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Smart Mobility: Die Region arbeitet am Fahrzeug der Zukunft

Autobahn mit Langzeitbelichtung fotografiert  (Bildrechte: Allianz für die Region GmbH / Maximilian Konrad)

Maximalen Spaß und besten Fahrkomfort versprachen sich die Automobilisten früher vor allem von schnellen, geräumigen Wagen. Das ist Vergangenheit. Heute erwarten die Menschen andere, modernere Mobilitätslösungen. Sie wollen möglicherweise ihre Lieblingsmusik hören, entspannt fahren, zügig am Ziel ankommen und dabei die Umwelt schonen. Stadtbewohner möchten sich die stressige Parkplatzsuche ersparen und die ältere Generation lässt sich vielleicht gerne chauffieren.

Moderne Mobilität ist mehr als Fahrspaß und Komfort: Fahrzeuge der Zukunft sind serviceorientiert, flexibel sowie ökonomisch und ökologisch effizient. (Foto: Stadt Salzgitter/Fotograf Andre Kugellis)

Mobilität muss heutzutage serviceorientiert, flexibel sowie ökonomisch und ökologisch effizient sein. Das Transportmittel der Zukunft fährt laut- und emissionslos, selbstständig und liest dem Passagier quasi jeden Wunsch von den Augen ab. Eine Übertreibung? Nein! Technikern und Ingenieuren ist es schon jetzt gelungen, motorisierte Fortbewegungsmittel mit einer gewissen Intelligenz und umweltfreundlichen Antriebstechnologien auszustatten.    

Die Digitalisierung hat den klassischen Automobilbau in vielerlei Hinsicht verändert. Dies spiegelt sich in der Produktion und in allen Prozessketten wider. Aber vor allem das Produkt selbst kann heute viel mehr, ja, es muss viel mehr können als das Kraftfahrzeug von früher. Früher heißt in diesem Fall Ende der 1950er-Jahre. Was mit dem ersten Tempomaten, der 1962 in Europa auf der Liste der Sonderausstattungen erschien, begonnen hat, entwickelt sich in rasanter Geschwindigkeit weiter.

Vom Unikat bis zum Prototyp: Die Stiftung AutoMuseum Volkswagen macht deutlich, dass Automobilbau und Mobilität schon immer im Wandel waren. (Foto: Stiftung AutoMuseum Volkswagen)

Die Region Braunschweig-Wolfsburg nimmt schon seit vielen Jahrzehnten eine Vorreiterrolle im Bereich der Mobilitätsforschung und des modernen Automobilbaus ein. Innovationen kommen hier auf den Asphalt, lange bevor sie in den Showrooms der Autohäuser zu sehen sind. Das Megathema Smart Mobility, das die Autoindustrie derzeit am stärksten bewegt, macht da keine Ausnahme. Wir erklären, was sich dahinter verbirgt und wie die Region zwischen Gifhorn und Goslar dazu beiträgt:

Automatisches Fahren

Hand in Hand arbeiten in der Region verschiedene Forschungseinrichtungen, Hochschulen und die Industrie an Assistenzsystemen, die teilweise schon jetzt so weit ausgereift sind, dass der Fahrer das Steuer abgeben kann. Zumindest in bestimmten Situationen. Fachleute stellen den Automatisierungsgrad von Fahrzeugen in fünf Stufen dar.

(Foto: Allianz für die Region GmbH)
Leonie – das selbstfahrendes Auto mit Promistatus der Technischen Universität Braunschweig. (Foto: TU Braunschweig)

Prognosen gehen davon aus, dass vollautomatisiertes Fahren in fünf bis zehn Jahren möglich sein wird. Während vollautomatisierte Autos auf Autobahnen bereits heute gut funktionieren, gibt es im innerstädtischen Bereich noch Herausforderungen. Deshalb fordern vollautomatisierte Fahrzeuge, die gegenwärtig auf dem „Testfeld Niedersachsen“ in unserer Region unterwegs sind, den Fahrer auf, das Steuer zu übernehmen, sobald es die Verkehrssituation erfordert.

 (Bildrechte: Allianz für die Region GmbH)

„Die Größte Herausforderung auf dem Weg zum autonomen Fahren wird darin liegen, dem Menschen das Lenkrad aus der Hand zu nehmen.“

Thomas Ahlswede-Brech, Handlungsfeld Mobilitätswirtschaft und -forschung der Allianz für die Region GmbH

In unserer Region laufen bereits erste Tests mit elektrisch angetriebenen Minibussen, die über den reinen Personentransport hinaus weitere Dienstleistungen anbieten. Experten rechnen damit, dass die Menschen selbstfahrende Shuttles weitaus besser akzeptieren werden als autonomen Individualverkehr. Schließlich steigt man schon heute ohne Bedenken in autonom fahrende Züge, beispielsweise an Flughäfen.

