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Grenzen überwinden - Helmstedter Universitätstage

Vier Personen diskutieren auf einem Podest auf den Helmstedter Universitätstagen (Bildrechte: Stadt Helmstedt)

Informationen: Wer an Helmstedt denkt, denkt an Geschichte: vor allem, weil sich dort bis zur Wiedervereinigung der wichtigste Grenzübergang zwischen BRD und DDR befunden hat. Seither nimmt die Stadt eine besondere Rolle bei der Aufarbeitung der deutsch-deutschen Teilungsgeschichte ein und hat mit den Helmstedter Universitätstagen ein wichtiges Podium geschaffen.

Auf den Helmstedter Universitätstagen diskutieren jedes Jahr renommierte Wissenschaftler im Dialog mit der Öffentlichkeit, wie man Grenzen in der politischen Realität und in den Köpfen der Menschen besser überwinden kann. Wir laden Sie ein auf eine Entdeckungstour, auf der neben der Helmstedter Universitätstradition auch das Projekt Grenzenlos lebendig wird.

Eine Universität aus dem 17. Jahrhundert  

Jedes Jahr im Herbst erwacht das Helmstedter Juleum zu neuem Leben. Dann füllt sich das ehemalige Universitätsgebäude mit der markanten roten Fassade mit Wissenschaftlern und Publizisten aus ganz Deutschland und Europa. Zwei Tage lang sprechen sie darin nicht nur über die unterschiedlichen Entwicklungen der beiden deutschen Staaten, sondern befassen sich in Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen ganz generell mit der Frage, wie Grenzen überwunden werden und Ost und West noch besser zusammenwachsen können. Dabei bleiben die Forscher keineswegs unter sich, denn, so erläutert es Professor Martin Sabrow, wissenschaftlicher Leiter der Helmstedter Universitätstage: „Wir wollen mit diesem Format dazu beitragen, Grenzen durchlässiger zu machen: die Grenzen zwischen Ost und West, die Grenzen zwischen politischem Zentrum und politischer Peripherie, die Grenzen zwischen Fachwissenschaft und Öffentlichkeit.“

Dabei knüpft die 1995 ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe an die 250-jährige Tradition Helmstedts als Universitätsstadt an, von der bis heute das prunkvollen Hauptgebäude und auch die ehemalige Universitätsbibliothek zeugt. Zahlreiche Persönlichkeiten, wie zum Beispiel der ehemalige italienische Dominikanermönch Giordano Bruno, weilten damals an der 1576 von Herzog Julius, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, gegründeten Universität, die die erste protestantische Alma Mater in der Nordhälfte Deutschlands war. Schnell verbreitete sich ihr Ruf, sodass die Academia Julia zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur drittgrößten Universität im deutschen Sprachraum aufstieg.

Religion: Stiftet sie Frieden oder Auseinandersetzung?

Zurück in der Gegenwart betont Tobias Henkel, Beiratsvorsitzender der Universitätstage, dass die Universitätstage auch eine wichtige Plattform für Debatten über aktuelle weltpolitische Konflikte sein möchten. „Gerade vor dem Hintergrund der protestantisch-katholischen Glaubenskonflikte, die wir in Helmstedt aus der Geschichte gut kennen, kann man hier sehr gut über die Frage diskutieren, inwieweit Glaube und Religion zu Versöhnung beitragen, aber auch Ursache für gewalttätige Auseinandersetzungen sein können.“

Neben der akademischen Debatte tragen die Helmstedter Universitätstage durch ein attraktives Rahmenprogramm zum kulturellen Angebot der Stadt bei. Und sie geben auf den Schüler- Universitätstagen der jungen Generation Raum, um eigene Arbeiten und Projekte zu politischen und historischen Fragestellungen im Foyer des Juleums auszustellen und zu präsentieren.

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Das ehemalige Universitätsgebäude mit der markanten roten Fassade: Helmstedter Juleum (Foto: Stadt Helmstedt)

Geschichte live erleben

Überhaupt wird Geschichtsvermittlung mit Blick auf die Vergangenheit der deutsch-deutschen Teilung in Helmstedt großgeschrieben. So bietet das Projekt „Grenzenlos“ eine Rundfahrt an, die ihre Teilnehmer in dreieinhalb Stunden vom Zonengrenzmuseum Helmstedt über die Grenzanlagen in Hötensleben zur Gedenkstätte Marienborn führt. Für diese Rundfahrt wurden wertvolle Zeitdokumente mit wissenschaftlich fundierten Hintergrundinformationen zu einer historischen Reise durch die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung kombiniert.

Die jährlich in zeitlicher Nähe zum „Tag der Deutschen Einheit“ stattfindenden Helmstedter Universitätstage verstehen sich als akademischer Teil dieses Projekts, das mit seiner Kombination aus erlebbarer Geschichte und wissenschaftlicher Aufarbeitung einzigartig ist. Beide Angebote sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

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