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Ein Hauch von Afrika – mitten in Peine

  • Datum: 12.04.2018
Foto von Kathrin Bolte
Kathrin Bolte
Alle Beiträge (8)

Sieben Kilometer von Peine entfernt liegt die kleine Ortschaft Röhrse. Vielen eher als Rastplatz an der A2 bekannt, wirkt der Ort mit seinen 240 Einwohnern sehr klein, beschaulich, ruhig. Inmitten diesem ländlichen Eldorado findet man einen Hauch von Afrika. Hans-Werner Behrens betreibt hier zusammen mit seiner Ehefrau Katrin die Afrikafarm. Und hierbei handelt es sich um weitaus mehr als nur ein Feriendomizil.

Die Liebe zu Südafrika – wie alles begann

„Eigentlich wollten meine Frau und ich nach dem Studium nur mal ein Jahr ins Ausland gehen. Dass wir in Südafrika gelandet sind, war ein Zufallstreffer“, erinnert sich Hans-Werner Behrens, als er mir seine Afrikafarm zeigt. Heute betreibt er nicht nur die Afrikafarm in Röhrse, sondern ist Teilhaber einer Brauerei in Südafrika und hat den Hilfsverein „Hilfe für Namibia“ gegründet. 1983 reisten beide dort hin und kamen verliebt in Land und Leute zurück. Doch nicht nur die schönen Seiten des Landes sind ihnen im Gedächtnis geblieben. Auch die Armut und das Leid der Menschen vor Ort hinterließ bei den beiden Röhrsern einen tiefen Eindruck.

Die Afrikafarm – hier ist was los

1994 begann das Landwirtsehepaar mit der Zimmervermietung. Inzwischen stehen zehn Zimmer und eine Ferienwohnung zur Verfügung. „Wir bieten hier ein bisschen betreutes wohnen“, scherzt Behrens. Doch so weit hergeholt ist das gar nicht – natürlich nicht im herkömmlichen Sinne. „Jeden Mittwoch treffen wir uns mit unseren Gästen in unserer eigenen ,Afrikabar‘ und haben Teamsitzung. „Team“ steht dabei für ,trinken einen am Mittwoch‘“, erklärt Behrens mit einem Augenzwinkern. Urlaub mit Familienanschluss – der wird hier ganz groß geschrieben. „Unsere Gäste wohnen oftmals über einen längeren Zeitraum hier, da sie beruflich in Peine und Umgebung zu tun haben. Da möchten wir ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen“, verrät er. Es ginge aber nicht nur um das Trinken. „Einfach gemeinsam eine gute Zeit verbringen, wobei natürlich auch mal Fußball zusammen gucken möglich ist, das ist unser Ziel.“

Die perfekte Auszeit in „Afrika“

Ausgestattet sind die Gästezimmer zweckmäßig. Es gibt Betten, Schränke, Sessel, eine kleine Küche, ein Badezimmer. TV und WLAN werden ebenfalls geboten. Gemütlich sind die Zimmer, die natürlich Namen wie Windhoek, Kapstadt oder Sambezi tragen. Um die Verköstigung kümmert man sich nicht – jeder kann sich selbst verpflegen, die Küche bietet alles, was man braucht. „Wenn jedoch auch mal ein Frühstück gewünscht ist, bekommen wir das auch organisiert“, beruhigt Behrens. Der Garten ist liebevoll gestaltet; einzig wilde Tiere sucht man hier vergebens. Auf der Weide nebenan grasen ein paar Pferde. Doch von denen geht keine Gefahr aus. Ein kleines Eldorado – für die Auszeit zwischendurch perfekt geeignet.

Hilfe für Namibia e.V. – Hilfe, die auch ankommt

Im Jahr 1996 gründete Hans-Werner Behrens den Verein „Hilfe für Namibia e.V.“. Seitdem wurden schon 43 Container mit einem Warenwert von mehr als 2,2 Millionen Euro von Röhrse nach Namibia geschickt. Die Kosten für einen Container liegen bei rund 5.000 Euro. „Daher sind wir lange nicht nur auf Sachspenden angewiesen“, heißt es.

