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Das Ostereierhaus in Ilsede

  • Datum: 22.03.2018
Foto von Gerd Reckow
Gerd Reckow
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Wenn das der Osterhase wüsste: Das Haus von Roswitha Gehlhaar in Ilsede-Oberg, Landkreis Peine, ist ein riesiges Osternest und beherbergt mehr als zehntausend verzierte Eier. Touristen haben es längst bemerkt, reisen busweise an und legen gerne auch mal selbst Hand an im Ostereierhaus.  In diesem Haus ist das ganze Jahr Ostern – jedenfalls rein optisch: In allen Räumen, mit Ausnahme des Badezimmers und des Schlafzimmers, liegen, hängen oder stehen bunt bemalte, bestickte und mit Bändern und Schleifchen verzierte Ostereier. „Alles selbst gemacht!“, betont Roswitha Gehlhaar, die „Eiertante“, wie sie sich selbst nennt.

Seit 30 Jahren bemalt sie Eier und vor drei Jahren hat sie ihr Hobby quasi zum Beruf gemacht. Unvorstellbare 10.000 Eier stehen zum Verkauf bereit. „Im Keller habe ich noch weitere 1.000 und auf der ,Handmade‘ in Braunschweig noch 8.000 Eier“, sagt die Kunsthandwerkerin. Oft halten Busse vor dem Ostereierhaus in Ilsede-Oberg, voll besetzt mit unzähligen Touristen, die dann staunend durch die Räume ziehen. Als die Gehlhaars ihr Haus vor sechs Jahren kauften, war daran noch nicht zu denken. „Erstmal mussten wir das ganze Haus von Grund auf sanieren. Das hat ein bisschen gedauert“, sagt Roswitha Gehlhaar.

Lauter Unikate im Ostereierhaus

Jedes Ei hier, vom Kunststoff-Hühnerei bis zum Gänse- oder Straußenei, ist ein eigenes kleines Kunstwerk. Die Rohlinge sind aus Kunststoff; echte Hühnereier sind nicht mehr erlaubt. Den Mann des Hauses freut das sichtlich, denn früher musste er manchmal bis zu fünfhundert Eier pro Tag ausblasen. Damit ist schon lange Schluss. Aber weniger Aufwand bedeutet das nicht: Die Eierrohlinge werden mit dem Pinsel viermal einfarbig grundiert, dann bemalt und anschließend lackiert. So sehen sie noch schöner aus und sind außerdem wetterfest. Gehlhaar verziert auch Keramikwaren und alte bäuerliche Gegenstände, wie beispielsweise Milchkannen oder Zinkwannen. Vieles davon finden sie und ihr Mann auf Flohmärkten und so manches alte Stück ist durch ihre Hand veredelt und einer neuen Bestimmung zugeführt worden. Bestes Beispiel: der Nachttopf, der jetzt als dekorative Heimstatt für anmutige Alpenveilchen oder andere Blütengewächse dienen kann.

Die versierte Kunsthandwerkerin versteht zudem etwas von modernem Marketing: „Ich habe bei Spaziergängen mit meinem Enkel immer den Bismarckturm um die Ecke und das wunderschöne Rittergut Oberg bewundert. So ist die Idee entstanden, diese drei Dinge, also mein Ostereierhaus, den Turm und das Rittergut, auf dem die Familie Luebbers das Hotel Graf Oberg betreibt, zu einem touristischen Gesamtpaket zu schnüren“, berichtet sie. „Nach der Führung durch unser Haus können die Gäste zum gemütlichen Kaffeetrinken ins nahe Hotel gehen und anschließend den Bismarckturm besteigen und die herrliche Fernsicht genießen.“ Das Angebot werde gut angenommen und locke Gäste von weither nach Ilsede-Oberg.

Lust auf Landidylle

Die Sehnsucht nach ländlicher Idylle sei einer der Gründe für ihren Erfolg, meint Roswitha Gehlhaar. Ein Blick auf den Zeitschriftenmarkt mit Titeln wie Landliebe, Landlust, Liebes Land und andere sei ein Beleg für das wachsende Interesse an ein wenig „heiler Welt“ und an schönen Dingen, die ein bisschen aus der Zeit gefallen scheinen. Viele Besucher haben aber auch Lust, selbst mit Pinsel und Farbe kreativ zu werden. Deshalb lässt sich Gehlhaar bei den Führungen durch ihr Haus auch gerne bei der Arbeit über die Schulter gucken und zeigt ihre kleinen Tricks und Kniffe. Wenn dann in Nullkommanichts aus einem einfarbig grundierten Ei ein kleines Kunstwerk entsteht, sind die Gäste sprachlos. Denn so einfach wie es aussieht, ist es nicht: Die Nass-in- nass-Technik, in der die Eier bemalt werden, verlangt ein ruhige Hand und ein sicheres Auge für ausgewogene Proportionen.

Besser als Büro

Ostereier bemalen Tag für Tag, das eigene Haus für Führungen öffnen, mit dem Wohnmobil auf Kunsthandwerkermärkte und Ausstellungen fahren und dort einen Stand aufbauen: Ist das nicht furchtbar anstrengend? „Nein“, sagt Roswitha Gehlhaar, „ich kann mich hier ausleben und bin mein eigener Chef. Die Arbeit macht mir Freude, ich lerne viele Menschen kennen und kann etwas bewegen. Ich kann im Sommer auf der Terrasse arbeiten, einen Plausch mit den Nachbarn halten und das Leben auf dem Land genießen. Das alles hätte ich nicht, wenn ich jeden Tag ins Büro gehen müsste.“ Stress ist für sie offensichtlich ein Fremdwort und ihr Beruf ihre Berufung. Kein Wunder also, dass sie das Ostereierhaus in Ilsede-Oberg, Lahbergweg 10, auch an den Osterfeiertagen öffnet.

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