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Freude am Malen im Atelier Meermaid Art

  • Datum: 5. April 2019
  • Kommentare: 0
 (Bildrechte: Melina Ruhr)
Foto von Melina Ruhr
Melina Ruhr
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Mit seinem charakteristischen Afro-Look und der ruhigen Art, in unter 30 Minuten ein Kunstwerk zu erschaffen, ist Bob Ross® Kult. In ihrem Atelier Meermaid Art bringt Andrea Christiane Spring das Bob Ross-Feeling auf die Leinwand.

Berühmt wurde Bob Ross® in den 80er-Jahren durch seine TV-Show, in der er die Zuschauer immer aufs Neue animierte, selbst zum Pinsel zu greifen und „happy little clouds and trees“ zu malen. Seine Nass-in-Nass-Technik, die es selbst Anfängern ermöglicht, hochwertige Landschaftsbilder in Öl zu malen, erreichte ein Millionenpublikum. 40 Jahre später ist daraus ein Imperium entstanden. Die Folgen der 403-teiligen Sendereihe „The Joy of Painting“ laufen noch heute im Fernsehen. Die von Bob Ross® entwickelten Farben, Leinwände und Pinsel, Lehrvideos und -bücher werden über die Bob Ross Inc.® vertrieben und Künstlerinnen und Künstler können sich zu zertifizierten Mallehrern in der Landschafts-, Tier oder Blumenmalerei ausbilden lassen.

Andrea Christiane Spring ist eine von ihnen. Ihre Faszination für Bob Ross® stammt aus ihrer Jugend. „Ich bin morgens um fünf aus der Disko gekommen und hab den Fernseher angemacht und dann lief Bob Ross“, erinnert sich die freischaffende Künstlerin. „Plötzlich war dann noch mal eine Stunde rum, so sehr hat es mich fasziniert, wie er quasi aus dem Nichts auf einer weißen Leinwand eine Landschaft erschafft.“ Danach geriet Bob Ross® bei ihr eine lange Zeit in Vergessenheit. Erst 2014 im Urlaub an der Ostsee entdeckte sie den amerikanischen Kultkünstler wieder für sich. Ein Ferienmalkurs war Springs Initialzündung.

Andrea Christiane Spring malt eine Bob Ross® Landschaft in kürzester Zeit. (Foto: Melina Ruhr)

Von der Hobbymalerin zur Mallehrerin

„Das hat dort echt auf mich gewartet“, sagt sie heute. Nach zwei weiteren Ferienmalkursen fasste sie den Entschluss, sich zur CRI® (Certified Ross Instructor) zertifizierten Mallehrerin für die Nass-in-Nass-Ölmaltechnik nach Bob Ross® ausbilden zu lassen. 2016 belegte sie den ersten Kurs bei Angelika Weile, der einzigen Bob Ross® Teacher-Trainerin Deutschlands. 2017 folgten zwei weitere Kurse und eine Abschlussprüfung, bei der eine amerikanische Prüferin der Bob Ross Inc. anwesend war. Dabei wurde geprüft, ob Springs Niveau den Bob Ross® Standards entspricht. „In den Kursen arbeitet man sehr nah am Motiv, sehr streng mit der Technik. Jeder Handgriff muss sitzen. Egal, ob es das Aufnehmen der Farbe oder das Saubermachen des Pinsels ist“, fasst Spring die hohen Anforderungen zusammen.

Gezeichnet hat sie eigentlich schon immer. Dann kamen Aquarellbilder dazu, später versuchte sich Spring an Acryl. Doch so richtig anfreunden konnte sie sich mit den Techniken nicht. Erst die Nass-in-Nass-Technik bringt ihre Art zu malen auf den Punkt; gibt ihr die Freiheit, die sie für ihre Kreativität benötigt. Im Dachgeschoss ihrer Wohnung im Östlichen Ringgebiet richtete sie sich mit Maltisch und Staffelei ein erstes kleines Heimatelier ein. „Aber irgendwie war mir das dann doch nicht mehr genug“, erinnert sich Spring. Sie wollte nicht mehr alleine malen, sondern in Kontakt mit anderen Malbegeisterten kommen.

Hau-Ruck-Aktion 2018

Mitte 2018 beschloss sie, sich ihren Traum vom eigenen Atelier in geeigneten Räumlichkeiten zu erfüllen: „Warum immer an später denken? Warum sagen ‚ In zehn Jahren mache ich das mal, wenn ich in Rente gehe’?“ Ein halbes Jahr später, im Dezember 2018, eröffnete sie die Meermaid Art Atelier & Malschule in Rautheim. „Wenn ich raus nach Rautheim fahre ist allein das Herkommen schon ein Runterfahren für die Seele.“ In der ruhigen, dörflichen Gegend lenkt sie nichts ab. Der Unterschied zur schöpferischen Arbeit in der gewohnten Umgebung der heimischen vier Wände ist enorm. Der ehemalige Verkaufsraum einer alteingesessenen Bäckerei war das erste Objekt, das sie sich angesehen hat. Es hat sofort ‚klick’ gemacht. Die Dorflage überzeugt mit viel grün und einer ruhigen, offenen Umgebung. Seit über 30 Jahren lebt die 51-jährige Angestellte und freischaffende Künstlerin in Braunschweig und sie wusste: „Wenn ich es wirklich wahr mache, dann nicht zentral.“

