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Fachkräftebündnis SüdOstNiedersachsen: Vernetzung und Fortschritt

Ein Facharbeiter in einer Maschinenhalle. (Bildrechte: iStock)

Unsere Region braucht Fachkräfte. Ob es um Wasserstoff, Digitalisierung oder den großen Bedarf in der Pflege geht – in vielen Bereichen sind wir auf gut ausgebildete Arbeitnehmerinnern und Arbeitnehmer angewiesen. Lösungsansätze entstehen durch die regionale Zusammenarbeit der Arbeitsmarktpartner, wie sie vom Fachkräftebündnis Südostniedersachsen organisiert wird. Wie arbeitet das Bündnis, wie vermittelt es Fördermittel, welche Projekte wurden ins Leben gerufen? Ein Überblick.

Eine wichtige Veranstaltung des Fachkräftebündnisses fand im Sommer 2022 im Braunschweiger Trafo Hub statt. In lockerer Start-up-Atmosphäre und an eine kleine Messe erinnernd, präsentierten sich verschiedene Projekte von ganz unterschiedlichen Trägern. Gemeinsam war allen das Ziel, sich untereinander besser zu vernetzen und potenzielle neue Projektträger auf Fördermöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Das Ziel: Eine gute Fachkräfteversorgung für die Region

Das Fachkräftebündnis Südostniedersachsen hat das Ziel, die Fachkräfteversorgung zu sichern und die dafür notwendigen Strukturen zu verbessern. Die Schwerpunkte liegen aktuell auf den Bereichen Pflege, Digitalisierung, Transformation und der Integration qualifizierter ausländischer Fachkräfte in den Arbeitsmarkt der Region.

Getragen wird das Bündnis von allen acht Gebietskörperschaften der Region (Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und den Landkreisen Helmstedt, Gifhorn, Wolfenbüttel, Goslar und Peine) den Arbeitsagenturen, Gewerkschaften, Kammern, Verbänden, Hochschulen sowie weiteren Organisationen wie dem Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig und der Allianz für die Region GmbH.

Anlass der Veranstaltung im Trafo Hub war der Beginn der neuen EU-Förderperiode: „Seit dem 1. Juli stehen 1,7 Millionen Euro an neuen Fördermitteln zur Verfügung“, sagt Kerstin Schläger von der Allianz für die Region. Sie betreut das Fachkräftebündnis und weist darauf hin, dass die Fördermittel für innovative Fachkräfteprojekte beantragt werden können. „Voraussetzung ist, dass die Projekte stets einen regionalen Wirkungskreis haben, also idealerweise in allen oder zumindest in mehreren Gebietskörperschaften umgesetzt werden.“

„Die Geschäftsstelle berät potenzielle Projektträger und unterstützt bei der Antragstellung.“

Kerstin Schläger, Allianz für die Region

Drei Projektbeispiele

Seit der Gründung im Jahr 2015 wurden 36 Projekte aus EU-Mitteln gefördert, davon befinden sich zurzeit 12 Projekte noch in der Umsetzung. Im Trafo Hub stellte sich beispielsweise das Projekt „Pflegenetzwerk neu gedacht“ vor, dass die regionale Vernetzung und Kooperation von Pflegeeinrichtungen optimiert, um dadurch die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Pflegefachkräfte in der Region SüdOstNiedersachsen zu stärken.

Das zweite Hauptziel, so Projektinitiatorin Nadine Muthmann, bestehe darin, das Thema Diversity im Rahmen eines organisierten kollegialen Austausches zu vertiefen. „Die Erfahrungen des Welcome Centers und des Projekts „Kompetent in Pflege“ haben gezeigt, dass viele Pflegeeinrichtungen bereits Fachkräfte aus dem Ausland rekrutiert haben oder dies zeitnah planen“, sagt Muthmann. Häufig komme es bei dem Vorgang aber zu großen Herausforderungen. „Mit unserem Projekt fördern wir einen besseren fachlichen Austausch untereinander und tragen zu mehr Verständnis zwischen neu zugewanderten und etablierten Pflegekräften bei“, betont sie.

