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Von Zwinger bis Zinnfiguren – spannende Museen in Goslar

Menschen schauen von Aussichtsplattform auf Stadt  (Bildrechte: Goslarer Zwinger)

In Goslar wird Geschichte lebendig. Davon zeugen unter anderem der Zwinger mit spannenden Exponaten aus dem Mittelalter und das besonders bei Kindern beliebte Zinnfiguren-Museum.

Er ist wohl der imposanteste Teil der Goslarer Befestigungsanlage: der Zwinger. Erbaut im Jahr 1517, beeindruckt er uns auch heute noch durch seine massive Bauweise und die wahrhaft stattlichen Abmessungen: Mit sechseinhalb Meter dicken Mauern und einem Gesamtdurchmesser von 24 Metern gehört der Zwinger zu den stärksten Befestigungstürmen Europas. Im Obergeschoss befindet sich heute ein kleines Museum des späten Mittelalters. „Aber das ist kein Museum im üblichen Sinne“, erklärt Jörg-Heiko Mevers, der Eigentümer des Zwingers. Das Bauwerk ist seit 1936 im Familienbesitz, Mevers verbrachte seine Kindheit hier. „Wir tragen schließlich nicht ohne Grund seit 2015 den Namen ‚Erlebnisturm‘. Hier kann fast alles angefasst und ausprobiert werden, natürlich unter fachmännischer Anleitung“, führt Mevers weiter aus.

(Foto: Goslarer Zwinger)

Kettenhemd und Schandholz

Ihm ist es besonders wichtig, dass fast alle Ausstellungsstücke für Besucher erlebbar sind, „also gewissermaßen ein lebendiges Mittelalter“, erklärt Mevers. Seine Sammlung umfasst Belagerungsgeräte, gruselige Folterwerkzeuge sowie Waffen und Rüstungen, die Groß und Klein gleichermaßen beeindrucken. Die hier ausgestellten Rüstungen stammen aus der Zeit um 1580 und zeigen unter anderem das sehr flexible Kettenhemd sowie verschiedene Plattenharnische, die den Kämpfern passgenau auf den Körper gefertigt wurden und Rumpf, Arme und Beine schützten.

(Foto: Goslarer Zwinger)

Zum Anfassen und Ausprobieren stehen ein Landsknechts-Schwert, auch Zweihänder, Bidhend oder Gassenhauer genannt, ein 13 Kilogramm schweres Kettenhemd, eine Hille-Bille und ein Schandholz parat. Unter Anleitung dürfen Besucher auch Armbrüste und Steinschleudern testen. Zwar hinter Glas gestellt, aber nicht minder eindrücklich, sind weitere Originalstücke wie ein Pranger, ein römisches Brandpfeilgeschütz, Kanonenkugeln aus Stein sowie einige japanische Samurai-Helme zu bestaunen.

(Foto: Goslarer Zwinger)

Übrigens: Der Goslarer Zwinger, der aus Sandstein und gebranntem Kalk besteht, liegt inmitten der Wallanlagen und ist sowohl vom Marktplatz als auch von der Kaiserpfalz innerhalb von wenigen Gehminuten zu erreichen. Von der rund 25 Meter hohen Plattform des begehbaren Dachs aus bietet sich ein fantastischer Rundblick über Goslar mit seiner Altstadt und dem Rammelsberg - übrigens beide als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Zum Ritter werden

Ein besonderer Spaß für kleine wie große Besucher: Im Zwinger kann man sich zum Ritter schlagen lassen. Die Zeremonie findet in vollem Kostüm und authentischer Atmosphäre statt; eine Urkunde dokumentiert das „historische“ Ereignis. Wem das nicht reicht, der lässt sich zur Burggräfin oder zum Burggrafen ernennen.

 

Historisches Zinnfiguren-Museum Goslar

Keine zehn Minuten zu Fuß vom Zwinger entfernt, in der liebevoll restaurierten Lohmühle, einer alten Wassermühle von 1544, ist das Goslarer Zinnfiguren-Museum beheimatet. Es gilt deutschlandweit als eines der schönsten Museen dieser Art. Das entzückend verwinkelte Gebäude zeigt auf mehreren Etagen und in rund 50 Dioramen die vom Mittelalter geprägte, gut tausendjährige Geschichte der Stadt Goslar. Bei diesem Stadtrundgang „en miniature“ werden bunt und detailreich unzählige Geschichten der historischen Altstadt szenisch dargestellt. Dazu zählen Aufzüge aus der Kaiserzeit genauso wie Darstellungen aus den frühen Kriegszeiten sowie aus dem bürgerlichen Leben.

Besonders eindrucksvoll ist ein bewegliches Modell des großen Stadtbrands von 1728, das – per Knopfdruck – das Leben davor und danach zeigt. Auch die breit gefächerte Kulturgeschichte des Bergbaus im Harz zeigen anschaulich gestaltete Dioramen. Kinder erfreuen sich an einem Märchenquiz mit 30 Märchenszenen. Wer noch Zeit hat, schaut sich im Untergeschoss um: Das vollständig erhaltene Trieb- und Stampfwerk der Lohmühle sowie die beiden verschiedenartigen Wasserräder erzählen von der mechanischen Wasserkraftgewinnung im 12. Jahrhundert.

Damit nicht genug: Sonderausstellungen wie „Die Welt der Bibel – Annäherung mit Zinnfiguren“ und „Die Wikinger! Seeräuber – Händler – Entdecker“ ergänzen das Museumskonzept. Interessierte Besucher können zudem ihre von Hand gegossenen und selbst bemalten Figuren als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Selbst gegossene und bemalte Figuren (Foto: Zinnfiguren-Musem Goslar)
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