Zum Inhalt springen

VfL-Wolfsburg: Wie die Wölfe Beute reißen, auch in Europa

  • Datum: 13. Oktober 2016
  • Kommentare: 0
 (Bildrechte: Ingo Bartels)
Foto von Ingo Bartels
Ingo Bartels
Alle Beiträge (22)

Der VfL Wolfsburg holt nationale Titel und spielt international: alles Spiele mit besonderen Momenten, die die Fans scharenweise ins Stadion locken. Für den vierten Teil unserer Serie habe ich vier solcher „Hammerspiele“ exemplarisch ausgewählt. 

Kaum zu glauben: Der VfL wird deutscher Meister

Die Hinrunde der Saison 2008/2009 verläuft nicht so, als würde in Wolfsburg jemand vom Titel träumen. Die Wölfe sind nach der Hinrunde auf dem 9. Platz und weit entfernt davon, um den Titel mitzuspielen, Hoffenheim ist überraschend erstmals Herbstmeister. In der Rückrunde folgen dann ab dem 19. Spieltag zehn Siege in Folge.

Beim überragenden 5:1 gegen die Bayern am 26. Spieltag gibt es nicht nur einen historischen Heimsieg, sondern mit dem legendären Hackentor von Grafite auch das Tor des Jahres. Der VfL springt mit dem Kantersieg an die Bundesligaspitze und gibt diese Position an der Sonne nicht mehr her.

Am vorletzten Spieltag in Hannover fertigt die Mannschaft von Felix Magath die 96er mit 5:0 ab und benötigt am letzten Spieltag nur noch einen Punkt. Es ist Samstag, 23. Mai 2016 und die Stadt ist vorbereitet auf die Titelfeier. Verpassen will ich das nicht und reise dafür aus meiner damaligen Wahlheimat Zürich an. Ich ergattere ein Ticket auf der Haupttribüne mit meinem Freund Tommy.

Spannung pur

Obwohl die VfL-Offensive mit Grafite (28 Tore, Torschützenkönig), Dzeko (26 Tore) und Misimovic in überragender Verfassung ist, sind wir nervös. Kurz nach Anpfiff geht mein Kumpel erstmal Bier holen. Währenddessen fällt schon das 1:0 (6. Minute) durch Misimovic, der den Ball unter die Latte knallt. Während wir gerade den ersten Schluck aus dem Becher nehmen, erhöht Grafite auf 2:0 (15. Minute). Das ausverkaufte Stadion ist fortan ein Tollhaus und wir feiern bereits die Meisterschaft mit lauten Gesängen.

Nach dem 5:1 ist die Stimmung unglaublich und diese Bilder sind mir heute noch im Kopf. Danach geht es im Tross zur Porschestraße, um vor dem Rathaus ausgelassen zu feiern. Diese Wanderung erinnert mich stark an 1997, als ich spät abends noch über die Heinrich-Nordhoff-Straße zog, um den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu feiern. 12 Jahre später findet die nächste grün-weiße Party als Deutscher Meister statt und endlich ist der Gleichstand mit dem Rivalen Eintracht Braunschweig hergestellt

Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin

DFB-Pokal 2015: Bisher konnte der VfL Wolfsburg in diesem nationalen Wettbewerb noch keinen Titel holen. Doch in diesem Jahr geht es auf skurrilem Weg bis ins Finale. Nach Siegen ausschließlich gegen Zweitligisten steht der VfL im Finale am 30. Mai in Berlin dem Bundesliga-Topteam Borussia Dortmund gegenüber.

Ich kaufe mir ein Ticket und fahre mit dem Auto bis Spandau und steige dort in die Straßenbahn um, wo VfL- und BVB-Fans gemeinsam zum Olympiastadion fahren. Im VfL-Block treffe ich unter anderem auch auf VfL-Aufstiegsheld Roy Präger, der sich unter die Fans gemischt hat.

Schock auf dem Weg zum DFB-Pokal

Bereits vor dem Anpfiff ist die Stimmung im Block hervorragend. Die Hoffnungen auf einen Sieg sind groß, auch wenn der Gegner extrem stark ist. So gehen die Schwarz-Gelben früh durch Aubameyang in Führung (5. Minute) und versetzen dem VfL einen Schock. Aber die Wölfe erholen sich schnell und über den aus meiner Sicht überragenden Vieirinha fährt der VfL seine Angriffe auf das Dortmund-Tor. In der 22. Minute gleicht Gustavo aus, De Bruyne (33. Minute) und Dost (38. Minute) zaubern in gut einer Viertelstunde einen Zwei-Tore-Vorsprung her.

Die Halbzeitgespräche sind phänomenal, weil jeder jetzt daran glaubt, dass der VfL Wolfsburg den Titel holen kann. Als der Schiedsrichter nach 90 Minuten abpfeift, steht ein 3:1 auf der Anzeigentafel: Der VfL Wolfsburg ist DFB-Pokalsieger.