Malen im Dorfidyll

Auch die Wertschätzung auf dem Dorf empfindet sie als sehr angenehm und sieht einen deutlichen Unterschied zur Stadtmitte. Die Leute sind interessiert an ihrer Kunst, sie kommen ins Atelier und unterhalten sich mit ihr. „Es ist fast ein bisschen wie Showpainting, wenn ich hier im Atelierschaufenster stehe und male“, schmunzelt Spring, „in Braunschweig würden zwar mehr Leute am Atelier vorbeilaufen, aber in der Alltagshektik würde wohl kaum jemand reinkommen und sich interessiert mit mir unterhalten.“ Die Idee, eine Malschule aus dem Atelier zu machen, stand bei ihrem Wunsch nach einem eigenen Raum zur kreativen Entfaltung nicht im Vordergrund. „Es lag dann einfach auf der Hand. Ein eigenes Atelier – wie wunderbar. Aber ich bin auch CRI® zertifizierte Mallehrerin, also wieso nicht beides miteinander verbinden? Ursprünglich habe ich die Weiterbildung nur für mich begonnen – ich wollte die Technik so beherrschen, dass ich irgendwann auch wieder weg von den Bob Ross® Bildern gehen kann und mehr meins machen kann“. Ihr Wunsch ist es, tief empfundene Bilder, nicht nur Landschaften, zu malen. Das hätte sie vorher, ohne die Technik zu erlernen, in dieser Tiefe nicht umsetzen können.

 

Kunst im Auge des Betrachters

Seine Fernsehshow und der Anspruch, in kürzester Zeit ein Kunstwerk zu fabrizieren, die bewusst schlichten Motive und seiner heute noch liebevoll anrührenden „Jeder kann malen“-Haltung, bescherten Bob Ross® einen speziellen Ruf. „Entweder man ist absoluter Fan, oder man sagt ‚ Naja, ist ja keine echte Kunst’“, bringt Spring die Kontroverse um den Amerikaner schmunzelnd auf den Punkt. „Mich fasziniert es, dass ich mit wenig Aufwand und einigen klassischen Malkenntnissen solche Bilder zustande bringen kann.“ Schon länger arbeitet Spring in Teilzeit, findet vier Tage Wochenende zwar schön, will aber mehr aus ihrer freien Zeit machen. Das Atelier war der erste Schritt in diese Richtung. Nebenberuflich bietet sie seit Eröffnung des Ateliers einmal im Monat auch Malkurse an. Binnen drei bis acht Stunden bringen ihre Malgäste ihr eigenes Kunstwerk auf die Leinwand. Niemand geht ohne ein fertiges Bild nach Hause. Dabei arbeiten die Kursteilnehmer grundsätzlich an dem Motiv, das Spring zuvor auf Basis eines Bob Ross® Werks erstellt hat. Während des Kurses malt sie das Bild dann Schritt für Schritt noch einmal vor. Die Teilnehmer schauen ihr bei jedem Schritt über die Schulter, gehen dann an die eigene Leinwand und setzen das Gesehene um. Gearbeitet wird dabei von oben nach unten und von hinten nach vorne. „Die Bilder von Bob Ross® sind, ganz ähnlich wie klassische Werke, meistens nach dem gleichen Schema aufgebaut. Hintergrund – Mittelgrund – Vordergrund. Daran halten wir uns“, so Spring. Die Grundierung bildet dabei das so genannte ‚liquid white’, ein Weißton, der zu Beginn auf die gesamte Leinwand gebracht wird. Der feuchte Untergrund ist das A und O bei der Nass-in-Nass-Technik. Insgesamt 14 Farben stehen in der Bob Ross® Mallehre zur Verfügung, die Zwischentöne werden aus diesen Farben gemischt. Auch das bringt Spring ihren Schülerinnen und Schülern bei.

Freude am Malen und raus aus dem Alltag

Gerade in ihren Kursen merkt Spring immer wieder, dass es sogar die beste Voraussetzung ist, keine Malereikenntnisse zu haben: „Du hast keine eigene Art, den Pinsel zu halten, du bist an keine Technik gewöhnt – Leute, die das letzte Mal in der Schulzeit einen Pinsel in der Hand hatten, gehen aus meinen Kursen oft mit größeren Erfolgen heraus. Ganz einfach, weil sie vorher nicht gedacht haben, dass sie wirklich ein solches Kunstwerk erschaffen können.“ Wie fasse ich den Pinsel an? Wie viel Farbe nehme ich auf, wie viel davon gebe ich auf die Leinwand? Mit welchem Pinsel entsteht welche Struktur? All diese technischen Fragen beantwortet die Künstlerin im Kurs. Dabei achtet sie aufmerksam auf die richtige technische Ausführung, damit das Bild gelingt. Außerdem geht sie geduldig und individuell auf jeden Malgast ein. Natürlich bleibt dabei immer noch genügend Raum für eigene kreative Ideen auf der Leinwand, soweit es das gewählte Motiv erlaubt. Springs Anspruch: Niemand soll unzufrieden mit seinem Ergebnis sein. Jeder soll mit Stolz und Freude auf das fertige Bild blicken können.

Sich selbst im Bild zu finden

„Aber wir wollen uns in diesen Stunden auch wirklich vom Alltag eine Auszeit nehmen und entspannt kreativ sein. Uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren und viel Freude am gemeinsamen Malen haben und natürlich zusammen Lachen können – manchmal auch über unsere ‚happy little accidents‘“, so Spring begeistert. Sie legt sehr viel wert darauf, dass ihre Malschüler sich einen Tag lang nur mit sich und dem was sie Erschaffen beschäftigen. Darum bittet sie ihre Schüler, die Smartphones auszuschalten, den Fokus auf den Moment zu legen und sich selbst im Bild zu finden. Genau das ist es, was die Malerei auch ihr gibt: Abschalten, den Alltag ausblenden und ganz bei sich selbst sein.

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