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Filzen macht glücklich! Wir besuchen die Werkstatt „Patta-Malu“

  • Datum: 19. Januar 2017
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 (Bildrechte: Bärbel Mäkeler)
Foto von Bärbel Mäkeler
Bärbel Mäkeler
Alle Beiträge (15)

Macht Filzen glücklich? Darüber sinniere ich auf dem Weg zu Maren Banasiewicz, die die unterschiedlichsten Filzprodukte herstellt und ihr Können in Seminaren weitergibt. Ich bin gespannt, ob sie mir die Frage beantworten wird.

Patta-Malu – das Filzvergnügen

Ihr kleines Unternehmen, das sie mit einer befreundeten Schneiderin betreibt, heißt Patta-Malu. Das hört sich für mich fernöstlich, auf jeden Fall geheimnisvoll an. Maren klärt mich lächelnd auf: „Ich habe lange über einen passenden Namen für meine Leidenschaft nachgedacht … irgendwas mit Filzen erschien mir langweilig. Dann fand ich Patta-Malu, das passte einfach. Das bedeutet nämlich entspannter oder friedlicher, endloser Knoten.“ Patta ist tibetanisch und Malu hawaiianisch.

Das Begriffsduo hat viel mit dem Handwerk des Filzens zu tun. „Die Wolle wird nämlich mechanisch verknotet und die Tätigkeit ist sehr entspannend, ja, fast meditativ“, versichert mir die passionierte Filzerin.

Vor circa zehn Jahren begann sie, sich mit dem Filzen zu beschäftigen. Sie probierte Techniken aus, experimentierte mit unterschiedlichen Materialien und tüftelte an Formen, alles autodidaktisch. Und es hat sie gepackt, bis heute. „Ich werde immer was ausprobieren, das wird nie enden“, ist sie überzeugt und zeigt mir gleich ihr neuestes Produkt: Wärmflaschenüberzüge. Zurzeit experimentiert sie mit Tiermotiven, ihr Lieblingsstück ist Jolle, der Fuchs, der sich zu Bruno, dem Bären, gesellt. Das Schaf entzückt durch echte graue Wolllocken.

Sitzkissen, Hausschuhe, Vasen und mehr

Apropos wollige Locken: Als ich vor ein paar Jahren in Schweden war, verliebte ich mich in die Gotlandschafe, die zahm waren und sich gern kraulen ließen. Ich spüre noch heute das weiche wollige Gefühl, den freundlichen Tieren ins Fell zu greifen. Und siehe da, bei Maren gibt es eine erneute Begegnung mit diesem haptischen Erlebnis. Maren verarbeitete die graue lockige Pracht zu einem Sitzkissen.

Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken. Da sitzen lustige Filztiere im Regal, bunte Vasen warten auf Bestückung, graue Steine mit weißen Streifen liegen stoisch auf dem Brett, eine Lichterkette mit Blüten baumelt vom Schrank und verschiedene Taschen, Stulpen sowie Schuhe stehen zum Begutachten und vor allem zum Anfassen bereit.

Schöne Filzobjekte für jeden Geschmack (Foto: Bärbel Mäkeler)

Vom Nass- und Trockenfilzen

Da sind wir doch gleich bei der Technik. Zum Nassfilzen braucht man eine raue Unterlage wie beispielsweise ein grob gewirktes Spültuch oder eine Bambusrolle, einen Wassersprüher, heiße Seifenlauge, eine „Filzmaus“ und natürlich Wolle.

Filzzutaten (Foto: Bärbel Mäkeler)

Maren Banasiewicz verarbeitet vor allem Wolle vom Merinoschaf, aber auch vom Steinschaf, Zackelschaf oder dem besagten Gotlandschaf. Dabei nimmt sie das Material entweder schon als vorbereitetes Vlies, als kardierte (zum Filzen schon fertige dicke Wollstränge) oder als gekämmte Wolle. Durch seichtes Walken oder Reiben verbinden sich die Wollbestandteile, sie ergeben nach einer Weile eine geschlossene Oberfläche. Die Filzmaus hilft durch ihre gewellte Oberfläche beim Walken. Bei festeren Anforderungen, wie zum Beispiel für eine große Tasche, muss schon viel Kraft und Zeit aufgewendet werden. Also echte Knochenarbeit, bestätigt Maren. Hier sind der Kontakt zur Wolle und das Erleben des Verfilzungsprozesses am direktesten.

Beim Trockenfilzen, der anderen Art zu filzen, verbinden sich die Wollfäden, indem viele ungezählte Male mit einer Nadel mit Widerhaken in die Wolle gestochen wird; damit verknotet sich das Gewebe miteinander oder ein anderes Material kann so präzise aufgebracht werden. Durch diese sich immer wiederholende Tätigkeit kann schon mal ein meditativer Effekt erzeugt werden, beschreibt Maren den oft einsetzenden Gemütszustand. Also wirklich Friede und Glück.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Durch die Kombination beider Techniken ergeben sich tolle Resultate. Figürliche Motive wie Tiere oder Pflanzen sowie dekorative Muster machen jegliche Oberflächen – ob Hohlkörper oder Flächen – zu attraktiven (Kunst-)Werken.

Maren veredelt ihre Stücke auch gern mit Seidenfäden oder Leder, sie näht mit der Nähmaschine Applikationen auf oder stickt Muster in den Filz. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Und das ist das Tolle, man ist nie am Ende seiner Möglichkeiten“, schwärmt die auch anderweitig kreativ tätige Mutter von Zwillingen. Ihre neueste Leidenschaft ist das Arbeiten mit Beton. Aber das ist eine andere Geschichte …

Wie vermarktet man denn solche kunsthandwerklichen Dinge, frage ich die umtriebige Maren. „Ich habe dann schon mal einen Stand auf einem Kunsthandwerkermarkt, zum Beispiel bei der ‚Kulturellen Landpartie‘ im Wendland, bei Märkten in Mecklenburg-Vorpommern oder Ausstellungen zu Weihnachten“, erzählt sie.

Die Preise empfinde ich als sehr zivil, zum Beispiel kostet eine „Schlüsselblume“ – schönes Wortspiel: eine Blume am Schlüsselbund – ab 8 Euro oder eine stabile große Tasche mit Lederriemen 80 Euro. Und dann bietet Maren Banasiewicz ihre Filzsachen auch noch in einen Onlineshop zum Verkauf – also echt aktiv, die Filzerin aus Peine.

Das zweite Standbein

Studiert hat sie Sozialpädagogik; ihr zweites Standbein ist systemisches Coachen. „Irgendwann einmal werde ich das Filzen mit dem Coaching kombinieren …“, verrät sie mir. Es gäbe noch viele Anknüpfungspunkte, aber diverse Pflichten auf beiden Seiten lassen das kurzweilige Gespräch dann doch enden – nicht ohne mir ein schönes Filzstück mitzunehmen. Ich erwerbe ein zart duftendes Filzseifenstück für unser Landhaus im Wendland. Vielleicht sehen wir uns dort ja wieder.

Ein echter Hingucker: Filzseife (Foto: Bärbel Mäkeler)

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