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Stadionfunk – Eintracht XXL-Kick

  • Datum: 13.04.2018
Foto von Kay Rohn und Malte Schumacher
Kay Rohn und Malte Schumacher
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Was für ein Spieltag-Wetter … Besser geht’s ja gar nicht: Wenn das Match nachher im Gange ist, wird’s 20 Grad warm sein, sagt mir die Wetter-App am Sonntagmorgen. Die Sonne strahlt, keine Wolke am Himmel – das ist es, worauf der Fußball-Fan sich freut in der trüben Winterzeit … Und dann auch noch ein 6-Punkte- Spiel – wenn wir Dresden heute schlagen, lassen wir sie hinter uns und können auf den 7. oder 8. Platz hüpfen. Na also, alles super?!

Malte Schumacher

SkyGo in Vicenza

Nö, nichts ist super. Die Performance der Eintracht in dieser Saison macht den Fan weiterhin fertig – da lenkt auch das Wetter nicht von ab. Das letzte Auswärtsspiel in Bochum ging sang- und klanglos 0:2 verloren, und es sah auch richtig schlecht aus. Wir waren zu dem Zeitpunkt im Italien-Urlaub in Vicenza – und dank einer gesetzlichen Änderung konnten wir punktgenau ab dem 1. April 2018 auch im EU-Ausland SkyGo auf unserem Smartphone nutzen, um live dabei zu sein. Na schönen Dank auch! Eine schlimmere SkyGo-Smartphone- Premiere kann man sich gar nicht vorstellen … Schwach, schwächer, Eintracht …

Arschhoch

Da nun alle gemerkt haben, dass es in dieser Saision nicht läuft, hat die Eintracht am Freitag eine „Motivations-Kampagne“ auf den Weg gebracht, bei deren erster Wahrnehmung irgendwo online ich mich zunächst mächtig erschrocken habe. Mein Gehirn ist ja schon so alt, dass es Wörter nicht mehr Buchstabe für Buchstabe zusammensetzt und sich mühsam erliest, sondern es erfasst ganze Buchstaben-Haufen und setzt diese assoziativ in Wort- Bedeutungen um. Als ich also zum ersten Mal mit der „Arschhoch-Kampagne“ konfrontiert wurde, las ich „Arschloch“ und dachte, ein Hacker aus West-Peine hätte uns einen bösen Streich gespielt … Nun gut, mein Problem. Wobei sich mein Hinterteil als Stehplatz-Fan übrigens immer in der gewünschten Höhe befindet …

Statistik-Quiz …

Ebenfalls am Freitag habe ich mit Peter aus Göttingen telefoniert, alter Freund und langjähriger Steuerberater von uns. Peter hatte fiese Eintracht-Statistik- Quiz-Fragen für mich auf Lager. Frage 1: Wieviele Tore hat Eintracht in dieser Saison in den letzten 15 Minuten geschossen und damit wieviele Punkte geholt? Antwort: Vier Tore. Frage 2: Und wieviele Tore hat Eintracht in dieser Saison in den letzten 15 Minuten bekommen und damit wieviele Punkte verloren? Antwort: Dreizehn. Nein, ich will weder wissen, ob das stimmt, noch will ich es überprüfen – wir sind mal wieder beim Thema „gefühlte Statistik“. Denn gefühlt ist das sowas von wahr …

Trübe Gedanken

Wir verabreden uns für Sonntag, 11.45 Uhr, auf ein Bier in der Rheingoldstraße. Er wird mit seinem Sohn Sebastian am Spieltag sehr früh die Großeltern in Wolfenbüttel besuchen. Dann werden die beiden ob des herrlichen Wetters mit dem Fahrrad zum Stadion kommen. Also mache ich mich noch zeitiger als sonst auf den Weg, was angesichts der tatsächlich großartigen Temperaturen die trüben Gedanken vertreibt. Leider hatte nämlich jeder, mit dem ich im Verlauf der Woche über das Dresden-Spiel gesprochen habe, eher böse Ahnungen als euphorische Sieges-Phantasien …

