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Fetter Sound aus dem Oberharz: Gerald Marleaux baut weltklasse-E-Bässe

  • Datum: 13.07.2017
Foto von Klaus Sievers
Klaus Sievers
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Fetter Sound mit Harzer Hölzern. Gerald Marleaux macht’s möglich. Er baut in seiner kleinen, aber feinen Manufaktur in Clausthal-Zellerfeld elektrische Bassgitarren der Spitzenklasse – alles in Handarbeit, mit viel Sorgfalt und Liebe fürs Detail, mit starkem Gespür für den perfekten Klang. Bekannte Jazz- und Rockmusiker in aller Welt spielen seine Instrumente.

Eigene Holzmarke

Ich habe Marleaux in seiner Werkstatt besucht, die sich in einem alten Holzhaus in einer stillen Nebenstraße in Clausthal-Zellerfeld befindet. Er hat inzwischen seine eigene Marke „Region Tone Wood“ gestartet, die „Musikholz“ auch an andere Hersteller verkauft. Marleaux geht mit Förstern in die Harzer Wälder und sucht die passenden Bäume aus. In Clausthal-Zellerfeld hat er inzwischen ein eigenes Lager, in dem stets 60 bis 70 Stämme einige Jahre gelagert und getrocknet werden.

Marleaux arbeitet mit Hölzern aus den heimischen Wäldern, mit Ahorn und Esche, mit Erle oder Birke. Er verzichtet auf klassische Tropenhölzer wie Palisander oder Ebenholz. „Wir erreichen mit unseren heimischen Hölzern beste Klangqualitäten“, erklärt mir Marleaux in einem Gespräch und verweist auf die großen italienischen Geigenbauer aus Cremona, die vor mehr als 300 Jahren nur Holz aus ihrer Heimatregion verwendeten.

Schon mehrere Preise gewonnen

Marleaux gehört sicher nicht zu den größten der rund 30 Hersteller von E-Bässen in Deutschland – er zählt aber zur internationalen Spitze. Warum sitzt so einer im beschaulichen Oberharz, abseits der musikalischen Metropolen, in denen er mit seinen Instrumenten große Erfolge feiert? „Das ist für mich kein Widerspruch“, meint Marleaux: „Es ist eher ein Vorteil. Ich bin hier aufgewachsen und hier kann ich in Ruhe und voll Konzentration arbeiten, um etwas Besonderes zu schaffen.“ Er hat für seine Instrumente schon mehrere Preise gewonnen – etwa auf der Musik-Messe in Los Angeles, der größten Branchenschau der Welt. In diesem Jahr erhielt er den Deutschen Musikinstrumentenpreis. Marleaux: „Das ist in meiner Branche so etwas wie der Adelsschlag.“

Bekannte Jazz- und Rockmusiker spielen eine „Marleaux“

Zu seinen Kunden zählen viele Musiker, die in der Jazz- und Rockszene einen Namen haben, der breiten Öffentlichkeit aber gar nicht so bekannt sind. „Das ist das Leid der Bassgitarristen“, meint Marleaux ironisch: „Sie halten zwar eine Band musikalisch zusammen, stehen aber meist im Hintergrund. Es sind andere Typen als Gitarristen oder Sänger. Sie ruhen in sich, sind eher zurückhaltend, brauchen nicht die Show.“ Dabei ist die Liste der Bands und Gruppen, für die Musiker mit einer „Marleaux“ gespielt haben oder noch spielen, sehr eindrucksvoll: Da stehen Namen wie Miles Davis, Prince, Santana, Al di Meola, Curtis Mayfield, Ray Charles oder Alicia Keys. In Deutschland sind es beispielsweise Udo Lindenberg oder die Jazz-Größen Klaus Doldinger, Joachim Kühn oder Wolfgang Dauner. Und einige wirklich große internatioale Namen darf Marleaux nicht nennen: Die spielen zwar in Konzerten auch seine E-Bässe, sind aber vertraglich an große Hersteller wie Fender gebunden.

Marleaux BassGuitars

Maßgeschneiderter E-Bass für 12.000 Euro

Gibt es einen speziellen „Marleaux-Sound“? „Es ist weniger ein Sound als ein spezieller Stil“, antwortet Marleaux und erklärt das so: „Es ist die Leichtigkeit, mit der meine Bässe gehandelt und gespielt werden können. Es ist vor allem die perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenstellung mehrerer guter Komponenten.“ Dafür habe er ein besonderes Talent, ein glückliches Händchen und ein feines Gespür für die jeweils richtige Kombination sowie 28 Jahre Erfahrung. Zudem habe er selbst einige Jahre in kleineren Bands E-Bass gespielt.

Marleaux bietet derzeit zehn verschiedene Bass-Grundmodelle an, die je nach verwendeten Hölzern, technischer Ausstattung oder Design zu Hunderten von Varianten konfiguriert werden können. So kann jeder Kunde seinen individuellen E-Bass bekommen. Marleaux trifft seine Kunden auf Messen oder Musikveranstaltungen. Er arbeitet nicht nur für Musiker direkt, sondern auch für Händler in zwölf Ländern, von Japan bis in die USA. Die Preise für die Spitzeninstrumente aus dem Oberharz schwanken zwischen 2.500 und 12.000 Euro.

Neu: eine Mischung aus Violine und Bass

Manche Kunden kommen auch nach Clausthal-Zellerfeld, um sich direkt in der Werkstatt eine Bassgitarre maßschneidern zu lassen. Gemeinsam mit dem deutschen Jazz-Bassisten Jürgen Attig hat Marleaux eine neue halbakustische Bassgitarre entwickelt, eine avantgardistische Mischung aus Violine und E-Bass. „Ich war zunächst skeptisch, ob das funktioniert“, erzählt Marleaux. Das Ergebnis sei aber überzeugend, die Klangqualität „noch eine Klasse“ besser als beim normalen E-Bass. Das neue Instrument verkaufe sich inzwischen sehr gut, errege viel Aufmerksamkeit. Beispielsweise sei der einzige Nicht-Trommler in der Truppe des Percussion-Stars Martin Grubinger, der derzeit für Furore sorgt, der Bassist Heiko Jung und der spielt die neue „Marleaux“.

50 Arbeitsstunden für Maßanfertigung

In der Manufaktur stellt Marleaux mit seinen vier Mitarbeitern jährlich nur 160 Instrumente her. Er arbeitet ausschließlich auf Bestellung. Für jedes Instrument werden bis zu 50 Arbeitsstunden benötigt. Das Holz beschafft sich Marleaux weitgehend selbst vor der Haustür, Zubehörteile wie Saiten oder Elektronik lässt er – teilweise nach genauen Vorgaben – bei Spezialbetrieben fertigen.

Je nach Wunsch oder Anforderung des Kunden werden verschiedene Hölzer eingesetzt. Allein für den Corpus eines Basses gibt es eine Auswahl von 30 Hölzern. Der Gitarrenhals ist dagegen meist aus Harzer Ahorn. Marleaux: „Mit dem Ahorn haben wir beste Erfahrungen gemacht. Erstaunlicherweise gleicht das Klima im Harz in 600 Metern Höhe für den Ahorn in etwa dem Klima in den Alpen in 2.000 Meter Höhe.“

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