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Namasté – Entdecke den Yogi in dir! Besuch im Yoga Studio Shanti

  • Datum: 03.04.2018
Foto von Mireille Müller
Mireille Müller
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„Es werden unmögliche Verrenkungen gemacht und das ,Om‘ gesungen“, frage ich skeptisch. Hang Dao- Ritsch lacht! Sie ist Yogalehrerin in ihrem eigenen Yogastudio namens „Shanti“ in Wolfenbüttel. „Probier es selbst“, fordert sie mich auf. Hang lehrt das Ashtanga Yoga – ein sehr aktiver Yogastil. Dieser beinhaltet eine umfangreiche Auswahl von dynamisch ausgeführten Körperhaltungen, sogenannte Asanas, die aus dem ursprünglichen Hatha Yoga stammen. Neugierig geworden, möchte ich diesen Yogastil selbst erleben und bin gespannt was mich erwartet.

Lächle und die Welt verändert sich!

Die Gruppe begrüßt mich aufgeschlossen und alle Yogis „duzen“ mich unkompliziert. Auf Anhieb fühle ich mich in die Gruppe integriert. Ein Mantra wird zur Einstimmung gesungen. „Oooooommmm …“, stimme ich scheu mit ein und komme mir dabei etwas befremdlich vor, „Vaaaannnde …, guuurunaaam …“, singen die anderen weiter. Zaghaft überwinde ich meine Hemmungen und singe das mir bekannte „Om“ kräftiger mit. Ich spüre durch das Singen eine tiefe Vibration im Brustraum, die angenehm beruhigend wirkt.

Ashtanga Yoga im „Shanti“ in Wolfenbüttel

Dann beginnen wir die Yogastunde mit dem Sonnengruß, einer fließenden Bewegungsabfolge von mehreren Asanas. Zunächst wird er langsam ausgeführt, danach beginnt jeder für sich im eigenen Rhythmus zu üben. Der sich wiederholende Sonnengruß soll dem Yogi helfen, auf sich konzentriert zu bleiben und das wiederum soll den Weg zur Entspannung ebnen. Das Tempo erhöht sich! Die nun schnell ausgeführten Asanas sind anstrengend, bald merke ich Muskeln, die für mich vorher nicht existent waren und die Dynamik fordert mich.

Ich komme nicht mehr zum Denken, richte meine Aufmerksamkeit nur noch auf meine Asanas. Dann kann ich nicht mehr. Schaffe die Asanas nicht. Ringe nach Atem. Meine Nachbarin, verschwitzt, lächelt verständnisvoll. Wir verharren beide, bis mein Atem sich beruhigt hat und lächeln uns an. Mit neuem Elan übe ich weiter …

Nehme dir Zeit für Dinge, die wichtig sind!

Nachdem die Muskeln aufgewärmt sind, werden sie durch langes Halten der Asanas gedehnt. Die Asanas sollen exakt ausgeführt werden und die richtige Atemtechnik, das Pranayama, spielt bei der Dehnung der Muskeln eine entscheidende Rolle. Denn erst dieses Zusammenspiel löst tiefliegende Verspannungen in der Muskulatur, wie die Faszien, das muskel- und organumspannende Bindegewebenetz. Dieses Netz kann bei einseitiger Bewegung verkleben und führt damit zu schmerzhaften Beschwerden, die dann wiederum eine hohe mentale Belastung darstellen. Hang geht umher und korrigiert die Position oder unterstützt die Übenden.

Fünf tiefe Atemzüge lang soll die Position gehalten werden. Eins …, zwei …, drei …, mit jedem weiteren Atemzug spüre ich, wie meine Muskeln loslassen und sich einer immer stärkeren Dehnung hingeben. Doch ich benötigte Kraft, Ausdauer und Konzentration, um die einzelnen Positionen zu halten. Deshalb gibt es für Anfänger viele Hilfen, in Form von Kissen, Blöcken oder Stützen. In den nächsten Wiederholungen springen die Übenden in die Asanas. Das heißt, ich gehe oder stelle mich nicht, sondern springe in die Position. So trainiert der Yogi seine Körperbeherrschung.

