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Dem Geheimnis des Edelkakaos auf der Spur: „JR Die Schokoladenfabrik“

Produktionsregale mit Schokoladenstückchen in der Schokomanufaktur (Bildrechte: JR Die Schokoladenfabrik GmbH, Foto: Jörg Scheibe)

Ein Wasserfall aus Schokolade, Blumen aus Zuckermasse und essbares Gras. Spätestens seit der Verfilmung von Roald Dahls Kinderbuchklassiker „Charlie und die Schokoladenfabrik“ träumt jedes Kind vom eigenen Süßwarenimperium. Aber wie ist es um eine Schokoladen-Karriere im echten Leben bestellt? Wir haben bei JR Die Schokoladenfabrik GmbH in Peine nachgefragt und ganz nebenbei das Geheimnis des Edelkakaos gelüftet.

Nur so viel vorweg: Lumpalumpas sind es nicht, die in Peine köstliche Schokoladen, Pralinen und schokolierte Früchte produzieren. Vielmehr sorgen auf dem Werksgelände rund 300 Mitarbeiter dafür, dass der Großkunde Lidl zuverlässig mit feinsten Edelkakaoprodukten beliefert wird. Auch ist es nicht Fabrikbesitzer Willy Wonka, der einen Blick hinter die Kulissen der Schokoladenproduktion gewährt, sondern Martin Hönicke, Süßwarentechnologe in der Produktentwicklung, der für seine tägliche Arbeit ähnlich gute Ideen braucht wie die exzentrisch geniale Filmfigur.

Doch bevor uns der Schokoladenerfinder einen Blick in sein durchaus geheimes Labor gewährt, führt er uns über eine ausgeklügelte Desinfektionsanlage hinein in die Fabrikhallen der Rausch’schen Süßwarenproduktion. Nur kurz ist man enttäuscht: Keine Landschaft mit Schokoladenfluss, keine nussknackenden Eichhörnchen – stattdessen vier hochtechnisierte Produktionsanlagen, die auf rund 180.000 Quadratmetern von Fachkräften bestückt, gesteuert, gewartet und ausgebessert werden. Hierfür sucht die Peiner Schokoladenfabrik regelmäßig Süßwarentechnologen, Elektrotechniker sowie Mechatroniker und bildet den Nachwuchs auch gerne selbst aus.

Die vier hochtechnisierten Produktionsanlagen werden auf rund 180.0000 Quadratmetern von Fachkräften bestückt, gesteuert, gewartet und ausgebessert. (Foto: JR Die Schokoladenfabrik GmbH, Foto: Jörg Scheibe)

Pro Tag verlassen rund 340.000 Schokotafeln die Produktion

Während in Wonkas Fantasiefabrik Gesänge und Tänze der Lumpalumpa-Miniatur-Arbeiter die Arbeitsatmosphäre prägen, erhält die Lidl-Premium-Schokolade unter hallenden „Pufftscha“-Geräuschen ihre beliebte Form. Rund acht Arbeitsschritte sind notwendig, bis die sämig fließende Schokoladenmasse als hübsch verpackte Tafel das Fließband verlässt. Zuvor werden die einzelnen Stäbchen geformt, gekühlt und je nach Sorte mit crisper Erdbeer-, Pfirsich- oder Nougatmousse gefüllt. Die süße Metamorphose dauert kaum eineinhalb Stunden, sodass im 24-Stunden-Schichtbetrieb pro Tag rund 340.000 Schokotafeln die Produktion verlassen.

Das alles berichtet uns Martin Hönicke nicht ohne Stolz, während er an den Bändern immer wieder nach dem Rechten sieht. Dann endlich geht es in das mit Spannung erwartete Entwicklungslabor. Doch auch hier: Statt mithilfe stürzender Schoko-Kaskaden wie in Wonkas Süßwarenwunderland sorgt man in Peine mittels technischer Misch- und Temperier-Apparaturen für das gewünschte Glanz-, Schmelz- und Knackverhalten der Lidl-Schokoladen. Doch ganz ohne Mysterium geht die Invention auch hier nicht von der Hand: „Es kommt natürlich auf die Mischung der Zutaten und vor allem auf die Herkunft des Edelkakaos an“, erklärt Hönicke und fertigt extra für uns ein sogenanntes Handmuster, eine Art Prototyp, an dem er neue Rezepturen ausprobiert, bevor sie in die Herstellung gehen.

„Esst Schokolade, das macht glücklich!“

Firmeninhaber Jürgen Rausch

Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle

Während der Wohlgeschmack von Willi Wonkas Süßwaren unmittelbar von dessen Gefühlslage abhängt, gehört Qualitätssicherung bei Rausch ganz selbstverständlich zum Produktionsprozess. Und dabei spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle: „Für die Premium-Qualität von Schokolade ist der verwendete Kakao von entscheidender Bedeutung“, betont Hönicke und erklärt, dass Inhaber Jürgen Rausch daher die Verwendung hochwertigen Edelkakaos zum Grundsatz gemacht habe. Dieser setzt besonderes Know-how bei Anbau und Verarbeitung voraus.  Aus diesem Grund pflegt das Unternehmen eine faire Partnerschaft mit den Kakao-Pflanzern in den Anbaugebieten rund um den Äquator und vertreibt ausschließlich Produkte, die direkt gehandelt, herkunftsgesichert und Fairtrade zertifiziert sind.

Auch die Mitarbeiter in Peine werden vom Unternehmen gefördert. Wie Tim Burtons Schokoladenfabrikant, der sogar die Temperaturen in seiner Süßwarenherstellung an die klimatischen Gewohnheiten seiner Mitarbeiter aus dem tropischen Lumpaland anpasst, stellt man sich auch in der Peiner Schokoladenfabrik auf die Bedürfnisse der Betriebsangehörigen ein. Konkret beutetet das: in Teilen sogar übertarifliche Bezahlung mit Weihnachts- und Urlaubsgeld, betriebliche Altersvorsorge, 30 Tage Urlaub und nach Möglichkeit flexible Arbeitszeiten. Martin Hönicke profitierte zusätzlich von einer individuellen Förderung und absolvierte mit Hilfe seines Arbeitgebers ein Studium der Lebensmitteltechnologie.

Was bleibt also zu sagen nach einem Besuch in der Schokoladenfabrik der Familie Rausch? Zwar sind die Produktionsanlagen im Gewerbegebiet der niedersächsischen Kreisstadt nicht ganz so fantasievoll wie das Süßwarenwunderland in Tim Burtons Hollywoodfilm. Aber Qualitätsanspruch und Nachhaltigkeit der Herstellung machen so große Lust auf Schokolade, dass man gerne den Firmeninhaber Jürgen Rausch zitiert: „Esst Schokolade, das macht glücklich!“

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