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Förderung und Spaß für alle – gelungene Inklusion in der KiTa „Peter und Paul“

Vier Kinder der KiTa „Peter und Paul“ der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. (Bildrechte: Bastian Lüpke)

Inklusion ist eigentlich ja ganz einfach – Engagement und Kreativität vorausgesetzt. Dann profitieren alle davon. Die KiTa „Peter und Paul“ der Evangelischen Stiftung Neuerkerode zeigt, wie es geht und dass man damit am besten bereits im Kindergarten anfängt. In der Integrationsgruppe sitzen dort die Kinder Hanzade und Frieda zusammen mit der Heilerziehungspflegerin Jennifer Polo auf dem Boden und schauen sich mit Folie laminierte Fotos der Kinder und Erzieher der Gruppe an. „Wir haben daraus ein Memory-Spiel gebastelt, weil sich Frieda die Fotos so gerne anschaut“, erzählt Polo. Das Mädchen mit Förderbedarf lernt beim Anschauen der Bilder die Namen und die richtige Aussprache und hat viel Spaß dabei. „Alle anderen Kinder spielen aber auch gerne mit“, erzählt Polo weiter.

14 Kinder aus der Samtgemeinde Sickte besuchen die Integrationsgruppe der KiTa – darunter fünf „I-Kinder“ mit einem besonderen Förderbedarf. Zwei Erzieherinnen und die Heilerziehungspflegerin Jennifer Polo sind die Erwachsenen in der Gruppe. Dabei kümmern sich alle Mitarbeiterinnen um alle Kinder der Gruppe. „Da kann man im Alltag die Aufgaben natürlich nicht trennen“, erzählt Polo – zumal auch die Erzieherinnen Fortbildungen zum Thema besondere Förderung besucht haben. Für die Kinder sind die drei Erwachsenen ebenfalls alle gleichberechtigte Ansprechpartner.

Idyllisches Außengelände

Im Alltag wuseln alle Kinder mit- und durcheinander – entweder im Gruppenraum mit den vielen Spielmöglichkeiten oder auf dem großzügigen Außengelände. „Wir gehen jeden Tag raus – bei Wind und Wetter“, betont Einrichtungsleiterin Renate Stier. Das Gelände um das Kindergartenhaus herum bietet Schaukeln, Klettergerüste, Sandkisten und sogar einen Fußballplatz mit Toren. „Die Kinder lieben das Gelände“, sagt Stier. Idyllisch gelegen ist es ohnehin – außerhalb des Zauns plätschert die Wabe entlang; der Blick schweift über die Felder.

Auch gemeinsame Ausflüge ins Dorf stehen regelmäßig auf dem Programm. Neuerkerode ist für alle Kinder etwas Besonderes. Durch den geringen Straßenverkehr auf dem Stiftungsgelände können die Kinder sich an vielen Stellen frei bewegen. Dort begegnen sie unterschiedlichen Tieren – wie Ziegen, Pferden, Enten und Vögeln – die oftmals frei herumlaufen. Die Kinder besuchen Läden und kaufen ein oder frühstücken im Dorfgemeinschaftshaus. „Ganz wichtig ist auch die Begegnung mit den Menschen im Dorf“, betont Stier. So erfahren die Kinder frühzeitig, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ganz selbstverständlich zur Gesellschaft dazugehören.

Jeder hat seine Stärken und Schwächen

„In der Gruppe merken die Kinder untereinander, dass jeder seine Stärken und Schwächen hat. Bei den Ausflügen in den Ort erfahren sie, dass das auch bei Erwachsenen so ist“, erklärt die Heilerziehungspflegerin Polo. Für die Integrationskinder erstellt sie regelmäßig Förderpläne. Diese beruhen auf ihren Beobachtungen der Kinder. Wo liegen die Stärken und Schwächen? Was lässt sich gezielt fördern? Die Ergebnisse daraus liegen dann allen Kollegen im Kindergarten vor – und alle setzen sie in Alltagssituationen um.

„Ich nehme die Kinder mit Förderbedarf nie aus der Gruppe, um gesonderte Lernsituationen zu schaffen“, sagt Polo. Stattdessen überlegt sie sich Spiele, bei denen Kinder mit und ohne Förderbedarf zusammen spielen. Ein Beispiel dafür ist das selbstgebastelte Foto-Memory. Gemeinsames Spielen, gezielte Förderung einiger Kinder – alles ist darin enthalten. Die Förderung fließt quasi immer wieder mit ein.

Feste Strukturen erleichtern den Alltag

In der Gruppe bestehen zudem feste Strukturen, die den Integrationskindern den Alltag erleichtern. Zum Beispiel gibt es eine feste Sitzordnung beim Essen. „Damit wissen die Kinder: Man muss nicht der Schnellste sein, um an einem bestimmten Platz zu sitzen“, erklärt Polo. Zudem gibt es einen Tagesplan, der mit Bildern und Piktogrammen dargestellt wird. Mit Kindern, deren Sprachentwicklung verzögert ist, arbeitet die Pädagogin mit Gebärden. „Außerdem versuchen wir immer Auswahlmöglichkeiten zu schaffen, sodass Kinder, die nicht so gut sprechen, sich darüber ausdrücken können“, erzählt Polo.

Das Engagement der Heilerziehungspflegerin und ihrer Pädagogen-Kolleginnen zahlt sich aus. Die Kinder haben sichtlich Spaß – und zwar alle zusammen. Und sie nehmen Rücksicht auf ihre Altersgenossen. Der Kindergarten-Alltag im „Peter und Paul“ zeigt, dass Inklusion eigentlich ganz einfach ist.

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