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Die Hühnerbande - Evangelische Stiftung Neuerkerode

  • Datum: 4. November 2019
  • Kommentare: 1
 (Bildrechte: Susanne Jasper)
Foto von Susanne Jasper
Susanne Jasper
Alle Beiträge (8)

Die Hühnerbande der Stiftung Neuerkerode bringt nicht nur Eier, sondern auch viel Freude und jede Menge Erkenntnisse ... Unsere Bloggerin Susanne Jasper hat sie in der Kindertagesstätte Peter und Paul besucht.

Auch Hühner lieben eine Siesta

Da wäre ich auch noch mal gerne Kind! Morgens mit den Kumpels von der Kitagruppe raus in den Garten unter den Kastanienbaum stürmen und den besten Platz auf dem Baumstamm vorm Hühnergehege sichern. Und dann gucken und staunen und vielleicht auch mal lauthals kichern, weil die Hühner so ulkig mit den Füßen über den Boden kratzen. Wie sonst nur Papa mit der Unkrautforke. Und wie hektisch die picken! Als gäbe es kein Morgen mehr.

Hühnerguck-Kino ist herrlich beruhigend

Das nennt man wohl Futterneid! Und wahrscheinlich ist das so ähnlich, wie wenn man mittags drei Nudeln weniger als auf dem Teller des Bruders vermutet und einen das hundsgemeine Gefühl überkommt, mal wieder zu kurz gekommen zu sein. Ob Hühner auch so ticken? Oder doch nur selig picken? Jetzt aber wieder beobachten und allenfalls die Tiere gackern lassen. Ach, herrlich beruhigend ist dieses Hühnerguck-Kino unter freiem Himmel. Da vergisst du glatt, dass dir einer aus der Käfergruppe gerade ein Sandförmchen gemopst hat und du mit der Flachsblonden eigentlich auch noch ein Hühnchen zu rupfen hättest ...

Wir sind natürlich nicht im Kino, sondern in der Evangelischen Kindertagesstätte Peter und Paul in Neuerkerode. Dort ist seit ein paar Tagen die Hühnerbande zu Gast. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Evangelischen Stiftung Neuerkerode für Schulen, Kindertagesstätten, Senioreneinrichtungen, Familien und Privatleute. Wochenweise kann man glückliche und gesunde Hühner inklusive Haus, Futter und Material mieten. Jede Menge hilfreiche Pflegehinweise gibt es gratis dazu. Mit dem mitgelieferten Steckzaun muss man eine ausreichend große Fläche im Garten abstecken. Der Preis ist von der Mietdauer abhängig, eine Woche kostet 85 Euro. Details regelt ein Mietvertrag. Und dann können beide Mietpartner auch schon loslegen!  

Auf diesem Holzstamm kann man herrlich hocken und die Hühner beobachten. Einfach umdrehen und los geht`s mit dem Hühnerguck-Kino. (Foto: Susanne Jasper)
Förderung und Spaß für alle

Eier werden nicht als 10er-Kartonware „geboren“

Für die Kinder ist es natürlich am tollsten, morgens mit einer Erzieherin die frisch gelegten Eier aus dem Häuschen zu holen und in die Küche zu tragen. Besser kann man wohl kaum begreifen, dass Eier nicht als 10er-Kartonware, gestapelt auf Paletten, aus dem Bauch eines Lastwagens „geboren“ werden.

Jens Wollenhaupt ist Chef der Hühnerbande. Er ist Wohnbereichsleiter in Neuerkerode und unter anderem für die Wohngruppe Burschenhof zuständig, in der 20 Bewohner von sechs Mitarbeitern betreut werden. 250 Hühner werden dort in nachhaltiger Tierhaltung bewirtschaftet. „Wir können also aus einem großen Pool schöpfen“, sagt Wollenhaupt lachend. Pro Auftrag werden maximal fünf Hühner der Rasse New Hampshire Legehybriden vermietet. Das sei ohnehin eine friedliche Rasse und hinzu komme freilich noch, „dass die Tiere bei uns ein echt schönes Leben haben“.

 

Jens Wollenhaupt ist der Chef der Hühnerbande. Hier zeigt er, wie vorsichtig man die Eier aus dem Hühnerhaus nehmen sollte. (Foto: Susanne Jasper)

Hühnerbande ist auch veterinärmedizinisch okay

Und damit es für die Hühner auf Reisen auch so schön bleibt, werden ihnen keine langen Transportwege zugemutet. Mal geht es nach Schliestedt ins Seniorenheim, wo die Frauen und Männer übrigens so begeistert von der Hühnerbande waren, dass sie sie nur schweren Herzens wieder ziehen ließen. Oder nach Wolfenbüttel zu Privatleuten. Alles um Umkreis. Das Mietprojekt ist auch von veterinärmedizinischer Seite abgesegnet.

Für Kinder ist dieses Projekt, das sich so unkompliziert in den Alltag einer Kita integrieren lässt, auch deshalb so wunderbar als Lebensmittel-Ergänzungsaspekt geeignet, weil sich auf diese Weise anschaulich und einfach erklären und erleben lässt, was an einem vermeintlichen 0815-Produkt wie einem Ei alles dran hängt. Nämlich ein ganzes Lebewesen! Das gern Rasen unter den Krallen hat, Futter aus dem Futterautomaten nimmt, sich aber auch gern mal auf Löwenzahn oder Karottengrün stürzt.

Ein Nickerchen zur Siestastunde schätzen Hühner übrigens -wie viele Menschen - auch. Regen meiden sie, und mangels Regenschirmalternative schätzen sie bei Sauwetter ebenso wie wir nachts ein Dach über dem Kopf. Und reinlich sollte das Haus auch sein.

Voraussetzung für das Mieten der Hühnerbande ist genügend Fläche zum Picken und Scharren. (Foto: Susanne Jasper)

Hühner fängt man mit Futter wieder ein

Manchmal müssen die Kinder erst lernen, dass Hühner keine Kuscheltiere sind. Und wenn mal eines abhaut? „Da gibt es Tricks“, sagt Wollenhaupt. Futter zieht eigentlich immer. Da unterscheiden sich störrische Kinder nur marginal von in die Ferne strebenden Hühnern. Bisher sei jedenfalls noch jeder Ausreißer wieder heimgekehrt.

Ich wäre auch zu gern dabei gewesen, als die ersten Eier in Kochtopf oder Pfanne und hernach in vielfältigsten Varianten auf dem Frühstückstisch landeten. Das wurde bestimmt zelebriert wie ein Festmahl, denn die fünf Eierproduzenten da draußen haben sich auch ordentlich ins Zeug gelegt. 200 bis 250 Eier schenkt ein Huhn pro Jahr seinem Besitzer. Diese Nahrungsproduktion gilt es wertzuschätzen indem man das Produkt bestens zubereitet. Da wäre ich gern noch mal Kind gewesen . . .

... und da waren es schon zwei Eier! (Foto: Susanne Jasper)

Evangelische Stiftung Neuerkerode

Kastanienweg 3
38173 Sickte-Neuerkerode