Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht

Profi-Gamer unter Vertrag: der VfL Wolfsburg als weltweiter Vorreiter

  • Datum: 17.11.2017
Foto von Ingo Bartels
Ingo Bartels
Alle Beiträge (14)

Als Benedikt „SaLzOr“ Saltzer 2015 zum VfL Wolfsburg wechselte, war er der allererste FIFA-Spieler weltweit, der von einem Fußballverein unter Vertrag genommen wurde. Mittlerweile stehen bei den Wölfen drei Profi-Gamer unter Vertrag. Vor dem FIFA-18-Launch sprach ich mit SaLzOr über seinen faszinierenden Sport.

Alle spielen mit Messi und Ronaldo

Beim FIFA-18-Launch in der Volkswagen Arena spielt SaLzOr gemeinsam mit seinem Partner Timo „TimoX“ Siep mit dem aktuellen Kader des VfL Wolfsburg. In einem Wettkampf hätten sie damit wenig Chancen zu gewinnen, weil die Pro-Player alle im Ultimate-Modus antreten, das heißt im Klartext: Nur die besten Spieler gehören zum Kader. Statt Ntep also Ronaldo, statt Maxi Arnold dann doch Messi. „Ntep ist bei FIFA sehr gut bewertet, weil er schnell und dribbelstark ist. Auch Maxi ist ein guter Spieler für das Mittelfeld“, hält der viermalige Deutsche Meister große Stücke auf die VfL-Profis. Dennoch, bei den Top-Turnieren spielt er gegen die Besten der Branche und das bereits seit vielen Jahren sehr erfolgreich.

Zocken im Rampenlicht der Volkswagen-Arena – Foto: Ingo Bartels

Wie wird man Profi-Gamer?

Der 25-jährige Student kommt aus Gernsheim in der Nähe von Darmstadt, wo er auch noch wohnt. Er studiert Sport und Physik auf Lehramt und stürmt für den FC 07 Bensheim in der Verbandsliga Süd. Seit 2002 hat ihn das EA-Sports-Fieber gepackt. Da war er zehn Jahre alt. Er spielte gegen seine Freunde und gewann die meisten Spiele. „Meld dich doch mal bei ESL an, haben meine Kumpels gesagt,“ sagt SaLzOr rückblickend. Gesagt, getan. Er möchte sich messen und immer gegen die Besten spielen. Die findet er in der damals größten Website für E-Games. ESL ist die Deutsche Meisterschaft des elektronischen Sports.

Er spielt viel und gewinnt, sodass er binnen kürzester Zeit zu den Top-10-Spielern aufsteigt. Mit 16 Jahren erhält er bereits Anfragen, um in Teams zu spielen und schließt sich dem Clan nGize an, weil es damals noch keine Vereine gab, die Spieler unter Vertrag nahmen. Im Jahr drauf spielt er erstmals als Profi und wird Deutscher Meister. Er wiederholt den Titelgewinn 2011, 2012 und 2015. Er zählt somit zu den besten Gamern in Deutschland und der VfL Wolfsburg wird auf ihn aufmerksam. Die VfL-Verantwortlichen treffen sich mit seinem Management STARK eSports und einigen sich am 20. Mai 2015 darauf, Benedikt Saltzer zu verpflichten. Für die Geschäftsführung des VfL Wolfsburg ein wichtiger Schritt, denn sie erkennen die immer größer werdenden Berührungspunkte zwischen dem realen und dem digitalen Fußball. Dank der EA-Sports-Grafiken sind die Bilder auf dem Bildschirm teilweise täuschend echt.

Zocken bis zum Umfallen

Die Vorfreude von Benedikt Saltzer auf die FIFA-18-Version ist riesig. Er trainiert jeden Tag zwei bis drei Stunden an der Konsole, um seine Spieler besser bedienen zu können, Flanken zu üben, Tackling-Timings zu verbessern und Routine reinzubringen. Wenn die Qualifikationsmonate für die Deutsche Meisterschaft sind, spielt er 90 Spiele im Monat, um sich für die Top 10 qualifizieren zu können. Nach den je drei Qualifikationsmonaten spielen die besten 10 im 1 gegen 1 um den Titel. Dem Sieger winken 20.000 € Siegprämie und eine hohe mediale Reichweite, was gut ist, um Sponsoren zu gewinnen. „2009 habe ich 1.000 € für meinen Titel erhalten“, zeigt SaLzOr die rasante Entwicklung des FIFA-Zockens auf.

Ich erinnere mich noch daran, dass ich während meiner Ausbildung die Freizeit aktiv nutzte, um FIFA 97 nächtelang zu spielen. Im Vergleich zur FIFA-18-Grafik waren es nicht so flüssige Bewegungen und die Einstellungen waren minimalistisch im Vergleich zu heute. Heute hat es sich zu einer realistischen Fußballsimulation weiterentwickelt. Zahlreiche Einstellungen ermöglichen ein sehr taktisch geprägtes Spiel. „Ich bin Spieler, Trainer und Manager an der Konsole“, sagt dann auch Benedikt Saltzer über die Komplexität des E-Sports. Größer und wichtiger ist jedoch der Wettbewerb FUT Champions. „Um sich für das Turnier zu qualifizieren, muss man an einem Wochenende 40 Spiele absolvieren“, erklärt der Stürmer, der es schon mal unter die Top 16 geschafft hat.

