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10 Geheimtipps für den Naturpark Elm-Lappwald

Rapsfelder und Blick über die Landschaft (Bildrechte: Frank Bierstedt)

Trockene Worte findet ein bekanntes Online-Nachschlagewerk für den Naturpark Elm-Lappwald. Den Naturpark im südöstlichen Niedersachsen prägen die bewaldeten Höhenzüge von Elm, Lappwald und Dorm sowie das Gebiet der Helmstedter Mulde, heißt es da sinngemäß. Welch´ eine Untertreibung! Wer sich heute aufmacht, um die einst als „gefährlich“ geltende Gegend zu erkunden, entdeckt eine Welt voller kleiner Wunder.

Geheimnisvolle Wälder, bunte Wiesen und idyllische Dörfer machen den Naturpark ebenso aus wie imposante Zeugnisse frühgeschichtlicher Besiedlung und eine Vielzahl geologischer Besonderheiten. Phasen der Meeresbedeckung hinterließen ihre Spuren und die Eispanzer der Kaltzeiten. Der Naturpark ist berühmt für Erdfälle und Bachschwinde – beides für Karstlandschaften typische geologische Phänomene.

Der Elm: in allen vier Jahreszeiten ein Naturerlebnis

Vielleicht liegt es daran, dass die Landschaft am östlichen Rand Niedersachsens lange Zeit vergessen war – Flora und Fauna konnten sich jedenfalls ungestört entwickeln. Von den heute hier vorkommenden annähernd 1.000 Pflanzenarten stehen viele auf der Liste der gefährdeten Arten. Dazu zählen beispielsweise verschiedene Knabenkräuter als heimische Orchideenarten, Frauenschuh und Aronstab.

Gleiches gilt für die Tierwelt. So leben im romantischen Reitlingstal Kamm- und Bergmolch, Springfrosch sowie Kreuz- und Wechselkröte. Auch die Wildkatze ist zur Freude der Naturfreunde im Naturpark heimisch. Wer hier mit wachen Sinnen  unterwegs ist, wird mit unvergesslichen Eindrücken belohnt. Und manchmal sogar mit einem Körbchen voll duftender Steinpilze.      

10 Geheimtipps von Ulrich Scheithauer, Geschäftsstellenleiter Naturpark Elm-Lappwald:

1. Erlebnissteinbruch Hainholz im Elm

Mit dem Hammer auf der Suche nach versteinerten Urmeerbewohnern wie Seelilien und Wasserschnecken – im Erlebnissteinbruch Hainholz im Elm ist das möglich. Braucht man etwas Glück, um urzeitliche Fossilien zu finden, so fallen beispielsweise versteinerte Meereswellen und Fraßspuren urzeitlicher Würmer sofort ins Auge.

2. Karl-May-Tal im Elm

Ein romantischer Platz im Wald, unter hohen Bäumen gelegen, lädt heute Fans von Lagerfeuer und Stockbrot zum Verweilen in der Natur ein. Ein Ort, der schon seit Urzeiten ein beliebter Lagerplatz ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wissenschaftler vermuten, dass sich im geschützten Karl-May-Tal schon vor rund 300.000 Jahren Urmenschen aufgehalten haben. Von hier aus könnten sie – bewaffnet mit Wurfspeeren – zum Ufer eines nahen Sees aufgebrochen sein, um Wildpferde, Waldelefanten und Nashörner zur Strecke zu bringen. Hierher kehrten sie möglicherweise nach erfolgreicher Jagd auch zurück. Was im Karl-May-Tal heute über dem Feuer gegart und verspeist wird, entscheiden alleine Sie.

(Foto: christo.cc)

3. Paläon in Schöningen

Wie gefährlich die Jagd der Urmenschen am steinzeitlichen Seeufer wirklich war, haben Wissenschaftler erst vor wenigen Jahren erkannt. Der Mensch konnte leicht selbst zur Beute werden, denn eine riesige, furchteinflößende Raubkatze jagte gleichzeitig im selben Revier. Archäologen fanden die gewaltigen und messerscharfen Zähne des Säbelzahntigers an der Ausgrabungsstätte im Tagebau Schöningen. An dieser Stelle wurden auch Knochen des Urmenschen, von Wildtieren sowie die ältesten Jagdwaffen der Menschheit, die Schöninger Speere, geborgen. Im Paläon ist die Geschichte vom Leben und Sterben in der Steinzeit auch anhand von Grabungsfunden anschaulich dargestellt.

Auch von außen ein Erlebnis: Das paläon wurde vom Züricher Architekturbüro Holzer Kobler entworfen (Foto: Paläon GmbH)

4. Dorm und Baustelle Großsteingrab

In Groß Steinum lernen Sie an der „Baustelle Großsteingrab“ die bewundernswerte Technik kennen, mit der die Arbeiter um 3.500 vor Christus schwere Steine transportierten, aufrichteten und auflegten. Der Standort des Großsteingrabs – eines von mehreren Gräbern dieser Art im Naturpark – ist ein wunderbarer Aussichtspunkt und zugleich Ausgangspunkt einer Entdeckungsreise in den urwüchsigen Dorm. Der bewaldete Höhenzug beheimatet beispielsweise Erdfalltümpel, die große Bedeutung als Lebensraum für Amphibien haben.

5. Lutterquelle und Duckstein in Königslutter

Sieben unermüdlich sprudelnde Karstquellen am Fuße des Elms speisen die Lutter, den Bach, der Königslutter den Namen gab. In der mystisch anmutenden Umgebung des Quellhauses, in dem die Hauptquelle gefasst ist, finden sich mehrere Quelltöpfe. Einer  dieser teilweise gut versteckt liegenden, bemoosten Quellseen soll dereinst Mensch und Tier zum Verhängnis geworden sein. Im sagenumwobenen Kutscherloch sei ein Kutscher mitsamt seiner Kutsche eingebrochen und jämmerlich ertrunken, heißt es. Die Sage gibt einen anschaulichen Hinweis auf die Wassermassen, die sich von hier aus einen Weg bergab suchen.

