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Töne aus dem All – Wie Manuel Senfft einen Kometen zum Singen brachte

  • Datum: 04.01.2017
Foto von Andrea Hoferichter
Andrea Hoferichter
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Manuel Senfft macht einen durchaus geerdeten Eindruck, und das obwohl er in den letzten Jahren häufig im All unterwegs war, zumindest in Gedanken. Der Komponist und Sounddesigner aus Wolfenbüttel übersetzte magnetische Messdaten von der Weltraumsonde Rosetta in einen 3-D-Sound und brachte so den Kometen Tschuri zum „Singen“.

Mehr als fünf Millionen Klicks

Das akustische Stück aus dem Weltraum erinnert ein bisschen an den Hummelflug von Nikolai Rimski-Korsakow und erregte weltweit Aufsehen. Es wurde im Kontrollzentrum der europäischen Weltraumbehörde ESA uraufgeführt und im Internet mehr als fünf Millionen Mal aufgerufen.

Was schwingt denn da?

Die Daten für den Kometen-Sound stammen von streichholzschachtelkleinen Magnetometern der Technischen Universität (TU) Braunschweig. „Natürlich gibt es auf dem Kometen keinen Klang, wie wir ihn kennen“, räumt der Initiator der Aktion, der TU-Professor Karl-Heinz Glaßmeier, ein. Statt Schallwellen schwingen hier Magnetfelder. Sie tun dies viel langsamer und sind deshalb – ohne Senffts Übersetzung – für das menschliche Ohr nicht hörbar.

Die Magnetfelder zu messen, ist eine Herausforderung. Denn sie sind sehr schwach, millionenmal schwächer als zum Beispiel ein Magnet für die Kühlschranktür. Die Magnetometer der Braunschweiger Forscher sind deshalb kleine Hightech-Kunstwerke.

 

Weltweit beachtete Daten

Die Magnetfeldmessungen sorgten nicht nur für ein einzigartiges akustisches Erlebnis. Sie waren auch eine Weltpremiere. Denn niemals zuvor wurden Magnetfelder an einem Kometen über einen so langen Zeitraum detektiert. Die Messungen halfen außerdem dabei, die Landung des Roboters Philae zu rekonstruieren und bei seiner Suche, als dieser zwischenzeitlich verschollen war.

Erste Ergebnisse der Mission haben die Forscher schon in renommierten Fachblättern veröffentlicht. Die Datenflut komplett auszuwerten, werde aber noch dauern, berichtet Glaßmeier: „Damit werden wir sicher noch 20 bis 30 Jahre beschäftigt sein.“

Manuel Senfft übrigens widmet sich längst wieder irdischen Herausforderungen. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt und Zeit ein knappes Gut, erzählt er. Mit Tönen aus dem Weltall werde er, zumindest in absehbarer Zeit, nichts mehr zu tun haben.

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