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Der Geopark – ein ganz besonderes Erlebnismuseum an der frischen Luft

Ausschnitt eines Schneckenfossils (Bildrechte: GEOPARK / Karl-Friedrich Weber)

Zwischen Braunschweig und Helmstedt und von Wolfsburg bis zum Harz erstreckt sich das Teilgebiet Braunschweiger Land des UNESCO Global Geoparks Harz. Eingangspforte dieses erdgeschichtlich spannenden, mit Sehenswürdigkeiten gespickten Areals rund um den Elm ist das Geopark Informationszentrum in Königslutter.

Mitten in der malerischen Altstadt Königslutters betreibt der Verein FEMO sein Geopark-Infozentrum in einem sanierten Barock-Fachwerkgebäude. Hier erwartet Sie auf vier Etagen eine spannende Zeitreise durch die geologische Geschichte der Erde und die regionale Landschaftsgeschichte. Sie finden kundige Ansprechpartner und ansprechende Broschüren, die Tipps und Informationen zu sämtlichen Georouten durch das Braunschweiger Land liefern. Sehenswert ist auch die auf alle vier Stockwerke verteilte Ausstellung, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen in den Bann zieht.

Echte Steinzeitsaurier und lebensgroße Modelle

Für Staunen sorgt etwa das sehr seltene Skelett eines fünf Meter langen Eurhinosaurus, das eine Vorstellung von Form und Größe des längst ausgestorbenen „Fischsauriers“ vermittelt. Sehenswert sind auch die lebensgroßen Steinzeitmenschen-Modelle, die einen sinnlichen Eindruck von der Erscheinung unserer Vorfahren geben. Auf der Zeitreise durch 290 Millionen Jahre Erdgeschichte gibt es neben fossilen Tieren, Pflanzen und Riesenammoniten auch lebende Tiere und Gewächse zu sehen. So wird der Bogen von der Urzeit bis in die Gegenwart geschlagen.

Auf der Zeitreise durch 290 Millionen Jahre Erdgeschichte gibt es neben fossilen Tieren, Pflanzen und Riesenammoniten auch lebende Tiere und Gewächse zu sehen. (Foto: GEOPARK / Karl-Friedrich Weber)

Dabei wird deutlich, dass die Region eine beeindruckend vielfältige geologische Entwicklung aufweist. Laut Karl-Friedrich Weber, dem 1. Vorsitzenden des FEMO e.V., liegt die besondere erdgeschichtliche Bedeutung des Braunschweiger Landes darin, dass auf relativ begrenztem Raum nahezu das gesamte geologische Erdmittelalter, das Tertiär und das Quartär, aufgeschlossen sind.

„Im Harz mit seinem Grundgebirge sind bedeutende Teile des Erdaltertums vertreten“, sagt Weber. „Das ist weltweit einmalig.“ Ziel des 130 Mitglieder starken FEMO e.V. ist es, die Erd-, Menschheits- und Kulturgeschichte des Braunschweiger Landes zu vermitteln.

„Obendrein wollen wir die Natur- und Kulturschätze bewahren und regionale wirtschaftliche Effekte bewirken“, ergänzt Weber. „Das soll auf verständliche Weise für Jung und Alt geschehen. In einem eigenen „Aktionsbereich“ können sich angemeldete Schulklassen und andere Gruppen geologischen Fragestellungen von der spielerisch-experimentellen Seite nähern.

Zart und hart: versteinerte Seelilien

Seit dem 30. April 2013 stellt das Geopark-Infozentrum in zwei Räumen die wesentlichen Teile einer ganz besonderen Sammlung aus. Der Kaufmann Otto Klages (1903 – 1982) sammelte in seiner Freizeit mit Leidenschaft und wissenschaftlichem Blick Fossilien. Dabei bot ihm die Region um Königslutter reichlich Material: Der Elm Kalkstein ist bekannt für seine hohe Dichte an vorzeitlichen Relikten aus Flora und Fauna. Die Sammlung des Kaufmanns aus Königslutter umfasst 20.000 Objekte, darunter die wunderschönen fossilen Seelilien, die für die Region typisch sind. Als Klages seine Sammlung der Stadt stiftete, legte er den Grundstein für die Ausstellung im Geopark-Informationszentrum.

Georouten und Geopunkte

Wer wissen will, welche Sehenswürdigkeiten die Umgebung bietet, findet im Geopark-Informationszentrum den perfekten Anlaufpunkt. Hier bekommen Sie jede Menge Hintergrundwissen, das die einzelnen Sehenswürdigkeiten noch interessanter macht. Außerdem können Sie sich hier mit Adressen, Karten, Tipps, Broschüren und Flyern versorgen, bevor Sie zu ihren Erkundungen aufbrechen.

Woraus besteht ein Butterberg?

Groß und Klein etwa können bei Spaziergängen auf anschauliche Art etwas über Geschichte und Botanik, über Archäologie und Geologie lernen: zum Beispiel in Groß Steinum, wo sich anhand von sechs Stationen nachvollziehen lässt, wie vor Jahrtausenden ein Großsteingrab erbaut wurde. Der Erlebnissteinbruch im Hainholz demonstriert in Theorie und Praxis, wie früher Steine abgebaut und verarbeitet wurden.

Sehenswert sind auch der Findlingsgarten nördlich von Königslutter, der Naturerlebnisgarten in Velpke, die Sand- und Kiesgrube Uhry oder die entrückte Königspfalz Werla. Sie lieben es mystisch? Dann kommen Sie auf dem Elfenpfad auf ihre Kosten. Prosaischer benannt ist der Butterberg, der allerdings nichts mit tierischem Fett zu tun hat. Vielmehr geht die Bezeichnung auf das niederdeutsche Wort „buten“ für „außen“ bzw. „draußen“/„außerhalb“ zurück. Butterberge sind also am Rande bestimmter Orte gelegene Erhebungen.

Für den FEMO e.V. bleibt die Arbeit spannend. Zum einen sind da die 4.000 Besucher aus allen Teilen des Landes, die es jährlich in das Informationszentrum in Königslutter zieht. Zum anderen, so der Vereinsvorsitzende, „sind auch künftig erdgeschichtliche und archäologische Funde von besonderer Bedeutung in unserer Region zu erwarten.“

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