Rheingold-Aroma

Aber nicht nur das grandiose Wetter, auch die immer wieder herrliche Atmosphäre in der Rheingoldstraße wirkt gut gegen Trübsal. Ich treffe Jan, Uralt-Eintracht- Fan und FanRat- Mitgründer. Ihn hat’s beruflich gerade nach Zwickau verschlagen – hartes Los, aber reizvolle Aufgabe, sagt er. Sein Ergebnis-Tipp: „2:1“. Auch Peter und Sebastian haben sofort nach dem Anschließen ihrer Räder Meinungen zum Spiel: „Das wird schwer heute …“ Sebastian sträubt sich erst noch davor, einen Tipp abzugeben, murmelt dann aber „2:1“. Der erfahrene Peter verzieht das Gesicht und sagt eiskalt: „1:1“. Meine Einwände, dass dieses Ergebnis ja gar keinem hilft, lässt er nicht gelten: „Du wolltest einen Tipp von mir …“

Der Löwe und seine Pinguin-Begleiterin

Nach Bier und Wurst in der der Rheingoldstraße treffe ich auf dem Weg zur Südkurve noch auf einen Löwen und seine Pinguin-Begleiterin. Auch diese beiden Fans sind augenscheinlich motiviert genug und haben die gewünschte Arsch-Höhe – einen Tipp bekomme ich aus ihnen allerdings nicht heraus … Mit eher verbissener Miene steuern sie nach unserer Begegnung ihren Platz im Stadion an.

Cattiva-Shirt

Am Cattiva-Stand vor dem FanHaus gibt es mal wieder ein T-Shirt zu kaufen: „Durch Leidenschaft beginnt der Mensch zu leben“ lautet der Slogan, und der Trainer, eine Blumenvase sowie ein Löwenkopf bebildern diesen Kalenderspruch. 6,70 Euro Verkaufspreis ist bemerkenswert kalkuliert, ich nehme also eines mit und lasse gern mehr da als Spende für eine der nächsten Cattiva-Choreos.

Blau-gelbe Weihnachtsengel

Im Block bei den Fanclub-Mitgliedern gibt es heute tatsächlich mal was zu besprechen – das lenkt uns vor dem Anstoß ab von weiteren trüben Gedanken. Und von hoffnungsvollen 2:1- Tipps … Wir – oder besser ein von uns vorgeschlagenes Projekt der Gemeindejugendpflege Edemissen –, wir beide zusammen also haben bei der Eintracht-Aktion „Blau-gelbe Weihnachtsengel“ den Förder-Zuschlag der Eintracht Braunschweig Stiftung erhalten. Wir als Fanclub sind am 4. Mai in Edemissen aktiv dabei, wenn die Jugendpflege dort unter dem Motto „ZUSAMMEN besser“ mit finanzieller Hilfe der Stiftung einen inklusiven Aktionstag umsetzen wird. Das aber will geplant und besprochen sein: wer kann wann und warum auch nicht … Na ja, das wird schon.

Aufstellung

Mitten in unsere Planungen platzt die Aufstellung: Domi und ChicKen draußen, vorne Manni und Hofmann, Sauer wieder hinten rechts, und als Sechser Samson – wann hat der denn zuletzt von Beginn an gespielt? Kapitel 29 aus der unendlichen Saga von Torsten und seinen unergründlichen Auf- und Umstellungen … Und was ist das für ein System? 4-1- 4-1 – darauf können wir uns irgendwann einigen. Die Mannschaft hat wieder einen innigen Kreis gebildet vor dem Anstoß – ihr persönliches Arschhoch-Motivations- Ritual.

Gewürge

Die Stimmung auf den Rängen ist von Beginn an gut. Die Nordkurve ist prallvoll mit Schwarz- Gelben – die Leistung unserer Mannschaft kommt da nicht mit. Hinten wie ein Hühnerhaufen, bereits der erste Dresdener Angriff landet am Pfosten. Oh je, was soll das bloß werden heute? „Samson spielt wie Tiffy“, flüstert Mex mir zu – in der Tat, unser 13er weiß anscheinend überhaupt nicht, was heute sein Auftrag ist. Auch Maxi Sauer wird überlaufen und nass gemacht, wie er es haben will. Die Dresdener scheinen ihren Spiel-Plan auf Basis unserer erwartbaren Schwachstellen ausbaldowert zu haben, wie perfide …! Das 0:1 nach nicht einmal zehn Minuten wundert niemanden von uns – einzig, dass Fejzic dabei mal nicht gut aussieht, erstaunt. Als Hauptverantwortlichen aber machen wir Samson aus …

