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Helmstedt – so gelingt Integration von Migranten und Flüchtlingen

Juleum  (Bildrechte: Thomas Kempernolte)

Mit Grenzen und ihrer Überwindung kennt man sich in Helmstedt aus: Die Offenheit, mit der sich die frühere Grenzregion ihren Nachbarn aus den neuen Bundesländern zugewendet hat, will man nun auch mit Blick auf neu zugewanderte Mitbürger leben. Zu diesem Zweck hat der Landkreis eine ganze Reihe praktischer Hilfs- und Orientierungsangebote gebündelt: vom Refugees-Guide über den Erste-Hilfe-Wortschatz bis zur Welcome-App. Entdecken Sie mit uns, wie Integration vor Ort gelingen kann!

Zweite Integrationskonferenz des Landkreises: Die erarbeiteten Handlungsempfehlungen werden in sechs Arbeitsgruppen priorisiert. (Foto: Landkreis Helmstedt)

Sinkende Einwohner- und steigende Flüchtlingszahlen – aus der Not will man im Landkreis Helmstedt eine Tugend machen. Während seit der Wiedervereinigung die Bevölkerungszahl in der Region langsam, aber stetig sinkt, steigt die Zahl der registrierten Flüchtlinge: über 500 Menschen kamen allein 2016 auf der Suche nach einem neuen Leben nach Helmstedt. Von den etwa 91.500 Bewohnern des Landkreises haben rund fünf Prozent einen ausländischen Pass und gut 15 Prozent eine Zuwanderungsgeschichte.

Aus der Herausforderung eine Chance machen

„Das ist für uns eine große Herausforderung und gleichzeitig eine große Chance“, betont Hans Werner Schlichting, Erster Kreisrat, der unter anderem die Integrationsangelegenheiten im Landkreis koordiniert. „Wichtig sind uns vor allem die Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Migrationshintergrund und natürlich ein gelingendes Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger, mit und ohne Zuwanderungsgeschichte.“

Um integrationsfördernde Aktivitäten zu initiieren und zu steuern, hat der Landkreis Handlungsempfehlungen vorgelegt, in die sich Akteure aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens, aus Haupt- und Ehrenamt, mit Ideen, Projekten und Initiativen eingebracht haben. Die darin definierten Handlungsfelder mit Leben zu füllen, ist die tägliche Arbeit von Ilona Stolpmann und ihrer Kollegin Angela Dynatowski, Mitarbeiterinnen im Büro für Integrationsangelegenheiten, das der Landkreis seit Anfang 2016 eingerichtet hat.

„Wir koordinieren und steuern die Integrationsarbeit beim Landkreis Helmstedt“, erklärt Stolpmann. Konkret heißt das, dass die beiden Integrationsbeauftragten nicht nur mit unterschiedlichen Multiplikatoren aus der Region, wie zum Beispiel dem Jobcenter, der Diakonie oder auch der Kreisvolkshochschule zusammenarbeiten, sondern auch in der Verwaltung des Landkreises als Schnittstelle fungieren. „Integration findet ja in erster Linie vor Ort statt. In der Nachbarschaft, im Verein, am Arbeitsplatz und natürlich in Kitas und Schulen. Aber auch wir in der Verwaltung können mit Offenheit und Freundlichkeit einen großen Beitrag leisten.“

Sprachförderung, Bildung, Arbeit und Wirtschaft, Interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur, Gesundheit und Soziales sowie Freizeit, Sport und Kultur heißen die Handlungsfelder, in denen der Landkreis Helmstedt für eine bessere Integration aktiv werden will. Im Bereich Sprachförderung will man vor allem Zugänge erleichtern und beispielsweise Kurse mit integrierter Kinderbetreuung anbieten. Darüber hinaus sollen auch ehrenamtliche „Nachhilfe-Paten“, die gezielt Einzelpersonen unterstützen, geschult und gefördert werden.

Helmstedt macht mobil

Bei so vielen Angeboten übersieht man leicht, dass gerade für Asylsuchende Teilhabe leicht an den simpelsten Grundvoraussetzungen scheitert, zum Beispiel an fehlender individueller Mobilität. Während es für die meisten Menschen selbstverständlich ist, Wege mit Bus, Bahn oder Auto zu überwinden, kann dies für Asylsuchende zu regelrechten Integrationshürden werden. Denn mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus dürfen sie ihren Wohnort nicht frei wählen, sind oft am Ortsrand untergebracht und verfügen kaum über Geld für öffentlichen Nahverkehr. Um dies zu ändern, sollen in Helmstedt Sozialtickets und Fahrradkurse angeboten werden.

Sprachkurs, Fußballtraining oder interkulturelles Straßenfest – Voraussetzung fürs Mitmachen ist, dass man von den Angeboten weiß. Auch hier ist man in Helmstedt aktiv, und zwar nicht nur wenn es um Freizeitgestaltung geht. Wie finde ich mich sprachlich zurecht? Wie kann ich ein Konto eröffnen? Wie funktioniert das Schulsystem für mein Kind? Nicht nur auf der Webseite des Landkreises sind zahlreiche wichtige Informationen gebündelt, seit 2017 heißt Helmstedt Geflüchtete, Migranten und andere Zuwanderer auch per Welcome-App im Landkreis willkommen.

In der App, die über die gängigen Stores kostenlos heruntergeladen werden kann, finden sich allgemeine Informationen über Deutschland, seine Landkreise und seine Kommunen. Außerdem werden wichtige Ansprechpartner genannt. Das Besondere: Wer Informationen hinterlegen will, kann das ganz einfach tun – mit einem Formular unter www.helmstedt.de/welcomeapp.

Regionenübergreifendes Welcome Center

Überhaupt setzt man große Hoffnungen in eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen, Migranten, Zuwanderern und ausländischen Studierenden, denn im Landkreis Helmstedt und der ganzen Region fehlen hunderte Fachkräfte. Aus diesem Grund hat das Fachkräftebündnis Südostniedersachsen an den Standorten Braunschweig und Wolfsburg Welcome Center eröffnet, um die Willkommenskultur zu stärken, die bestehenden Beratungsangebote zu vernetzen, die Standortattraktivität zu steigern und ausländischen Fachkräfte mit ihren Familien das Ankommen in der Region zu erleichtern.

Auch hier ist das Helmstedter Integrationsbüro ein enger Kooperationspartner und unterstützt zum Beispiel ein gemeinsames Projekt, das vor allem jüngeren Flüchtlingen, Migranten und Zuwanderern den Weg in eine perspektivgebende Ausbildung erleichtern soll. Im Landkreis Helmstedt geht man davon aus, dass Integration Jeden und Jede angeht. Wenn die Aufgabe so angenommen wird, kann die Integration einen größeren Erfolg bringen.

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