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Wildes Niedersachsen: NABU-Artenschutzzentrum Leiferde

Drei Störche in Storchennest (Bildrechte: NABU-Artenschutzzentrum Leiferde)

Mögen Sie es wild? Das NABU-Artenschutzzentrum in Leiferde bei Gifhorn ist eine von zwanzig Betreuungsstationen in Niedersachsen, die sich dem Schutz und der Pflege verletzter Wildtiere widmen. Doch damit nicht genug: Hier wird großen und kleinen Besuchern Verständnis und Wissen rund um die Natur vermittelt.

Wenn Sie aus Richtung Gifhorn nach Leiferde kommen, dann fällt Ihnen am Ortseingang sofort das alte Gebäude einer ehemaligen Molkerei ins Auge. Am Giebel prangt sichtbar ein Weißstorch, der Wappenvogel des NABU. Auf dem stillgelegten Schornstein gleich nebenan können Sie Familie Adebar dann auch höchstpersönlich beobachten: Jedes Jahr bezieht ein Storchenpaar hier sein Nest und zieht seine Jungen auf. Seien Sie live dabei: Eine Webcam erlaubt faszinierende Einblicke in die lebhafte Kinderstube – reger Flugverkehr anderer Störche vom angrenzenden Freigelände inbegriffen.

Seit Jahrzehnten aktiv

Trotz virtueller Storchennähe, am spannendsten ist dennoch der persönliche Besuch vor Ort im Artenschutzzentrum. Eine traditionsreiche Einrichtung übrigens: Die Anfänge lassen sich auf das Jahr 1979 datieren, als das Umweltbewusstsein im Lande gerade erst erwacht war: Auf Initiative des Stationsgründers Peter Mannes wurden die Alte Molkerei und das dazugehörige etwa 3.000 Quadratmeter große Grundstück aufgekauft. Mit großem Engagement und vielen ehrenamtlichen Helfern ging es an die Arbeit – zwei Jahre später zogen bereits die ersten Wildvögel ein. Es folgten Seminarraum, Aufzucht-, Winter- und Quarantäneräume, Volieren für Wildvögel und Freigehege, und schließlich konnte das Gelände durch den Ankauf des Nachbargrundstücks um geschlagene 10.000 Quadratmeter erweitert werden. Eine wilde Oase im ländlichen Niedersachsen: Das NABU-Artenschutzzentrum Leiferde war entstanden.

Trotz virtueller Storchennähe, am spannendsten ist dennoch der persönliche Besuch vor Ort im Artenschutzzentrum. (Foto: NABU-Artenschutzzentrum Leiferde)

Tierpflege und Umweltbildung

Aber nicht nur heimische Wildtiere profitieren von der Station, hier finden für das Land Niedersachsen auch beschlagnahmte exotische Wildtiere Aufnahme. Schon die schiere Zahl der Pfleglinge ist beeindruckend – mehr als 2.300 Individuen aus 172 heimischen und exotischen Arten waren es 2016. Der „Storchenanteil“ entfällt dabei natürlich auf die heimischen Vögel, aber auch 232 Reptilien aus 32 Arten wurden hier beispielsweise schon betreut. Neben der Tierpflege stellt die Umweltbildung den wichtigsten Schwerpunkt dar. Allein 2016 wurden 143 Veranstaltungen mit rund 2.700 Teilnehmern durchgeführt! Besonders viele Besucher zieht auch das alljährliche Storchenfest im April an.

„Wir Menschen sind ein Teil der Natur und komplett von ihr abhängig“

Bärbel Rogoschik, Geschäftsführerin

Das alles ist ein enormer Aufwand: Ein Förderverein sowie öffentliche Mittel vom Land Niedersachsen sowie vom Bund und Sponsoren sorgen für die Finanzierung. Und die ist bitter nötig, meint die Diplom-Biologin und Geschäftsführerin des Artenschutzzentrums, Bärbel Rogoschik: „Wir sind heute viel weiter von der Natur entfernt als früher, so etwa nach dem Motto ,Hier ist die Natur und da ist der Mensch – aber so ist das nicht. Wir Menschen sind ein Teil der Natur und komplett von ihr abhängig.“

„Nur ein Beispiel“, erklärt die Stationsleiterin weiter: „Wenn die Bäume im Garten ihre Blätter abwerfen, dann ist das für viele einfach Dreck. Dass die Bäume mit ihren Blättern Sauerstoff produzieren und den Feinstaub aus der Luft filtern, sehen viele Menschen nicht.“ Ihnen fehle häufig einfach ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur. Das müsse wieder erlernt werden, am besten schon in der Schule. Deshalb gibt es im NABU-Artenschutzzentrum auch viele Angebote für Kinder und ganze Klassen. „In der Schule soll unter anderem der Umgang mit Computern und Medienkompetenz vermittelt werden. Das ist sicher wichtig, aber ganz bodenständige Dinge wie die Frage, wo unsere Lebensmittel herkommen, wie sie hergestellt werden oder was jeder Einzelne in Sachen Umweltschutz tun kann, kommen aus unserer Sicht zu kurz. Diese Themen gehören in den Lehrplan, denn irgendwann kann unser Überleben von diesem Wissen abhängen.“

Zurück zur Natur

Im NABU-Artenschutzzentrum können Sie viele der Pflegetiere in den zum Teil begehbaren Außenvolieren, Gehegen und Terrarien beobachten. Auch der liebevoll und üppig ausgestattete Bauerngarten vor dem Gebäude ist ein richtiger Hingucker. Ein kleiner Shop mit Büchern, Spielen, Stofftieren und vielem mehr rundet das Angebot ab. Damit ist Leiferde nicht nur ein idealer Ausflugstipp für die ganze Familie, Sie tun gleichzeitig auch noch etwas Gutes. Denn die – sehr moderaten – Eintrittsgelder tragen einen wichtigen Teil zur Finanzierung der Arbeit der Naturschützer bei.

NABU-Artenschutzzentrum Leiferde
Hauptstr. 20
38542 Leiferde
Tel.: 05373 – 6677

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