Austreten und wegsehen

Ach ja, und nun? Ich gehe mal runter, auf die Toilette, früher hat das geholfen, da habe ich manchmal Tore verpasst … Heute aber bemerke ich auf dem Weg, dass einige Fans unten vor Block 6 auf den ehemaligen Schalensitzen der Haupttribüne neben der Bratwurst-Bude das Spiel verfolgen – alter Schwede … Das muss ich auch mal ausprobieren, das tut in den Augen sicherlich nicht so weh …

Auswandern?

Hat aber alles nichts genützt – als ich wieder im Block bin, liegen wir noch immer hinten und spielen gruselig. Ich denke ans Auswandern, denn in Vicenza war’s ganz schön. Und dass Vicenza Calcio, der örtliche Drittligist, vor unseren Augen sein Heimspiel gegen Santarcangelo vergeigt hat, war uns piepenhagen … Aber auf einmal – was ist da hinten los – Hofmann – Tor?! Ich warte ab und starre lange auf Schiri und Linienrichter – aber in der Tat, Hofmann hat vor der Nordkurve den Ausgleich gemacht. Pure Erleichterung macht sich breit, sonst nichts …

Achter?

In der Halbzeitpause sind alle eher maulfaul und hängen ihren Gedanken nach. Ich muss innerlich darüber schmunzeln, dass wir mit nur einem weiteren Tor Achter sein könnten – glaube aber nicht wirklich daran. Hofmann straft mich kurz nach dem Wiederbeginn Lügen: sein Kopfball nach Domi-Flanke hätte drin sein müssen … Ja, Domi ist noch in der ersten Halbzeit für den angeschlagenen Manni gekommen, und Samson wurde durch Moll ersetzt. Moll konnte sich ja 45 Minuten lang anschauen, wie man es nicht machen sollte, und setzt dies auch um.

Ernüchterter Abmarsch

Der Rest dieses zähen Kaugummis ist schnell erzählt: Chancen habe ich keine mehr gesehen, die heutige Ausgabe von Not gegen Elend endet tatsächlich 1:1. Wir verharren also auf Rang 12, drei Punkte vor Heidenheim, die auf dem Relegationsplatz hängen bleiben. Am nächsten Sonntag geht’s für die Eintracht nach Darmstadt, das als Vorletzter ums Überleben kämpft. Wenn wir da so auftreten wie heute gegen Dresden, fressen die uns auf. Frühlingserwachen geht anders – beim Verlassen des Stadions herrscht sehr gedämpfte Stimmung …

Kay-Uwe Rohn

Legende gegen Löwenkäfig

Die Busse beider Mannschaften geben das Motto vor: „Die Legende aus Elbflorenz“ verspricht Tradition und Kultur, unser „Löwenkäfig“ ist da etwas bissiger und verspricht Angriffslust. Sonne, angenehme Temperatur, gefühlt 20 Grad Unterschied zum letzten Spieltag. Alle freuen sich auf unsere Mannschaft mit Biss und Angriffslust; möglichst eine Vorstellung wie gegen Duisburg in der ersten Halbzeit. In den letzten zehn Jahren hieß das Ergebnis siebenmal 1:1. Die Mannschaften liegen in der Tabelle ganz nah beieinander. Für die Löwen kann es nur heißen, „kontrollierte Offensive“ und als Sieger den Platz verlassen.

„Durch Leidenschaft beginnt der Mensch zu leben“

Auf dem Vorplatz der Betonschüssel bieten Fans an einem kleinen Verkaufsstand Motto-Shirts an: „Durch Leidenschaft beginnt der Mensch zu leben“, verspricht der Aufdruck. Die Einnahmen sollen in eine nächste Choreo fließen. Leidenschaft ist diese Saison nicht zu spüren, eher „wir müssen jetzt irgendwie hier durch“. Die Fans sind großartige Mutmacher und ich kann nur hoffen, dass die Choreo nicht zu spät kommt. Großen Dank an die Fans, die dafür ihre Zeit nutzen und mit viel Leidenschaft alles geben, damit der Support seinen Anteil leisten kann.

