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Spielen, lernen und entdecken: Besuch auf dem Abenteuerspielplatz Melverode

  • Datum: 12.06.2017
Foto von Mariel Reichard
Mariel Reichard
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Auf dem Weg zum Abenteuerspielplatz Melverode überlege ich, was mich dort wohl erwartet. Ein Spielplatz wie jeder andere wird es schon nicht sein, aber was macht ihn so besonders? Was gibt es hier zu entdecken?

Ich wende mich von der Hauptverkehrsstraße ab – frage mich noch, wo hier bitte ein Spielplatz sein soll – und stehe auf einmal vor ganz viel Grün. Ich folge dem Pfad, der mir den Weg zum Spielplatz weist und sehe schon bald viele Spielgeräte und direkt vor mir ein hübsches blaues Haus. Dort erwartet mich die Leiterin Evelyn Simson, die mir die Besonderheiten des Spielplatzes näherbringt.

Ein kleiner Ausschnitt des Spielplatzes – Foto: Mariel Reichard

14.000 Quadratmeter zum Toben, Lachen und Spaßhaben

Auf einem riesigen Gelände gibt es für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren die unterschiedlichsten Möglichkeiten sich auszuprobieren. Man kann Hütten und Staudämme bauen, am Lagerfeuer sitzen, auf Tiere aufpassen oder auch einfach nur im Matsch spielen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Dabei gibt es immer Menschen, die ein Auge auf die Kinder haben. Dazu gehören sowohl die beiden hauptamtlichen Mitarbeiter, Evelyn und Boris, als auch viele Ehrenamtliche, die besonders in den Ferien gern ihre Zeit auf dem Spielplatz verbringen.

Evelyn Simson, Leiterin des Abenteuerspielplatzes – Foto: Mariel Reichard

Verantwortung übernehmen lernen durch tiergestützte Pädagogik

Ein besonderes Highlight des Spielplatzes ist der Tierbereich. Hier tummeln sich Ziegen, Hühner, Enten, Kaninchen, Meerschweinchen und die Katze Mietzefee. Viele Kinder haben zu Hause keine eigenen Tiere, weil nicht genug Platz ist oder Familienmitglieder Allergien haben. Hier auf dem Spielplatz finden sie einen großartigen Ausgleich, indem sie die Verantwortung für eines der Tiere übernehmen können.

Diese Ziege lebt im Tierhaus des Spielplatzes – Foto: Mariel Reichard

Das bedeutet viel Spaß, aber auch viel Arbeit, denn die Tiere müssen gefüttert und gewogen werden und natürlich ist auch der Stall regelmäßig auszumisten. All das liegt in der Verantwortung der Kinder. Sie lernen viel über den Umgang mit Tieren und auch das Trauern wird ihnen hier nähergebracht. Wenn eines ihrer geliebten Tiere über die Regenbogenbrücke geht, können sie es auf dem Tierfriedhof begraben und die Stelle jederzeit besuchen.

Trauern will gelernt sein, deshalb gibt es auf dem Spielplatz auch einen kleinen Tierfriedhof – Foto: Mariel Reichard

In erster Linie ist der Tierbereich jedoch ein Ort zum Liebhaben und Zuneigung-Entwickeln. Ein Ort, an dem Kinder dem Alltag entfliehen können, um sich mit Hingabe um ihre Schützlinge zu kümmern.

Demokratie und Mitbestimmung von Anfang an

In demokratischen Gesellschaften sind Diskussionsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit nötig. Auf dem Abenteuerspielplatz wird den Kindern das Werkzeug dazu mitgegeben. Viermal im Jahr und täglich in den Ferien finden Spielplatzversammlungen statt. Hier können die Kinder ganz frei ihre Meinung äußern: Was stört sie? Was finden sie toll? Und vor allem: Was möchten sie verändern? Sie lernen hier im Kleinen, was Demokratie bedeutet, dass sie etwas bewirken können und dass ihre Stimme zählt. Dazu gehört auch, mal einstecken zu müssen, wenn man überstimmt wird.

Die Idee stammt ebenso wie der Spielplatz aus den 1970er-Jahren. Ich denke sofort an die 68er-Bewegung und Flower-Power und so falsch ist das auch gar nicht. Evelyn erzählt mir, dass es damals eine regelrechte Spielplatz-Bewegung gab. Man wollte in der Kindererziehung andere Schwerpunkte setzen und Mitbestimmung stand dabei an oberster Stelle. Kinder sollten nicht in starren Strukturen stecken, sondern sich frei bewegen können und eigene Ideen entwickeln. Der Abenteuerspielplatz Melverode existiert mittlerweile seit 43 Jahren, 40 davon hat Evelyn erst als Angestellte, später dann als Leiterin miterlebt. Sie zeigt mir ein altes Foto, auf dem spielende Kinder zu sehen sind. Auf eines davon deutet sie und erzählt mir, dass es ihr Patenkind sei. „Sie ist heute über 30“, sagt sie und lacht.

Im Einklang mit der Natur

Auch auf die vielen Grünflächen, die mir zu Beginn aufgefallen sind, geht Evelyn ein. Die Kinder haben auf dem Spielplatz die Möglichkeit, mit allen Elementen in Berührung zu kommen. Sie können am Lagerfeuer sitzen, das jeden Mittwoch angezündet wird, sich mit viel Wasser eigene Staudämme bauen, im Wald spielen und vor allem an der frischen Luft sein. Sie lernen viele der Pflanzen kennen, die dort wachsen und wie man sie verwenden kann. Oft finden Kochaktionen statt, bei denen Zutaten vom Spielplatzgelände verwendet werden, wie zum Beispiel Holunder.

Was es in der Natur nicht alles zu finden gibt … – Foto: Mariel Reichard

Viele Kinder haben sehr ausgefüllte Wochen, in denen oft jeder Nachmittag verplant ist. Auf dem Spielplatz steht ihnen frei, was sie heute machen wollen. Sie können ganz eigenständig herausfinden, welche Aktivitäten ihnen Freude bereiten.

Der Abenteuerspielplatz Melverode: inklusiv und facettenreich

Mein Besuch auf dem Spielplatz hat mir gezeigt: Hier ist wirklich für jedes Kind etwas dabei. Das barrierefreie Gelände eignet sich auch für Kinder im Rollstuhl. Sie lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich gegenseitig zu helfen. Vor allem allerdings lernen sie, dass sie selbst etwas bewirken können. Als ich Evelyn zum Schluss frage, was ihr an „ihrem“ Spielplatz am meisten gefällt, antwortet sie: „Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, wie Kinder ihre ersten Erfolge erleben. Egal, wie krumm und schief eine Hütte geworden ist, sie haben sie selbst gebaut – und nur das zählt.“

Selbst gestaltet: der Eingang zum Tierhaus – Foto: Mariel Reichard

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