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Warum für Braunschweigs höchstes Bürohaus viel Fingerspitzengefühl vonnöten ist

  • Datum: 20.12.2016
Foto von Stefan Freydank
Stefan Freydank
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Vor etwa einem Jahr hielten am Willy-Brandt-Platz Umzugswagen vor Braunschweigs höchstem Bürohaus und die ersten Mitarbeiter richteten ihre Räume ein. Was hält so ein Neubau an technischen Besonderheiten bereit? Ich treffe René Pflugmacher, Geschäftsführer der BraWoPark Business Center II GmbH, um mehr über die Finessen des imposanten Baus zu erfahren.

Als Erstes erfahre ich, dass der Ausbau des Gebäudes in mehreren Stufen erfolgt. Von den insgesamt 19 Stockwerken befinden sich aktuell die Etagen 12 bis 17 noch im Ausbau.

Hoch hinaus zum Restaurant

Allein schon die Höhe des Gebäudes birgt ein paar technische Herausforderungen. „Beispielsweise würde der Druck der städtischen Wasserleitungen uns nur bis in die siebte Etage versorgen, daher arbeiten wir mit mehreren Druckstufen, damit wir auch im Restaurant mit Blick über die Stadt noch Essen zubereiten können“, erläutert Pflugmacher.

Apropos Restaurant: Die Entscheidung, welche Gastronomie die Besucher im 600 Quadratmeter große Restaurant und auf der 250 Quadratmeter Dachterrasse verwöhnen wird, steht noch aus.

Die Kunst der Temperaturregelung

Ist das Gebäude erst fertiggestellt und komplett belegt, könnten dort bis zu 1.000 Menschen ihren Arbeitsplatz haben. Bis dahin muss noch viel Fingerspitzengefühl bei der Einstellung der Be- und Entlüftungsanlage bewiesen werden. Denn die Heizung beziehungsweise Kühlung ist ein komplexes System.

Sie wird durch eine sogenannte Betonkernaktivierung realisiert. Dabei fließt warmes oder kaltes Wasser durch Kunststoffschläuche in den Betondecken, ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung. Die Temperaturen der Betonkreise sind etagenweise regelbar. Zudem können in jedem Büro kleinere Temperaturänderungen über ein Thermostat eingestellt werden.

„Neulich haben wir einen Regler in die falsche Richtung gedreht“, erzählt der Geschäftsführer. Da die Betonkernaktivierung nur sehr träge reagiere, hätte es ein bisschen gedauert, bis der Sollzustand wieder erreicht gewesen sei. Das aber gehöre in der Einregelierungsphase dazu.

Wohlfühltemperatur erreicht

Ob es zu warm oder zu kalt oder gerade richtig ist, zeigen Temperaturfühler an unterschiedlichen Stellen des Gebäudes. „Und natürlich erhalten wir von den Kolleginnen und Kollegen regelmäßig eine Rückmeldung“, sagt Pflugmacher. Die Zufriedenheit liege in der Regel über 85 Prozent. „Ein sehr guter Wert“, betont er.

Das Ganze sei aber erst ein Zwischenstand, denn um ausreichend Erfahrungswerte mit der Haustechnik zu sammeln, braucht es immer einen Sommer und einen Winter. „Und da wir im kommenden Jahr mehr Mieter im Haus haben werden, werden wir wohl wieder von vorn anfangen müssen“, freut sich Pflugmacher auf die weiteren Experimente.

Stoßlüftung durchs Fenster ist in dem modernen Gebäude übrigens nicht möglich. Stattdessen strömt frische Luft durch Lüftungsklappen in der Fassade in das Gebäude. Die gelochten Streifen haben also nicht nur einen dekorativen Hintergrund.

Acht Zylinder für Notfallstrom

Auch die Stromversorgung ist in dem hohen Bürogebäude nicht so einfach wie in einem Einfamilienhaus, denn es muss für potenzielle Ausfälle vorgesorgt werden. Elektrizität für die Fluchtwege und andere sicherheitsrelevante Bereiche muss stets vorhanden sein. Dafür sorgt ein Notstromaggregat im Keller, ein Achtzylinder-Dieselmotor, der auch einen Lkw antreiben könnte.

Techniker Carsten Ruth am Notstromdiesel – Foto: Stefan Freydank

Das beruhigt doch sehr. Ich freue mich also auf das Restaurant im kommenden Jahr und werde dann die Panoramasicht über Braunschweig genießen – und mich dann auch ein bisschen auf das Fingerspitzengefühl des Geschäftsführers und seiner Haustechnik verlassen …

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