Eine beeindruckende Siegershow lässt jeden VfL-Fan das Handy zücken, um diesen Moment festzuhalten. Aber auch auf dem Rückweg mit der Straßenbahn wird gefeiert. Ich komme ins Gespräch mit einigen Dortmund-Fans, die zum verdienten Sieg gratulieren. Eine tolle Einstellung der Dortmunder, die anerkennen, dass der VfL das bessere Team war und am Ende verdient gewonnen hat.

Über die Alpen zum VfL-Auswärtskracher

Bereits in der Saison 2007/2008 verlief die Bundesliga-Saison gut für den VfL Wolfsburg und der Einzug in die UEFA Europa League ist die Belohnung. Es ist Mittwoch, der 17. Dezember 2008 und der VfL Wolfsburg muss in der Gruppe E zum Auswärtsspiel nach Mailand reisen. Es ist der letzte Spieltag in der Gruppe mit Sporting Braga, SC Heerenveen, FC Portsmouth und AC Mailand. Das Topspiel (Wolfsburg Erster, Mailand Zweiter) im legendären Giuseppe-Meazza-Stadion möchte ich auf keinen Fall verpassen und überzeuge bei der Arbeit meinen englischen und fußballbegeisterten Arbeitskollegen Greg. Zusammen fahren wir mit dem Auto die rund 260 Kilometer nach Mailand.

Bombenblick, wenige Zuschauer

Nach circa vier Stunden Autofahrt kommen wir in San Siro an und stellen uns nach einem schnellen Espresso in den Gästeblock. Der Weg nach oben ist lang und der Blick von oben beeindruckend. Auf den Rängen treffe ich viele Wolfsburger Freunde, die ich zu dem Zeitpunkt auch schon einige Jahre nicht mehr gesehen habe. Das 85.000 Menschen fassende Fußballstadion gleicht allerdings einer Geisterstadt, denn es sind nur knapp 5.500 Zuschauer da, davon vielleicht 1.000 aus Wolfsburg.

Zuerst jubeln dann die Heimfans, denn Ambrosini erzielt nach einer Viertelstunde das 1:0 und ich stelle mich schon darauf ein, dass der große AC Milan ein paar Nummern zu groß ist. Allerdings ist es in der zweiten Hälfte ein offener Schlagabtausch, obwohl auf der Gegenseite Stars wie Pirlo, Shevchenko, Seedorf und Inzaghi stehen. Zehn Minuten vor Schluss rettet Saglik das 2:2 und lässt uns jubeln, denn dadurch sind wir als Gruppenerster in die Zwischenrunde eingezogen.

Der Jubel ist riesig und nachdem wir noch lange warten mussten, bis wir den Gästeblock verlassen dürfen, geht es eine Stunde nach Abpfiff zurück nach Hause. Um 4:00 Uhr ist dann ein aufregender Tag mit einem einmaligen Erlebnis der Europatour der Wölfe vorbei.

Königlicher Besuch in Wolfsburg

Nachdem der VfL Wolfsburg bereits einige Spiele in der Champions League gespielt hat, kommt es in der Saison 2015/2016 zum bisherigen Höhepunkt. Es ist die zweite Teilnahme in der höchsten internationalen Spielklasse und der VfL ist mit dem ZSKA Moskau, PSV Eindhoven und Manchester United in einer starken Gruppe. Dennoch gelingt wieder einmal der Gruppensieg.

Im Achtelfinale wird KAA Gent aus dem Weg geräumt. Im Viertelfinale wartet dann der König des Fußballs: Real Madrid! Ein schier unbesiegbarer Gegner ist im ersten Spiel zu Gast in der Volkswagen Arena und eine Stadt ist im Ausnahmezustand. Als Cristiano Ronaldo im Hotel INNSIDE by Melia am Hauptbahnhof absteigt, herrscht Gedränge rund um den Willy-Brandt-Platz.

Kein Witz, sondern Wahrheit: Sieg gegen Real Madrid

Am Mittwoch, 6. April 2016 steigt das ungleiche Duell und ich habe keine Karte ergattern können. Aber auch am Fernseher ist es ein grandioses Ereignis, denn so ein Weltklasseteam kommt nicht häufig nach Wolfsburg und spielt gegen unsere Spieler. Im Vorfeld des Duells sagen mir zwar einige, dass wir gewinnen werden, aber ich glaube, das war eher Spaß, denn Real kommt in Bestbesetzung.

Ausgespielt: Wolfsburg gewinnt gegen „die Königlichen“ aus Madrid (Foto: VfL Wolfsburg)

Die Grün-Weißen aber beeindruckt das offenbar nicht und nach einem Doppelpack durch Rodriguez (18. Minute, Elfmeter) und Maxi Arnold (25. Minute) sind Sieg und Sensation früh perfekt. Auch wenn das Rückspiel mit 0:3 verloren geht und das Team unglücklich ausscheidet, hat der VfL Wolfsburg international erneut ein Ausrufezeichen gesetzt.

0 Kommentare

Kommentieren