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„Erleuchtet“ – die Sofalesung

  • Datum: 18.01.2018
Foto von Miriam Grupe
Miriam Grupe
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Es ist Winter, dunkel und ungemütlich und damit genau die richtige Zeit für ein Buch auf dem Sofa. Aber anstatt selbst zu lesen, besuche ich heute eine ganz besondere Veranstaltung: eine Sofalesung! Gesa Walkhoff alias Emmi Ruprecht hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht und gibt heute eine Sofalesung in Lamme. Bettina Ahrens, die Gastgeberin, hat dafür ihr Wohnzimmer hergerichtet: Das Sofa und ein paar Stühle stehen für die Gäste bereit; am großen Esstisch nehmen die aus dem Landkreis Gifhorn stammende Autorin und ihr Partner Frank „Bahni“ Bahn, der heute den männlichen Part liest, Platz.

Gaumenschmaus zum socialising

Es klingelt. Die Gäste treffen ein und nach einer herzlichen Begrüßung durch Bettina Ahrens und Gesa Walkhoff macht es sich die fröhliche Frauenrunde auf dem großen Sofa gemütlich. Die Gastgeberin versorgt die Vorleser mit Getränken und kredenzt ihren Gästen Sekt und leckere Schnittchen. Das ist für solch eine Veranstaltung natürlich kein Muss, wird aber dankend angenommen und die Gäste lassen es sich bei regen Gesprächen erst einmal schmecken. Währenddessen bereiten sich Gesa und Bahni auf ihre Lesung vor.

„Wie bist du denn auf die Idee mit der Sofalesung gekommen?“ möchte Claudia Bormann wissen. „Eigentlich bin ich durch die sogenannten ‚Sofakonzerte’ darauf gekommen“, gibt die Schriftstellerin zu. „Eine Sofalesung ist allerdings nicht so aufwendig, ein Tisch, ein paar Sitzgelegenheiten – das reicht ja schon. Und es wird gut angenommen.“ Der Trend bewege sich weg von bekannten Orten wie Buchhandlungen, hinein ins heimische Wohnzimmer. Bettina, unsere Gastgeberin, ist selbst auch schon ganz gespannt, was sie heute erwartet. „Ich freue mich sehr über den regen Zuspruch auf meine Einladung.“ Aus dem Kreis der Damen höre ich mehrfach: „Und ich bin auch schon ganz gespannt.“

Die Chemie stimmt

Dann geht es los. „Erleuchtet. Meine Depression, ihr Therapeut & ich“ ist das Buch, aus dem heute ein Kapitel vorgelesen wird. In groben Zügen stellt Gesa ihren Roman vor: Hauptfigur Hilde verzweifelt am Leben, leidet an einer Depression, grübelt (zu) viel und versucht mithilfe ihres Therapeuten Dr. Siegbert Gärtner, die destruktiven Gedankenmuster zu durchbrechen. Während Gesa als Hilde und Bahni als Therapeut die Geschichte plastisch werden lassen – herrlich, die Mimik von Herrn Dr. Gärtner und irgendwie kennt doch auch jeder Hildes wilde Gedanken nach einem verpatzten Date – lauschen alle Anwesenden gebannt den beiden Vortragenden bei diesem Live-Hörbuch-Erlebnis.

Das ist mehr als nur eine reine Lesung, das hat durchaus auch schauspielerische Qualitäten, wenn Gesa mit vollem Körpereinsatz liest. Die Emotionen ihrer Protagonistin spiegeln sich deutlich in ihrem Gesicht, wenn sie als Hilde stolz auf ihre ersten Fortschritte ist, beim Versuch, die Schwermut zu vertreiben. Und auch bei Bahni alias Dr. Siegbert Gärtner reicht manchmal schon ein einziger Blick, um das Gesagte zu unterstreichen.

