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Kistenweise frisches Gemüse – Ein neuer Service der Evangelischen Stiftung

  • Datum: 29. November 2021
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Eine Frau hält zwei Kohlrabi neben ihren Kopf. (Bildrechte: Meike Buck)
Foto von Meike Buck
Meike Buck
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Frische Lebensmittel per Bringdienst, regional und in Bio-Qualität!? Schon immer hat die Evangelische Stiftung Neuerkerode Gemüse angebaut, doch nun bietet die Tagesförderung der Wohnen und Betreuen GmbH seit Sommer 2021 einen Gemüsekiste-Service an. Rund 600 Kilogramm verkauft sie inzwischen jeden Monat an Mitarbeitende, Bürgerinnen und Bürger und andere Interessenten. Ich bin in Neuerkerode verabredet, um mir den Herkunftsort des Gemüses anzusehen.

Mitten im inklusiven Dorf Neuerkerode wachsen Kohl und Salat, Kartoffeln und Tomaten. Dazwischen gackert ein Huhn. Was nach Bauernhofidylle aussieht, bietet Menschen mit Behinderung eine abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeit.

Anbau mitten im Dorf

Die Idee, Gemüse anzubauen und zu verkaufen, hatte Daniela Albrecht schon länger, seit diesem Sommer gibt es das Projekt „Gemüsekiste“ in Neuerkerode.
Seit zwölf Jahren leitet die Gärtnerin den Bereich Natur und Umwelt in der Tagesförderung der Wohnen und Betreuen GmbH. „Jedes Angebot, das wir für Bürgerinnen und Bürger machen, sollte einen Mehrwert für die Beschäftigten bieten“, findet sie. Gemüse anbauen und ernten sei ideal. „Sie können dabei sehen, wie das Gemüse im Jahresverlauf wächst und welche Auswirkungen das Wetter auf die Natur hat, sie können die Jahreszeiten leben und lernen.“

Auch wenn das Gemüse nicht offiziell als aus biologischem Anbau zertifiziert ist, setzt sie keine Pestizide oder chemische Düngemittel ein. Das Gemüse wird je nach Saison angebaut, dazu gehören auch verschiedene Sorten Gurken – die ganz ohne „EU-Gurkenverordnung“ auch krumm wachsen dürfen.

Eine Frau hält zwei Kohlrabi neben ihren Kopf.
Lena Kamann hat die Kohlrabi gewaschen und die Blätter entfernt. (Foto: Meike Buck)

„Niemand guckt nur zu“

Lena Kamann hat heute die Kohlrabis gewaschen und das Grün entfernt. Nun liegen sie ordentlich in einer Kiste, daneben Brokkoli, Grünkohl, Kartoffeln und Walnüsse in Papiertüten verpackt.
Peter Marchetti hat die Tüten einzeln gewogen, damit in jeder die gleiche Menge Gemüse landet. Jetzt nimmt er einen Karton und packt von jeder Gemüsesorte etwas ein.
Gruppenleiterin Albrecht hat eine Liste geschrieben, was diese Woche versendet werden soll. Dann gibt Marchetti die Kiste an sie und Melanie Sturm weiter, die sie verschließen und mit einem Aufkleber versehen: „Regionales Gemüse“.

Immerhin 37 Beschäftige sind im Gartenbereich der Tagesförderung tätig, dazu zehn Mitarbeitende und ein Lehrling. Daniela Albrecht achtet darauf, dass jeder nach seinen Möglichkeiten eingesetzt wird. Wer eher Ruhe braucht beim Arbeiten, ist auf dem Feld tätig, wer lieber mit anderen zusammenarbeitet, packt etwa die Gemüsekisten. „Niemand guckt nur zu“, versichert sie.
Zudem wird die Arbeit aufgeteilt, jeder kümmert sich um einen Bereich, zum Beispiel das Aussähen, Pikieren oder Waschen. Nur bei der Ernte helfen alle mit.
Und am Ende funktioniert es nur, wenn alle gemeinsam im Team arbeiten und jede und jeder ihren und seinen Teil dazu beiträgt.

Gelebte Vielfalt

32 verschiedene Gemüsesorten

Salat, Kohl, Rüben, Brokkoli, Tomaten, Gurken, Kartoffeln – 32 verschiedene Gemüsesorten hat Daniela Albrecht mit ihrem Team dieses Jahr angebaut, von der Aussaat bis zur Ernte.
Dabei legt sie Wert darauf, dass keine neu gezüchteten Sorten dabei sind, lieber mag sie alte Sorten. So kommt es, dass die Kunden in ihren Kisten auch mal Schwarzwurzeln, Pastinaken oder Steckrüben finden.

