Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht

Die rasende Hornisse – mit dem Elektroboard durch Wolfsburg

  • Datum: 04.05.2017
Foto von Ingo Bartels
Ingo Bartels
Alle Beiträge (13)

Es ist 17:00 Uhr und Sascha Mattiza öffnet das Tor zu seiner Garage in der Hubertusstraße in Wolfsburgs Nordstadt. Eine chaotische Welt mit 3-D-Drucker, allerlei Zubehör und einigen E-Longboards öffnet sich. Er kommt gerade von seinem Hauptberuf. Er ist bei Volkswagen als Softwareentwickler tätig und tüftelt in seiner Freizeit am schnellsten Elektroboard der Welt.

Schüler tüfteln gemeinsam am Hornetboard

Keine fünf Minuten vergehen und ein junger Skater, Jason kommt auf seinem Penny Board angefahren, um Sascha Mattiza zu unterstützen. Er bringt auf der 3. Version des elektrobetriebenen Longboards das Hornetboard-Logo und Griptape an. Neben Jason kommen regelmäßig noch weitere junge Skater, die zur Schule gehen, in die Nordstadt, um mit ihm zu tüfteln und rasante Testfahrten durchzuführen, damit die Boards stetig weiterentwickelt werden können. Kennengelernt hat er die Jugendlichen im Skatepark im Allerpark Wolfsburg. Der 16-jährige kann es am Tag meines Besuches kaum erwarten, auf dem Board zu stehen und loszudüsen. Während es in der Hubertusstraße nur in der Einfahrt zur Garage und auf dem Bürgersteig geht, wartet er darauf, die Strecke zu wechseln, denn „heute möchte ich 60 km/h fahren“.

Softwareentwickler Sascha Mattiza bastelt am schnellsten Elektroboard der Welt – Foto: Ingo Bartels

Das Hornetboard soll zur Marktreife gebracht werden

Wenn man Sascha Mattiza reden hört, ist er in seinem Element und in seiner Fachsprache. Zuerst erklärt er mir seine neueste – die dritte – Version: Es kommt mit zwei Motoren und ist um 20 Zentimeter kürzer. Dadurch spart der 37-Jährige nicht nur Materialkosten, sondern man kriegt das Board auch in den Kofferraum. „Das ist wichtig, um es marktreif zu kriegen, denn die Fahrer müssen es transportieren können“, erklärt der Erfinder einen Kaufaspekt seines Boards. Es bietet zudem einen sicheren und breiten Stand, was wichtig für die Beschleunigung ist. Für die Reifen hat er seinen 3-D-Drucker genutzt. Auf die Frage, was der gekostet hat, sagt er ganz trocken „5.000 Euro, aber ich habe ihn selbst gebaut.“

Der Erfinder ist eben ein Multitalent, auch wenn seine Garage eher vermuten lässt, dass er ein Chaot ist. „Es ist bei mir wie bei den Ludolfs. Ich finde jedes Teil wieder“, sagt er dann lachend. Für die Reifen hat er „PU“ mit einer Negativform gegossen. PU sagt man im Sprachgebrauch für Polyurethane, ein Kunststoff, der aus der Polyadditionsreaktion von Dialkoholen entsteht. Die Felge hat er in acht Stunden am 3-D-Drucker ausgedruckt bei 100%iger Druckgeschwindigkeit. In den vorderen Reifen befinden sich übrigens die beiden Motoren. Die Radkappen kommen jetzt mit Lüfter, um die Motoren besser zu kühlen. Mittlerweile hat er auch ein Unternehmen gefunden, das ihm die ersten 200 Boards in Serie produzieren wird. „Das Modell liegt dann bei ca. 800 Euro,“ sagt er sichtlich stolz, denn es war ein weiter Weg bis zur ersten Produktionsreihe in industrieller Qualität. „Baue ich das Board selbst in meiner Garage, dann liegt es preislich bei 1.300 Euro“, erklärt Mattiza den großen Vorteil einer Produktion in China.

Hornetboards MR Sascha Mattiza / MEINE-REGION.de

Bis zu 120 km/h Topspeed

In seiner Garage steht noch ein ganz besonderes Board. Es hat eine Akkubox mit den Akkus und Reglern für die Motoren auf dem Trittbrett und sieht aus wie ein Gerät von Daniel Düsentrieb. „Mit dem Board möchte ich den Weltrekord brechen und 120 km/h fahren“, sagt Mattiza und ergänzt, „mit den 20 kW drehen die Reifen sogar auf dem Asphalt durch!“ Jason steigt auf das Brett und dreht ein paar Runden ganz locker mit der einen Hand in der Tasche und der anderen am Schalter, mit dem er die Geschwindigkeit reguliert.

Da ich selbst kein Skateboarder bin, sind meine Fahrten eher holprig. Das „Gaspedal“ hat einen Spielraum von 5 Millimetern, um von 0 auf 27 km/h zu beschleunigen. Da geht das Board schon mal unter den Füßen weg. Ich mache ein paar kurze Fahrten und überlasse es lieber den Profis. Lange Fahrten sind rund um die Garage allerdings nicht möglich, weswegen Jason gern auf die Teststrecke düsen möchte. Diese befindet sich am „Promilleweg“, der Verlängerung der Schulenburgallee Richtung Vorsfelde, die jeder Wolfsburger eigentlich nur unter dem Spitznamen kennt.

Zum Ende des Interviews lasse ich die beiden losziehen zur intensiven Testfahrt, für die Jason den Schutzanzug anziehen muss. Um 22:00 Uhr schickt mir Sascha Mattiza noch eine WhatsApp, dass sie die 60 km/h geschafft haben. Der begeisterte Longboarder ist auf dem richtigen Weg. Dafür benötigt er allerdings Unterstützung. Diese erhofft er sich in Form seiner Crowdfunding Kampagne.

0 Kommentare

Kommentieren