Es ist faszinierend, wie die beiden Vorleser absolut synchron die Seiten ihres Buches umblättern! Hier zeigt sich, wie sehr die Chemie zwischen dem Künstlerpaar stimmt, das auch noch als Duo „Me, She & The Bass“ Musik macht. Beiden gelingt es trotz des schwierigen Themas „Depression“, den Zuhörerinnen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, denn der Roman ist witzig und wortgewandt. Nach einer Dreiviertelstunde etwa ist die aktive Lesung vorbei. Es gibt Applaus für den Vortrag, der kurzweilig, lustig und doch auch irgendwie wahr war.

Vor dem Schreiben kommt die Reife

Nun haben die Gäste Gelegenheit, sich mit der Autorin und ihrem Partner auszutauschen. Und das wird auch genutzt. „Woher kommen die Ideen zu dem Buch?“ möchte ich wissen. Sie kenne Depressionen selbst auch, offenbart die Autorin. Allerdings sei das Buch nicht autobiografisch. Die Vorbilder findet sie bei Freunden, aus Erzählungen „und natürlich spielen auch eigene Date-Erfahrungen eine Rolle“, lacht sie. Ihr ist es wichtig, dass man sich in der Geschichte wiederfinden kann. Besonders stolz ist Gesa darauf, dass es ihr gelungen ist, in jedem Kapitel Lösungsansätze zu geben. „Zwei Psychologen haben das Buch gelesen und insbesondere die Therapiegespräche als realistisch eingeschätzt.“

Bisher hat Gesa Walkhoff als Emmi Ruprecht drei Romane publiziert, geschrieben hat sie jedoch schon weitaus mehr und so ist ihr achter Roman bereits im familieneigenen Lektorat. Für einen Roman benötigt sie circa zwei Monate Vorbereitung für Geschichte und Struktur – so etwas muss reifen. Erst dann legt sie los mit dem Schreiben. Und nun hat sie sich sogar an ein anderes Genre gewagt: ein Kinderbuch ist bereits geschrieben und wird im Laufe des Jahres 2018 veröffentlicht. Wie ist sie darauf gekommen, zu schreiben?

Sie sei schon immer fasziniert davon gewesen, antwortet die Schriftstellerin. „Zuerst habe ich meine eigene Geschichte aufgeschrieben und gesehen, dass es geht. Und dann habe ich mein erstes richtiges Buch geschrieben. Ich kann nur jedem Mut machen, einfach loszuschreiben und anzufangen.“ Ihr Partner Bahni berichtet begeistert davon, wie akribisch Gesa arbeitet. Für ihre Italien-Romane habe sie sogar den „Ort in Italien“ skizziert, wo der Roman spielt: also das idyllisch abgelegene Gut mit dem Haupthaus und den Nebengebäuden, die Aussichtsterrasse oder die Wiese, auf der der Gitarrenunterricht stattfindet. So kann sie in jedem Kapitel auf dieselben Details zurückgreifen.

Tipps aus der Runde

Die Neuautorin kommt bei ihrem Publikum offensichtlich gut an, denn sie bekommt aus der Runde noch einige gute Tipps, wo sie ihre Bücher vorstellen kann. Die Lammer Damen sind gut vernetzt und kennen kleine Buchhandlungen, bei denen Gesa vorsprechen könne, auch wenn Buchhandlungen immer ein schwieriger Markt seien, wie sie selbst erfahren hat. Einen großen Verlag hat sie bisher noch nicht an der Hand, aber ihre Bücher können übers Internet als Taschenbuch oder bei den einschlägigen Online-Buchhändlern auch als E-Book bezogen werden. Und wer mehr über Emmi Ruprecht und ihre Romane erfahren möchte, dem sei ihre Webseite emmi-ruprecht.de empfohlen, auf der auch alle Neuerscheinungen und Termine für öffentliche Lesungen angekündigt werden. Und wer selbst eine Sofalesung bei sich veranstalten möchte, findet dort natürlich auch die Kontaktdaten von Gesa.

Zu guter Letzt packe ich selbst die Gelegenheit beim Schopf und kaufe ein Exemplar von „Erleuchtet“. Als Geschenk mit dem besonderen Etwas – denn wer kann sonst schon sagen, dass er ein Buch mit persönlicher Widmung der Autorin besitzt?

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