„Wir bekamen tatsächlich Anrufe von Käufern, die das Gemüse nicht kannten und fragten, was das denn sei und was man damit zubereiten könne“, erzählt sie.
Sie freut sich sehr über Nachfragen und den Austausch mit den Kunden, denn Wissen über alte Sorten zu vermitteln und so zu ihrem Erhalt beizutragen, ist ihr ein großes Anliegen.
Auch beim Anbau arbeitet sie nach der traditionellen Methode der Vier-Felder-Wirtschaft: Jedes vierte Feld liegt brach und wird erst im folgenden Jahr wieder bebaut. Der Kompost zum Düngen wird in einer eigenen Kompostwirtschaft hergestellt. Auf dem Feld steht jetzt im November noch Grünkohl und etwas Mangold, im Folienhaus entdecke ich Feldsalat.

Bis zu fünf Kilo in einem Karton

Jeden 1. und 15. des Monats ist Erntetag – egal, wie das Wetter ist. „Diesen Sommer hat es fast zu jeder Ernte geregnet“, seufzt Daniela Albrecht.
Zwischen einer und sechs Wochen hat das Gemüse dann auf dem Feld oder im Folienhaus gestanden. Nach der Ernte werden zunächst die Kisten gepackt und verschickt, damit das Gemüse möglichst frisch bei den Kunden ankommt – bis zu fünf Kilogramm Gemüse wandern in einen Karton.

Dann folgen die Kisten für die Mitarbeiter der Stiftung und die Dorfbewohner, die direkt in der Gärtnerei oder am Stand an der Schöppenstedter Straße abgeholt werden können. Dort gibt es auch ein Pfandsystem, bei dem die leeren Kisten abgegeben und beim nächsten Mal wieder neu gefüllt werden. Anfang November wurde die letzte Kiste für dieses Jahr gepackt, nach einer Winterpause soll es im Februar weitergehen.

Hühner, Insekten und der ökologische Kreislauf

Im Sommer hatte die Stiftung 60 Kisten-Abonnementen, 120 Kisten wurden insgesamt jeden Monat gepackt. Damit war das Team gut beschäftigt, auch auf den zur Verfügung stehenden Flächen lässt sich nicht noch mehr Gemüse anbauen.
Doch fertig ist Daniela Albrecht mit dem Projekt noch lange nicht.

Auf der Wiese zeigt sie uns eine Art Wagen: Seit einigen Wochen steht hier das neue Hühnermobil und wartet auf seine gackernden Bewohnerinnen. Im nächsten Jahr sollen – so der Plan – auch frische Eier angeboten werden. Außerdem träumt sie von Kleemulch zum Düngen und als Wärmedämmung für die Beete, ein Gewächshaus mit Heizung gibt es hier nicht.
Und zur Schädlingsbekämpfung setzt sie Insekten ein.

Beim Anbau auf den ökologischen Kreislauf, auf Nachhaltigkeit und biologisch abbaubare Produkte zu achten, ist für sie ein entscheidender Teil des Konzeptes. „In der Landwirtschaft ist der Klimawandel deutlich zu sehen. Dagegen kann jeder etwas tun – und das geht auch im Kleinen, auch hier in Neuerkerode.“

Neugierig? Informationen für die Bestellung

Die Kiste kann ab dem Frühjahr 2022 wieder als Abonnement per E-Mail unter tgf-blumenladen@neuerkerode.de oder im Onlineshop www.esn-manufaktur.de bestellt werden.

Das Abo beinhaltet zwei Lieferungen (im Onlineshop) oder jeweils einzelne Abholungen (Straßenverkaufsstand Neuerkerode) pro Monat.
Eine Zusatzbestellung, etwa mit Kartoffeln, Äpfeln, Wurst und Eiern (Eier nur in Direktabholung) ist möglich.

Der Preis beträgt 15 Euro bei Direktabholung am Straßenverkauf Neuerkerode. Bei Bestellung unter www.esn-manufaktur.de wird die Gemüsekiste zweimal pro Monat geliefert – direkt bis zur Haustür.
Der Kaufpreis von 36 Euro zzgl. 5,99 Euro Versand beinhaltet zwei Lieferungen der Gemüsekisten.
Der Vorverkauf startet jeweils zum ersten des Monats für den Folgemonat.