Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht

Imke Byl – Niedersachsens jüngste Abgeordnete im Porträt

  • Datum: 13. Mai 2019
  • Kommentare: 0
 (Bildrechte: Mariel Reichard)
Foto von Mariel Reichard
Mariel Reichard
Alle Beiträge (9)

An einem sonnigen Dienstagnachmittag treffe ich mich mit Imke Byl in einem kleinen Café gegenüber der Hannoverschen Marktkirche auf Apfelschorle und Kuchen. Eigentlich kommt sie aus Gifhorn, ist studierte Umweltwissenschaftlerin und seit gut anderthalb Jahren Mitglied des Niedersächsischen Landtags. In der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen vertritt sie die Themen Energie, Umwelt, Klimaschutz und Frauenpolitik. Mit ihren 25 Jahren ist sie nicht nur die jüngste Abgeordnete dieser Legislaturperiode, sondern auch die jüngste niedersächsische Abgeordnete, die es jemals gab.

Der Alltag einer Politikerin

Imkes Aufgaben als Berufspolitikerin sind vielfältig. Zum einen versucht sie, ihrem Wahlkreis gerecht zu werden und Gifhorn und die Region angemessen im Landtag zu vertreten. Gleichzeitig stehen ihre Themengebiete im Zentrum ihrer Arbeit. Sie möchte Niedersachsen ökologischer und klimagerechter machen und die Gleichstellung der Geschlechter weiter voranbringen. Um diese Ziele zu erreichen, hält sie Reden im Plenum, stellt Anträge und ist Mitglied im Umweltausschuss. Darüber hinaus trifft sie sich mit Verbänden oder Bürgerinnen und Bürgern, diskutiert mit ihnen verschiedene Handlungsmöglichkeiten und trägt ihre Perspektiven in den Landtag.

Wenn Imke abends ihr Büro verlässt, ist der Tag meist noch lange nicht zu Ende. Parteiinterne Gremienarbeit, Podiumsdiskussionen oder Vorträge – ein Großteil der politischen Arbeit findet außerhalb des Parlaments statt. Für mich klingt das alles ganz schön anstrengend. Immer muss man erreichbar und ansprechbar sein und die Freizeit kommt eindeutig zu kurz. Imke nickt, aber lächelt dabei. Ihre Couch sieht sie fast nie, sagt sie lachend, aber ihr Job macht Spaß, auch wenn er kräftezehrend ist, denn sie weiß die Abwechslung des Politikalltags zu schätzen. Mehr zu tun gibt es immer, sagt sie, aber sie versucht, so viel mitzunehmen, wie möglich, um ihrem Beruf und den Menschen gerecht zu werden.

Das Parlament als Abbild der Gesellschaft

Dass Imke jüngste Abgeordnete ist, betrachtet sie als einen Arbeitsauftrag, ihre Generation im Parlament zu vertreten. Besonders im Bereich Klimaschutz wird bei weitem nicht genug gehandelt, kritisiert sie. Als junge Frau hat sie im Landtag noch mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Anders als andere Abgeordnete muss sie ihre Kompetenz erst unter Beweis stellen. Das baut natürlich Druck auf, dennoch möchte sie mehr junge Menschen dazu motivieren, in die Politik einzusteigen. Dem Parlament sollten möglichst viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Wissen angehören. Das bedeutet, dass es nicht nur mehr junge Leute braucht, sondern auch mehr mit Migrationshintergrund und mit unterschiedlichen Bildungswegen. Das führt letztendlich auch zu besseren Entscheidungen, sagt sie entschlossen. Schließlich hat jeder Mensch eine Meinung, die es wert ist, gehört zu werden.

Ein Stück Gifhorn in Hannover

Imke ist in Gifhorn geboren und aufgewachsen. Sie besuchte das Otto-Hahn-Gymnasium, bis es sie nach dem Abitur zum Studieren erst nach Lüneburg und dann nach Oldenburg verschlug. Heute wohnt sie wieder in Gifhorn. Das Großstadtleben vermisst sie nicht. Ganz im Gegenteil verbindet sie Gifhorn mit Ruhe und dem Ausgleich zur stressigen Landeshauptstadt. Zeitgleich ist sie auch dort nicht von der Arbeit befreit, sondern sucht den Kontakt mit den Menschen vor Ort, um den Input der Region ins Parlament zu tragen. Ihr Wahlkreisbüro befindet sich im Steinweg.

Wir sitzen immer noch in Hannovers trubeliger Innenstadt. Wenige Meter weiter werden Entscheidungen getroffen, die das ganze Bundesland betreffen. Wir dürfen die Leute auf dem Land nicht vergessen, sagt sie. Niedersachsen ist ein Flächenland, ein Großteil der Bevölkerung wohnt auf Dörfern. Gerade in Fragen der Mobilität gelten auf dem Land ganz andere Spielregeln als in der Stadt. Dort fahre der Bus nicht alle fünf Minuten.

Einmischen und Mitmachen

Gerade deswegen ist es wichtig, dass man sich einbringt – egal, wo man herkommt oder wie alt man ist. Imke hat den Weg in die Politik über die Grüne Jugend und die Hochschulpolitik gefunden, leider viel zu spät, wie sie betont. Sie dachte lange Zeit, dass man volljährig sein müsse, um mitmischen zu können. Heute ärgert sie sich über diesen Irrglauben und weiß, dass sie nicht die einzige ist, der es so geht. Als Sprecherin der Grünen Jugend Niedersachsen kam sie mit vielen politischen und motivierten Jugendlichen in Kontakt, aber ihr ist auch bewusst, dass nicht alle den gleichen Zugang zu politischer Bildung haben. Sie betont, dass es in der Politik das Allerwichtigste sei, sich selbst eine Meinung zu bilden und diese zu vertreten, sonst entscheiden andere für einen. Als sie vor einiger Zeit dann ernsthaft darüber nachdachte, für den Landtag zu kandidieren, wusste sie, dass damit nicht nur Arbeit oder Spaß einhergeht, sondern insbesondere ein hohes Maß an Verantwortung. Sie hat den Anspruch, etwas zu verändern und ruft alle dazu auf, mitzumachen.

0 Kommentare

Kommentieren