Tu was du willst, aber nicht weil du musst

In der dritten Wiederholung lassen einige erfahrene Yogis ihren Körper über dem Boden schweben. Bei diesen Asanas schult der Yogi seine Willensstärke. Mich begeistert der Gedanke, meinen Körper auch auf meinen Händen über dem Boden schweben zu lassen. Doch spezielle akrobatische Asanas würde ich mir allein nie zutrauen. Dieser Yogastil ist nicht ganz ungefährlich! Schmerzhafte Zerrungen können durchaus vorkommen, denn die Kontrolle des eigenen Ehrgeizes ist die größte Herausforderung! Deshalb sollten sich die Übenden auf die Erfahrung eines Yogalehrers verlassen können.

Hang bremst oder ermuntert. „Ich merke, wenn sie zu viel wollen und helfe den Übenden, sich zu kontrollieren. Die Yogis lernen so, auf ihre Körpersignale zu hören und die richtige Selbsteinschätzung ist auch im sonstigen Leben wichtig!“ Vier Jahre hat ihre weitreichende Ausbildung zur Yogalehrerin gedauert, die nach den Richtlinien des „Bundes Deutscher Yogalehrer“ sowie den „European Union of Yoga“ erfolgte. Diese Richtlinien sollen einen einheitlichen Ausbildungsstandard sichern.

Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück!

Die Yogastunde endet mit einer Entspannungsphase im Liegen. Ein angenehmes Gefühl von Ruhe breitet sich in mir aus. Das Ashtanga Yoga hat mir viel Spaß bereitet und ich spüre Zufriedenheit. Alles entspannt sich in mir, ich lasse los! Hang singt ein Mantra und holt uns Yogis in das hier und jetzt zurück. In die Runde frage ich, warum die einzelnen Teilnehmer Yoga üben. „Ich fühle mich einfach wohl!“ „Es ist ein super Ausgleich!“ „Meine Konzentration ist besser!“ „Meine Rückenbeschwerden sind weg!“ Beim Yoga werden alle Muskeln beansprucht, so können keine einseitigen Belastungen entstehen. Es fördert den Stoffwechsel und kräftigt das Herz-Kreislauf- System, erfahre ich von Hang. „Regelmäßigkeit ist wichtig! Einmal geübt, wirkt Yoga nicht.“ Sie fing mit Yoga auf Empfehlung an. „Damals war ich total erschöpft und gleichzeitig unruhig“, erzählt sie und ergänzt: „Durch Yoga fand ich zurück zu mir und einer inneren Gelassenheit!“

Das Leben ist zu kurz für irgendwann!

Yoga ist so individuell wie die Yogis selbst! Hang hat viele Yogastile probiert, bevor sie ihren Stil fand. „Im Ashtanga Yoga wird es nie langweilig“, sagt Hang schmunzelnd. Sie ließ sich vollkommen auf Yoga ein, um auch anderen ihre Yogaerfahrungen nahe zu bringen. Ich erfahre, das Ashtanga wörtlich übersetzt, der „achtgliedrige Weg“ heißt. Der Yogi erlernt die acht Stufen des Yogas und Stufe für Stufe kommt er der Fähigkeit zur Meditation näher. Diese ermöglicht dem Yogi, in einer tiefen Entspannung zu ruhen, die er dann auch noch im alltäglichen Leben verspürt. „Bei der Meditation konzentrierst du dich nur auf deinen Atem. Das Denken soll nicht mehr geschehen. Aber damit dir das gelingt, solltest du ausgeglichen, ausdauernd und achtsam sein …“, so Hang „ …und das erlernst du im Yoga!“

Ashtanga Yoga war für mich eine angenehme positive Erfahrung und ich schließe mich einem Zitat, des weltweit bekannten indischen Yogalehrers, B.K.S. Ivenga an: „Man kann den Wert von Yoga nicht beschreiben, man muss ihn erfahren!“

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