Elbflorenz gegen Löwenkrallen

Nachdem Bole und Hochscheidt gegen Duisburg vor der Abwehr gespielt haben, nimmt jetzt Samson diese Rolle vor der Viererkette allein wahr. Bole und Hochscheidt rücken eine „Reihe“ weiter nach vorn und wir spielen in einer 4-1- 4-1- Formation. Auf dem Papier sieht das erst einmal offensiver aus. Es scheint, dass Torsten mehr Druck auf die Dresdener Hälfte bringen will. Aber oft gibt es große Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Über das Wirken von Samson ist mittlerweile schon viel geschrieben worden.

Das Experiment hätte genauso gut gelingen können. Es war eben ein großes Risiko, ihn aufzustellen. Der gesamte Abwehrblock wurde in den ersten fünfzehn Minuten regelrecht schwindelig gespielt. Die Zuordnungen passten nicht, unsere rechte Seite bot dem Gegner immer wieder Möglichkeiten. Von der Tribüne aus hatte ich den Eindruck, wir sind nie nah genug am gegnerischen Spieler. Einzig Bole, übrigens mit der größten Laufleistung unserer Mannschaft, war bissig im Sinne eines Löwen. Das Tor hätte früher fallen können. Ein schöner Pfostenschuss der Dresdener kündigte das frühe Gegentor bereits an.

Kritik

Im Sinne förderlicher Kritik nehme ich das Motte unserer Eintracht für die letzten Spiele auf:„Arschhoch – Gemeinsam für die 2. Liga“. Ich sehe das nicht bei den Spielern. Ich sehe nicht, dass jeder Spieler sich dessen bewusst ist und diese Verantwortung auf dem Platz trägt. Ich sehe weiterhin keine Lösung auf der rechten Verteidigerseite. Wenn Maximilian Sauer zurzeit nicht die Leistung bringen kann, die er schon einmal auf den Platz gezeigt hat, dann haben wir einen Robin Becker, der durch sehr gute Schulen gegangen ist.

Dann sollte eben jener kontinuierlich aufgebaut werden. Die Spieler aus der Elbflorenz hatten auch spielerisch mehr zu bieten. Während wir zu 80% hohe Bälle aus der Abwehr nach vorne schlugen versuchten die Dresdener zumindest aus der Abwehr nach vorne zu spielen. Und letztlich sehe ich bei unserem Team eine Mannschaft, die immer wieder in der zweiten Hälfte oder im Schlussviertel konditionelle Probleme hat. Auch hier hätte ich mir gegen Dresden ab der 60. Minute noch einen Wechsel gewünscht.

XXL-Kick

Das war es wirklich nicht. Die Mannschaft ist nach der Halbzeit mit mehr Motivation aufs Feld gekommen. Hofmann hat auch ein Tor geschossen und wir haben uns in ein Unentschieden retten können. Aber ein XXL-Kick war das nicht. Darf man in dieser Phase der Saison sicher auch nicht erwarten. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre für mich aber immer noch ein realistisches Ziel. Mit der Stiftung zusammen realisieren wir einen EINTRACHT XXL-Kick auf andere Art. Ab Ende April, Anfang Mai wird es in der Abteilung Fitness und Gesundheitssport ein neues Angebot für Fans geben. Mittwochabend wird es wöchentlich den XXL-Kick, Fußball auf Kleinfeld mit Mannschaften á fünf bis sieben Spielern geben. In erster Linie richtet sich das Angebot an die Teilnehmer aus Kursen „Fußballfans im Training“
(Ernährung und richtige Bewegung). Interessierte können sich gern über dies Website darüber informieren. Ich bin gespannt, wer zuerst einen XXL-Kick realisieren kann.

Mir ist aufgefallen: „Muskuläre Probleme“ treten bei der Eintracht häufig auf.

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