Von der Sofadecke bis zum PC

Gesammelt wird alles für den täglichen Bedarf. „Besonders Sofadecken brauchen wir. Man mag es kaum glauben, aber im Winter ist es nachts in Südafrika verdammt kalt“, hieß es. Auch Kleidung wird gesammelt, aber nicht sortiert. „Wir fassen da nichts selbst an. Wir vertrauen unseren Spendern, dass sie keine Kleidung einpacken, die nicht mehr getragen werden kann. Zerrissene Jeans mögen in Europa der letzte Hit in Sachen Mode sein, in Afrika kann damit niemand etwas anfangen. Wir möchten nicht, dass der Eindruck entsteht, wir laden unseren Müll dort ab“, macht Behrens deutlich. Auch Schuhe dürfen laut Handelsgesetzen nicht eingeführt werden. Benötigt werden aber auch Kinderwagen, Rollatoren, Nähmaschinen oder Computer.

Hilfe vor Ort

Vor Ort gibt es rund 30 Mitglieder des Vereins, die sich um die Verteilung der Spenden kümmern. „Manchmal kommt man – angesichts der großen Not vor Ort – auf den Gedanken, ob das alles überhaupt etwas bringt. Doch wenn man dann von den Helfern in Afrika hört, dass unsere Arbeit viel, viel mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Stein, dann ist das Motivation genug, um weiterzumachen“, erklärt Behrens. Zudem werden vor Ort 19 Altersheime, 26 Schulen und Heime, fünf Musikschulen, 33 Kindergärten, 24 Waisenhäuser, drei Hospitäler, 23 Farmschulen, 16 wohltätige Organisationen und acht Farmer, die sich um die Verteilung der Hilfsgüter kümmern, unterstützt.

Namibiafest – Hilfe für Namibia startet voll durch

Jedes Jahr am dritten Samstag im Juni findet auf der Afrikafarm Röhrse das Namibiafest statt, das inzwischen über die Grenzen von Peine bekannt ist. Neben typisch afrikanischen Leckereien wie Wein, Namibiabier, Salat oder Straußensteak sorgt eine Trommelgruppe für afrikanisches Flair. Es gibt Dekorationsgegenstände zu kaufen, man kann sich über die Hilfsfortschritte vor Ort informieren und so manch einer hat auf den vielen Fotos schon seine gespendeten Dinge wiedererkannt, sagt Behrend. Das nächste Namibiafest findet übrigens am 16. Juni 2018 statt. Ab 18 Uhr geht es los.

Die Hausbrauerei in Südafrika

Ein weiteres, von inzwischen mehr als hundert Projekten, die Familie Behrens in Afrika betreut, ist das „Brauhaus am Damm“. Im November 2011 wurde es in Südafrika eröffnet. Es befindet sich in der Nordwest-Provinz, 14 Kilometer südlich von der Provinzhauptstadt Rustenburg, die wiederum 120 Kilometer westlich von Johannesburg liegt. Dort wird mit deutschstämmigen, südafrikanischen Partnern Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Fünf Biersorten gibt es frisch gezapft, dazu eine zünftige deutsche Küche. Auf die Frage, warum gerade eine Brauerei, lacht Hans-Werner Behrens: „Weil es mir Spaß macht!“

Mein Fazit:

Es gibt sie noch, die Orte, an denen man wunderbar entschleunigen kann und Menschen trifft, die ganz selbstlos ihre Freizeit und Energie für andere geben, denen es nicht so gut geht. Die Afrikafarm in Röhrse ist ein Ort der Entspannung, ein Ort zum Innehalten, ein Ort, an dem Freud und Leid ganz nah beieinander liegen, ein Ort der Hoffnung, ein Ort, an dem man sich wohlfühlt und der einen Besuch wert ist.

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