Elektromobilität

Gut für die CO2-Bilanz: E-Autos gewinnen an Fahrt (Foto: Allianz für die Region GmbH)

Während die Automobilindustrie im Bereich Digitalisierung schon eng mit der IT-Branche zusammenarbeitet, sind auch beim Antrieb innovative Lösungen gefragt, die nicht im Alleingang entwickelt werden können. Auch wenn der Anteil von Elektrofahrzeugen am Gesamtfahrzeugmarkt aktuell noch gering ist, rechnen Experten mit einer Zunahme der Verkaufszahlen – bis eines Tages (fast) nur noch E-Autos auf unseren Straßen unterwegs sind, so die Prognosen. Der schrittweise Ausbau der Ladeinfrastruktur und Technologiesprünge bei der Batterietechnologie leisten hierbei ihren Beitrag.

„Wir müssen die Reichweite erhöhen, um die Akzeptanz zu verbessern und das Kundeninteresse an Elektrofahrzeugen zu erhöhen. Die Forschung und Entwicklung ist hier auf einem guten Weg.“

Thomas Ahlswede-Brech

Bei der Batterie ist vor allem eine Frage interessant: In welcher Zeit ist das Speichermedium aufgeladen und wie weit kommt der Wagen mit einer Ladung?

„Forschungsseitig ist man heute in der Lage, in wenigen Minuten Strom für eine Reichweite von 500 bis 800 Kilometern zu laden. Aber die Sicherheit für die Benutzer muss bei solchen Schnellladungen immer Priorität haben und daher wird in unserer Region genau diese Sicherheit betrachtet und verbessert.“

Thomas Ahlswede-Brech

Der Batterie-Sicherheitscampus in Goslar erforscht das Verhalten von Batterien bei Schnellladevorgängen

In unserer Region finden die Fahrzeughersteller kompetente und einfallsreiche Unterstützung in Sachen Reichweitenerhöhung. Unter dem Dach des Batterie-Sicherheitscampus Deutschland in Goslar erforschen Wissenschaftler beispielsweise das Verhalten von Batterien bei Schnellladevorgängen mit hoher Leistung. 

„Auf dem Batterie-Sicherheitscampus Deutschland befinden sich mehrere Institutionen, deren Köpfe sich Tag für Tag den Herausforderungen der Batteriesicherheit widmen. Das macht den Standort so herausragend.“

Prof. Dr. Thomas Hanschke, Präsident der Technischen Universität Clausthal

Das Herzstück des Campus’ – einer in Deutschland einmaligen Einrichtung – ist das von der TU Clausthal mit dem Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) und dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut betriebene „Batterie- und Sensorik-Testzentrum“. Mit dem neuen Zentrum für Energiespeicherforschung, einem gemeinsamen Projekt von Fraunhofer mit der Technischen Universität Braunschweig, entsteht derzeit eine weitere einzigartige Forschungseinrichtung in unserer Region.

„Es sind nicht nur die großen Hersteller, die in unserer Region dafür stehen, Innovationen marktfähig zu machen und in den Markt zu überführen. Hier gibt es viele Forschungseinrichtungen, die in diesem Bereich Pionierarbeit leisten. Auch die Ingenieurdienstleister tragen mit hervorragend durchdachten Lösungen einen wichtigen Beitrag zum Ruf der Region bei. Am Ende ist es die Vernetzung aller Akteure, die unsere Region auszeichnet.“

Thomas Ahlswede-Brech

Auch im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs wird in der Region Braunschweig-Wolfsburg am Antrieb der Zukunft geforscht. Auf den Straßen sind Elektrobusse unterwegs und in verschiedenen Projekten entwickeln und testen Ingenieure innovative Ladekonzepte für Busse mittels Induktion. Nicht zuletzt werden hier auch Elektrobusse gebaut.

Carsharing

(Foto: Allianz für die Region GmbH / Yvonne-Madelaine Pfeiffer)

Ein wachsender Zukunftsmarkt, mit dem sich die Automobilindustrie bereits auf breiter Front beschäftigt, ist das Carsharing. Insbesondere bei den Stadtbewohnern wird die Mitnutzung eines Fahrzeugs immer beliebter. Carsharing schont nicht nur finanzielle Ressourcen – es ist auch ökologisch sinnvoll. Die zunehmende Digitalisierung trägt auch in diesem Bereich zu wachsender Dynamik und Flexibilität bei.

Fazit: Smart Mobility sehen Sie schon heute auf den Straßen. Denn die mobile Zukunft kommt auf schleichenden Sohlen. Das elektronische Notrufsystem, das ab 2018 in allen neu zugelassenen Autos verpflichtend installiert sein muss, ist der nächste Schritt. Aber bei weitem nicht der letzte. Vernetzte und vollautomatisierte Fahrzeuge werden sukzessive Einzug halten auf unseren Straßen. Irgendwann werden wir uns unversehens in einem Auto wiederfinden, das selbst fahren kann. Und eines Tages werden Sie sich per Knopfdruck ein Fahrzeug an die Haustüre rufen, das Sie von alleine zum Plausch mit Ihren Freundinnen, zur Einkaufstour oder ins Fitnesscenter bringt. Ein Gläschen Prosecco oder ein erfrischendes Bier mit den Sportskameraden sind dann erlaubt, dafür entfallen Parkplatzsuche, tanken und andere Unannehmlichkeiten. Wie klingt das für Sie? Wir freunden uns mit diesem Gedanken gerne an.

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