Zum Inhalt springen

„Wir sind Dolmetscher zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“

Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften  (Bildrechte: Ostfalia – Zentrum für gesellschaftliche Innovation)

Die Ostfalia Hochschule unterhält seit zwei Jahren ein Zentrum für Gesellschaftliche Innovation. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Andres Jain vom Standort Salzgitter über das Zentrum, seine Aufgaben und Ziele.

Herr Prof. Dr. Jain, was verstehen Sie unter gesellschaftlicher Innovation?

Unsere Gesellschaft verändert sich permanent – durch eine Vielzahl von Einflüssen: neue Moden, neue Ideen, wichtige Ereignisse. Diese Veränderungen kommen zunehmend schneller auf uns zu und sie führen zu immer komplexeren Effekten. Es braucht die vereinte Kompetenz aus allen Fachrichtungen, damit wir als Gesellschaft mit diesem stetigen Veränderungsprozess Schritt halten und daraus positive Entwicklungen für uns alle ableiten können. Zum Beispiel in den Bereichen digitale Transformation, Gesundheitswesen oder Gemeinwohl.

Welche Rolle spielt hierbei Ihr Zentrum für Gesellschaftliche Innovation an der Ostfalia?

Wir bündeln die Kompetenzen von verschiedenen Wissenschaftlern an der Ostfalia, da die Veränderungsprozesse so komplex sind, dass eine Disziplin sie alleine gar nicht abdecken könnte. Ein aktuelles Beispiel ist die Elektromobilität: Wir alle stehen bekanntermaßen staunend vor der Frage, warum Elektroautos bisher so einen geringen Marktanteil haben. Ich glaube, dass es dafür einen Grund gibt: Viele Entwicklungen und Innovationen sind technikgetrieben. Wenn diese nur durch die naturwissenschaftliche Ingenieursbrille betrachtet werden, fehlt oft der Blick auf die Bedürfnisse des Kunden. Wir müssen uns heute und in der Zukunft noch viel mehr mit der Frage beschäftigen, welche Ansprüche die Kunden an neue Technologien haben. Daher bündeln wir mit unserem Zentrum die Kompetenz von Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlern und befassen uns dann im Dialog mit der Naturwissenschaft mit genau diesen Fragen.

Mit welchen Fragestellungen und Themen befassen Sie sich?

Das ist sehr vielseitig. Da geht es um Mobilitätskonzepte, allen voran E-Mobility, aber auch die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten. Eines unserer großen Projekte namens ZUFOR beispielsweise befasst sich mit der Digitalisierung von Fahrzeugen und integralen Sicherheitssystemen – und der Frage, wie diese möglichst praxis- und anwendergerecht entwickelt werden können.

Sind Sie damit Mittler zwischen technischen Innovationstreibern und möglichen Kunden?

Genau. Denn wenn es nicht gelingt, eine technische Innovation in der Gesellschaft zu verankern, dann ist sie nutzlos und bleibt hinter ihren Potenzialen zurück.

Das Team des Zentrums für gesellschaftliche Innnovation (Foto: Ostfalia – Zentrum für gesellschaftliche Innovation)

Wie reagieren Ingenieure, wenn Sie sich hier gewissermaßen einmischen?

Nun, es gibt schon mal Reibereien (lacht). Aber im Endeffekt helfen wir ja, die Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Ich habe aber festgestellt, dass gerade junge Wissenschaftler und Entwickler mehr und mehr ein offenes Ohr für gesellschaftliche Fragestellungen mitbringen. Ich erlebe einen zunehmenden Blick über den Tellerrand, und das ist gut so.

Gerade junge Wissenschaftler und Entwickler bringen mehr und mehr ein offenes Ohr für gesellschaftliche Fragestellungen mit.

Prof. Dr. Andres Jain

Wie genau behandeln Sie diese Fragen?

Das wichtigste ist zunächst einmal, ein Klima zu schaffen, in dem Innovationen möglich sind. Viele große Konzerne denken hier noch zu sehr in Schablonen – und Mitarbeiter mit guten Ideen trauen sich vielleicht gar nicht, ihre Ideen zu äußern: aus Sorge, es könnte sich um einen Irrweg handeln. Wir schaffen eine zwanglose Plattform für den Austausch von Ideen und eine Innovationskultur, die auch vor ungewöhnlichen Lösungen nicht haltmacht. Fehler dürfen dabei durchaus gemacht werden, denn man kann aus Ihnen Wertvolles lernen.

Suchen Sie noch Mitstreiter?

Unbedingt. Im Herbst halten wir ein Netzwerktreffen ab – und unsere Geschäftsstelle in Salzgitter hat ein offenes Ohr für spannende Ideen und Projekte. Alle, die sich beteiligen möchten, dürfen sich gerne bei uns melden.

Eine Frage zum Schluss: Was gefällt Ihnen hier an der Region besonders gut?

Ganz klar die Forschungslandschaft: Es begeistert mich zu sehen, dass es hier nicht nur eine unglaubliche Vielfalt an Forschungsdisziplinen gibt, sondern vor allem eine ganz große Offenheit der einzelnen Disziplinen und Fachbereiche, miteinander zu arbeiten und sich auszutauschen.

Vorheriger Artikel
Guter Sound und tolles Bild – Digitaltechnik im Astoria Kino
Nächster Artikel
MAN in Salzgitter: gut aufgestellt für die Zukunft