„In der Nähe des Lutterspring ist der besondere Duckstein zu finden, ein Kalksinterstein, auf dem nicht nur Teile der Altstadt Königslutters gebaut ist. Der Duckstein diente den Brauern des Ducksteinbiers auch als Filtermaterial.“

Ulrich Scheithauer

6. Romanische Johannisbasilika in Süpplingenburg

Lothar von Süpplingenburg muss ein begnadeter Bauherr gewesen sein. Ein herausragendes architektonisches Zeugnis seines Wirkens ist die Grabeskirche der Familie, der Kaiserdom in Königslutter. Doch nicht das einzige. Im Verborgenen schlummert einige Kilometer östlich ein Schatz, der Freunde des romanischen Baustils in helles Entzücken versetzt. Es handelt sich um ein Gotteshaus, das Lothar – von 1133 bis 1137 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches – innerhalb der Mauern seiner Stammburg in Süpplingenburg gründete. Die 1140 fertiggestellte Stiftskirche St. Johannis ist das einzige Gebäude des Sumpfburgkomplexes, das bis heute erhalten ist.

7. Wasserburg Langeleben

Mitten im Elm, am Kreuzungspunkt dreier Straßen, liegen vergessen im Wald die Reste der ehemaligen Wasserburg Langeleben. Alte Geschichtsschreiber vermuteten hier die sagenumwobene Alaburg. Wie die Krimmelburg im Reitlingstal soll auch die Anlage in Langeleben dem brunonischen Fürsten Ekbert, dem Einäugigen gehört haben. Starke Beschädigungen der Burg gehen demzufolge auf eine Befreiungsaktion sächsischer Fürsten zurück, die Adelheid, einer Tochter Kaiser Ottos II., gegolten hat. Neben der Burgruine ist das Quellhaus des Schierpkebaches, das einst zum Garten eines verschwundenen Jagdschlosses gehörte, erhalten.

Quellhaus der Ruine der Wasserburg Langeleben (Foto: Naturpark Elm-Lappwald)
Lust auf Ausflüge in den Elm?

8. Gutspark Beienrode

Der Park des seit 1.000 Jahren bestehenden Rittesguts Beienrode wurde wohl von einem Mitglied des Adelsgeschlechts von Veltheim angelegt. Heute wirkt die Parkanlage wie ein verwunschenes Kleinod an der Schunter. Unter den knorrigen, Jahrhunderte alten Bäumen leuchten im Frühjahr tausende Buschwindröschen, später färben Bärlauch und Wiesenschaumkraut Wald und Wiesen weiß. Der stimmungsvolle Weg entlang der Schunter gestattet dem Spaziergänger Blicke über das Naturschutzgebiet Lutterlandbruch. Kenner der regionalen Kriminalgeschichte werden bei „Beienrode“ aufhorchen. Auf dem Gutshof lebte im ausgehenden 20. Jahrhundert die Familie des Pastors Klaus Geyer und seiner Frau Veronika Geyer-Iwand. Der Pfarrer, engagiert in der Friedensbewegung und in den 1980er-Jahren Organisator von „Festivals der Friedensdienste“ in Beienrode, wurde später wegen Totschlags an seiner Frau verurteilt. Wichtigster Zeuge im Prozess war eine totgetretene Ameise. 

9. Seilereimuseum Schöningen

Im Torhäuschen des Schlosses Schöningen – um 1350 als Jagdschloss erbaut – gewährt das Seilereimuseum beeindruckende Einblicke in eines der ältesten Handwerke Deutschlands. Die Handseilerei hat am Elmrand eine bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte. Mit Leidenschaft und viel Liebe zu seinem Beruf pflegt Seilermeister Walter Lutze, auf dessen Initiative das Museum zurückgeht, die alte Tradition weiter. Teilweise Jahrhunderte alte Exponate berichten ebenso wie Seilermeister Lutze nicht nur von längst vergangenen Zeiten, sie versetzen die Besucher zurück in eine andere Welt. Eine Welt, in der die Fertigung eines Seils mit beschwerlicher, körperlicher Arbeit verbunden war. Davon können Sie sich selbst überzeugen, denn Besucher dürfen ihr eigenes Seil aus vier Litzen, die vorher ebenfalls von Hand gefertigt wurden, herstellen.

10. Brunnental bei Helmstedt

In der Mitte des 18. Jahrhunderts kamen die Herrschaften aus Braunschweig ins liebliche Brunnental zum Kuren. Sprudelten hier doch schwefelhaltige Badequellen und kohlensaure Trinkquellen, denen man Heilkräfte nachsagte. Der Clarabadteich, der Kurpark und mondäne Villen zeugen heute noch von den ruhmreichen Jahren als Modebad. Die Helmstedter lieben sonntägliche Spaziergänge im abgeschiedenen, grünen Brunnental ebenso wie das nostalgische, am Kurpark gelegene Brunnentheater. Die Heilquellen sind übrigens Ende des 19. Jahrhunderts plötzlich versiegt und das Bad geriet in Vergessenheit. Erst recht nach 1945, als das Brunnental plötzlich auf drei Seiten vom Eisernen Vorhang umgeben war. Auch dieser Epoche kann in Bad Helmstedt nachgespürt werden.

„Auf dem Grenzlehrpfad ist es ebenso wie in Hötensleben und im Helmstedter Zonengrenzmuseum möglich, die deutsch-deutsche Misere hautnah zu erleben.“

Ulrich Scheithauer
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