Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht

Helmdesigner der Formel 1: Jens Munser, Gründer und Inhaber von JMD aus Salzgitter

  • Datum: 16.10.2018
Ein Helm wird mit Streifen beklebt
Foto von Inga Stang
Inga Stang
Alle Beiträge (25)

In Salzgitter-Calbecht werden Sporthelme für die Stars der Rennsportszene veredelt und in die ganze Welt versandt. „Jens Munser Designs“ – kurz „JMD“ – heißt das Unternehmen und hat bereits Formel-1-Größen wie Michael Schumacher und Sebastian Vettel ausgestattet. Mit Bus und Bahn habe ich mich auf den Weg gemacht, um den Mann kennenzulernen, der hinter der Erfolgsgeschichte des Unternehmens steht: Jens Munser.

Ein Haus voller Helme bei JMD

Bereits vor drei Jahren durfte ich einmal über „JMD“ schreiben. Damals haben Jens und ich telefoniert und er schickte mir ein paar Bilder aus den Archiven. Diesmal möchte ich mit eigenen Augen sehen, wie die Sporthelme entwickelt und lackiert werden. Nach einer Stunde Fahrt komme ich in dem unscheinbaren Gebäude im Industriegebiet an und betrete das mit Helmen und Bildern voll behangene Erdgeschoss. „Hallo? Kann ich ihnen helfen“ ruft es von oben – später erfahre ich, man ist hier nicht an Besucher gewöhnt. „Ich weiß Bescheid, bin gleich da!“, ruft Jens Munser – Gründer, Inhaber und Geschäftsführer von JMD. In farbig gesprenkelter Arbeitskleidung kommt er kurz darauf die Treppe hinunter, begrüßt mich und macht uns beiden erst einmal einen Kaffee. Wir setzen uns in den Ausstellungsbereich auf alte Reifen, die zu Sitzmöbeln umfunktioniert wurden. Um uns herum glitzern, funkeln und strahlen dutzende Rennsporthelme aus beleuchteten Vitrinen.

Lackgeruch im Elternhaus

Seine ersten Rennsporthelme, erzählt mir Jens, lackierte er als Jugendlicher im Keller seiner Eltern. „Getrocknet habe ich sie dann im Backofen – das roch dann immer sehr spannend im Haus“, erinnert er sich lachend. Statt Geld für die individuellen Designs zu nehmen, tauschte er sie damals gegen Motocross Equipment ein. Noch heute ist er aktiver Motocrosser und hat seine Leidenschaft für die Piste an seine Söhne weitergegeben. Schnell sprach sich damals in der Szene herum, dass es in Salzgitter jemanden gibt, der Helme lackieren und extravagante Designs entwickeln kann. „Die Rennsportszene ist klein und es gab damals sonst niemanden, der so etwas gemacht hat. Ich war fast der einzige auf dem Gebiet.“ Zusätzlich zur Mundpropaganda warb Jens mit Messeauftritten für seine Helme. Schon nach kurzer Zeit hatte er so viele Anfragen, dass er sich zwei Angestellte leisten konnte und den Keller im Elternhaus gegen eine größere Halle eintauschen konnte.

„Ich wollte eigentlich nie etwas anders machen“

Leidenschaft, die zum Beruf wurde

„Ich wollte eigentlich nie etwas anders machen“, erzählt Jens. „Mir war jedoch klar, dass meine Eltern mir den Vogel zeigen werden, wenn ich ihnen erzähle, dass ich meine Arbeit bei VW kündigen will, um Helme zu lackieren“, erinnert er sich. „Also erzählte ich ihnen erst einmal, dass ich mein Fachabitur machen will. Von da an konnte ich mich voll und ganz dem Lackieren widmen.“ Heute wie damals ist Jens in Salzgitter-Calbecht zu Hause. „Es gab nie einen Grund, wegzuziehen. Hier habe ich meine Freunde, meine Familie und die Miete hier im Industriegebiet ist immer noch günstiger als in Frankfurt oder anderen Großstädten.“

Doch in der Region zu leben und zu arbeiten hat für Jens auch noch andere Vorteile. „Hier kommt niemand einfach so vorbei. Wenn, dann kommen Kunden oder Besucher ganz gezielt hierher und melden sich auch vorher an. Auch unsere Mitarbeiter sind nicht bei uns, weil sie unbedingt in Salzgitter leben wollen, sondern weil sie für die Arbeit brennen. Das wäre sicherlich anders, wenn wir in einer zentralen Großstadt liegen würden.“

Von Salzgitter in die Welt

Der große Durchbruch kam für JMD mit einem Helm für Nick Heidfeld. Der Auftrag kam durch eine Kooperation mit dem Unternehmen Schuberth Helme zustande die im Anschluss weitere Aufträge an JMD vermittelten. Heute stammen viele seiner Kunden aus der Formel 1. Schumacher war einer seiner Stammkunden und Vettel trägt bereits seit seinen Anfängen als Kartfahrer Helmdesigns aus dem Hause JMD. Daneben trugen auch schon Ralf Schumacher, Giancarlo Fisichella, Mark Webber, Rubens Barrichello, Nico Rosberg, Felipe Massa, Daniel Ricciardo, Max Verstappen und viele weitere Helme aus dem Hause JMD.

Mittlerweile lackieren Jens und sein Team nicht mehr nur Helme. Sie stellen auch individuelle Geschenke für Sponsoren oder andere Personen im Rennsport her. Da werden alte Bremsscheiben zerschnitten und dekorativ in Bilderrahmen platziert, Helme abgegossen, versilbert und auf Holz gebracht oder auch Fotobücher aus privaten Handyfotos der Crew und der Fahrer produziert. „Die runden Helmvitrinen sind ebenfalls unsere Erfindung. So etwas gab es vorher gar nicht“, erzählt mir Jens stolz und zeigt auf eine der Vitrinen in der Ausstellung.

Mit Liebe zum Detail

Zum Schluss meines Besuches darf ich in die heiligen Hallen im Obergeschoss sehen. Da wo die Designs in Handarbeit auf die Helme gebracht werden. Konzentriert sitzen die Mitarbeiter an ihren Plätzen und kleben behutsam Muster ab. Diese werden später in der Lackkammer zum Leben erweckt. Seine Inspiration für die Entwürfe findet Jens in verschiedenen Alltagsdingen: „Letztens war es eine Zahnpastatube, die mich mit ihrem grafischen Muster inspiriert hat.“

Auch andere Sportszenen wie Snowboard, Skater oder Surfer inspirieren ihn häufig durch ihre ausgefallenen Designs. „Diese Szenen sind oft experimentierfreudiger und daher dem Motorsport – insbesondere der Formel 1 – in Sachen Design häufig ein paar Schritte voraus.“ Voller Inspiration und beeindruckt von der kreativen und familiären Stimmung im Hause JMD, mache ich mich nach meinem Besuch wieder zu Fuß auf in Richtung der verschlafenen Bushaltestelle in Salzgitter-Engerode und zerbreche mir den Kopf darüber, welchen guten Grund ich finden könnte, um mir selbst einen handgefertigten Helm made by JMD zu gönnen …

0 Kommentare

Kommentieren
Vorheriger Blog
Vergangen, aber nicht vergessen – ehemalige Dörfer im Landkreis Helmstedt
Nächster Blog
Sinnstiftende Arbeit – das A und O für Matthias Adamski, Geschäftsführer der wito GmbH