanken auch schon mal ins Außerirdische ab: Noch können wir nicht selbst von Stern zu Stern reisen, im hochmodernen Planetarium Wolfsburg aber bekommen Sie schon einmal einen Vorgeschmack vom interstellaren Sightseeing. Das weltweit einzigartige Projektionssystem bietet die gesamte Kuppel ausfüllende, hochauflösende Videobilder – und der Sternenprojektor lässt tausende Gestirne dazu funkeln. Übrigens: Falls Sie die Zukunft der Menschheit ganz direkt mit Ihrer eigenen koppeln möchten, können Sie hier sogar standesamtlich heiraten.

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