Nadine Muthmann engagiert sich im Projekt für ein regionales Pflegenetzwerk.
Nadine Muthmann engagiert sich im Projekt für ein regionales Pflegenetzwerk. (Foto: Matthias Leitzke)

Zusätzlich will das Projekt eine gemeinsame Öffentlichkeitskampagne in den sozialen Medien für die gesamte Pflegebranche durchführen. Die Kampagne hat zum Ziel, das Selbstverständnis der Pflegebranche zu stärken und das Image der Pflege in der Öffentlichkeit sowie bei Erziehungsberechtigten und Lehrkräften zu verbessern.

Digitale Kompetenzen ausbauen

Es betrifft fast alle Branchen: Die digitale Transformation zwingt Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Sie erfordert weiterhin neue Investitionen in Produkte und Technologien und erfordert neue Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das Projekt „Digitale Kompetenzen in der Weiterbildung“, angesiedelt an der Ostfalia Hochschule, findet Antworten auf die Frage, wie und wo Unternehmen ihr Personal auf die Transformation vorbereiten, damit es qualifiziert ist. Konkret konnten bedarfsorientierte Weiterbildungsinhalte- und Formate auf Basis persönlicher Gespräche mit Geschäftsführern, Angestellten und Bildungsträgern entworfen werden. „Nur mit vereinten Kräften lässt sich die Zukunft – und damit der Erhalt der Arbeitsplätze – positiv für Unternehmen und Beschäftigte gestalten“, betont Jean-Michel Meier von der Ostfalia Hochschule.

Drei junge Männer stehen hinter einem Messe-Tisch.
Drei wissenschaftliche Mitarbeiter der TU Braunschweig und Ostfalia stellen das Projekt "Digitale Kompetenzen in der Weiterbildung" vor. (Foto: Matthias Leitzke)
Kostenfrei und praktisch

Ein Talentpool für Unternehmen

Die Vernetzung und der Erstkontakt zwischen Fachkraft und Firma ist in Zeiten des Fachkräftemangels ein Riesenthema. Ein Projekt, was in der Region weiterhelfen kann, ist der Talentpool der 4A-SIDE GmbH, getragen vom Arbeitgeberverband Region Braunschweig. Er gibt Unternehmen eine einfache, kostenfreie Plattform sich als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren und ermöglicht es im Gegenzug Fachkräften, anonym ihre Fähigkeiten und Erfahrungen darzustellen. Sie müssen nichts weiter tun und werden von interessierten Unternehmen angesprochen – die wiederum aktiv Bewerbervorschläge bekommen und Zeit und Geld beim Recruiting sparen können. Dadurch, und das ist besonders wichtig, bleiben Talente der Region erhalten und im Bewerberpool, selbst wenn es mit dem einen Wunsch-Job nicht geklappt hat.

Drei Frauen stehen hinter einem Messe-Tisch.
Der Talentpool des AGV ist eine Plattform, auf der Fachkräfte und Unternehmen einfach und unkompliziert zueinander finden können. (Foto: Matthias Leitzke)

„Ohne den Talentpool hätten die Unternehmen vermutlich noch Wochen oder Monate nach passenden Kandidat:innen gesucht.“

Katinka Bertrix, 4A-SIDE GmbH

Wie läuft die Vermittlung und Bewilligung von Fördermitteln ab?

Die Antragstellung und Bewilligung erfolgt bei der NBank, der Förderbank des Landes Niedersachsen. Davor aber, so Kerstin Schläger von der Allianz für die Region, steht noch ein zweistufiges Verfahren im Fachkräftebündnis. Dies sieht vor, dass der Projektträger die Idee zunächst als Kurzskizze im Steuerkreis vorstellt. Wird die Idee von diesem Gremium befürwortet, erstellt der Projektträger den so genannten „Langantrag“, über den im Steuerkreis dann abgestimmt wird. Wird hier die Zustimmung erteilt, erstellt das Bündnis abschließend eine positive fachkundige Stellungnahme für die NBank. Bei diesem Prozess berät und unterstützt die Geschäftsstelle des Bündnisses. 

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