Die Siegprämie liegt hier bei stolzen 200.000 €. Trotz der hohen zeitlichen Belastung ist er sichtlich begeistert vom FIFA-Game. Dazu kommen viele Medien- und Sponsorentermine, die ihm sein Management organisiert. Zusätzliche Termine kommen vom VfL Wolfsburg, wo er auch mal Fotoshootings mit den Profis hat. Wenn dann noch etwas Zeit bleibt, dann zockt er auch gegen die Profis. „Es ist sicherlich von Vorteil, wenn man selbst aktiver Fußballer ist.“ So seien die Profis alle sehr gut in der Defensive, nur nach vorne hin eher schwächer. Dennoch ist er sich sicher, dass man sich alle Finessen aneignen könnte, um das taktische Verständnis, die Kompaktheit der Mannschaft und das kluge Verschieben zu perfektionieren, um zu gewinnen. Und SaLzOr gewinnt oft.

FIFA-18-Launch-Event in der Volkswagen Arena

So auch beim zweiten FIFA-Launch-Event in der Volkswagen Arena. Gemeinsam mit dem zweifachen Vize-Weltmeister TimoX besiegte er im Finale die VfB Stuttgart & Friends mit 4:2. Übertragen wurde das Turnier auf einer Großleinwand. Die Spiele wurden alle moderiert, sodass die Zuschauer einen Eindruck erhielten, wie rasant sich die Szene entwickelt hat. Rund 100 Zuschauer folgten der Einladung. Dazu gesellten sich zahlreiche VfL-Profis sowie Sportdirektor Olaf Rebbe, der auch Spiele kommentierte. Der VfL Wolfsburg ist im Bereich E-Sports weltweit Vorreiter. Beim Launch-Event konnte man das Potenzial schon sehr gut erkennen, auch wenn Benedikt Saltzer sagt, dass „es jetzt noch nicht greifbar ist. Aber in zehn Jahren wird es eine anerkannte Sportart sein“. Der Vorteil von E-Sports zum realen Fußball liegt darin, dass es bis zur letzten Sekunde spannend bleibt, da jederzeit zwei bis drei Tore fallen können. Das spricht die Zuschauer insbesondere in Asien an und die Stadien sind voll.

Einlauf des FIFA-Teams vom VfL Wolfsburg / MEINE-REGION.de

Alles auf Null setzen

Jede Saison müssen die E-Gamer alles auf Null setzen. Sie erhalten vor dem offiziellen Launch der neuesten Version einige Möglichkeiten, das Spiel zu testen. Dennoch heißt es erst nach dem Launch trainieren, trainieren, trainieren. Seit dem 26. September 2017 trainiert deshalb SaLzOr noch mehr als sonst. „Ich bin so im FIFA-Modus drin, dass ich alles prüfen muss. Dazu gehören das Passspiel, die Flanken, die Schusstechnik“, zählt er die möglichen Änderungen auf. Bei FIFA 18 drehen sich die Spieler langsamer. Dadurch ist das Tackeln schwieriger und er muss das Timing trainieren. Beim Event konnte man bereits sehen, dass die Flanken verbessert sind und die Spieler mehr über die Flügel kommen. Die Physis und die Geschwindigkeit jedes einzelnen Spielers sind entscheidend. Deswegen spielt der VfL-Pro-Gamer lieber gegen Menschen, weil sie mehr Fehler machen, das macht ihn besser.

Der VfL ist seine E-Sports-Familie

Auch wenn Benedikt Saltzer in Gernsheim wohnt, ist er oft in Wolfsburg und zockt hier mit seinen Kollegen. Vom ersten Tag an fühlte er sich im Verein gut aufgenommen. Nach knapp drei Jahren ist aus ihm ein richtiger VfL-Fan geworden, sodass er es nie bereut hat, nach Wolfsburg gewechselt zu haben. Sein Management hat aus diesem Grund das Engagement zwischen dem VfL und SaLzOr um zwei weitere Jahre verlängert. Der VfL ist für ihn wie eine große Familie und die Profis sind für ihn wie Freunde, gegen die er gerne spielt. Da heißen die Gegner dann Knoche, Arnold oder Uduokhai, die er mal knapp 1:0 oder mal höher mit 3:0 besiegt.

Vorbereitendes Training der Profi-Gamer / MEINE-REGION.de

0 Kommentare

Kommentieren
Vorheriger Blog
Teil 2: Kuriose und ungewöhnliche Museen im Landkreis Wolfenbüttel
Nächster Blog
„Überraschen! Irritieren! Widersprechen!“ - Neueröffnung Till Eulenspiegel Museum in Schöppenstedt