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Entdecke den Urmenschen in dir - paläon

 (Bildrechte: paläon GmbH)

Ein schöner Herbsttag im niedersächsischen Schöningen: Sanft streicht der Wind durch das dichte Schilf am Ufer eines Sees, vor dem eine Herde von etwa zwanzig Pferden mit ihren Jungtieren grast. Plötzlich hebt eines der Tiere aufmerksam den Kopf und wittert: Ist da etwas? Schon im nächsten Moment ertönen laute Schreie aus dem Dickicht. Speere fliegen durch die Luft. Die Pferde sitzen in der Falle. Vor ihnen angreifende Jäger, hinter ihnen der unüberwindbare See. Schon finden die nächsten Speere ihr Ziel...

Sensationsfund im Tagebau

Zugegeben, Niedersachsen und Schöningen gab es noch lange nicht, als sich diese Jagdszene abspielte. Ansonsten aber könnte es genauso gewesen sein, vor 300.000 Jahren in einer Steppenlandschaft an einem See in der Altsteinzeit. Die Pferde damals waren natürlich keine Haustiere, wie wir sie heute kennen, sondern Urwildpferde mit dem wissenschaftlichen Namen Equus mosbachensis. Und die Jäger waren Vertreter des Steinzeitmenschen Homo heidelbergensis. Aber die dramatischen Ereignisse im Paläolithikum haben Spuren bis ins 21. Jahrhundert hinterlassen.

Zeitsprung – derselbe Ort, 300.000 Jahre später: Schöningen, 1994. Der Archäologe Hartmut Thieme steht am Rand eines großen Braunkohletagebaugebiets. Als Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege gehört es zu seinen Aufgaben, die von den Schaufelradbaggern im Helmstedter Braunkohlerevier aufgeschlossenen Erdschichten nach prähistorischen Fundstücken zu untersuchen. Seine Grabung hat er genau an der Stelle durchgeführt, an der in der Steinzeit der Lagerplatz der Urzeitjäger war. Er stößt auf acht vollständig erhaltene Holzspeere – die ältesten bekannten Waffen der Menschheitsgeschichte, eine wissenschaftliche Sensation! Im Laufe der weiteren Grabungen fanden die Forscher Reste von Steingeräten und 12.000 Tierknochen, die meisten von Wildpferden. Ihr Zustand lässt darauf schließen, dass die Tiere hier gejagt und zerlegt wurden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen uns heute die menschliche Frühgeschichte mit ganz anderen Augen sehen.

Steinzeit im Museum der Zukunft

Ein weiterer Zeitsprung, diesmal aber nur um zwanzig Jahre: Am 24. Juni 2013 öffnet das paläon. Der volle Name paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere verrät bereits, dass hier auf interaktive Wissensvermittlung rund um den steinzeitlichen Sensationsfund größten Wert gelegt wird. Und dass Wissensvermittlung auch noch Spaß macht, ist bei dem innovativen Ausstellungskonzept kein Widerspruch!

 (Bildrechte: paläon GmbH)
2013 eröffnete das moderne und spektakuläre Forschungs- und Erlebniszentrum paläon (Foto: paläon GmbH)

Die Zeugen der Steinzeit kommen in einem wahrhaft futuristisch anmutenden Gebäude zur Geltung, in dem sich der niedersächsische Himmel und die umgebende Landschaft spiegeln. Es wirkt fast wie eine Fata Morgana, die den Blick zurück in die Zeit erlaubt.

Vor dem paläon lebt in einer großzügigen Parkanlage eine Herde Wildpferde. Die Landschaft ist dem Paläolithikum nachempfunden. Die Bepflanzung orientiert sich am steinzeitlichen Vorbild. Landschaftstypen zwischen Steppe und Wald erlauben es, sich wie auf einer Zeitreise zu fühlen.

Im Museumsteil des Forschungs- und Erlebniszentrums stehen natürlich die Schöninger Speere im Zentrum. Das von den Jahrtausenden geschwächte Holz ist in einem aufwendigen Prozess mit einem speziellen Kunstharz stabilisiert worden. Gänsehautfeeling pur: Heute können Sie in einer Vitrine jene Waffen betrachten, die von den Steinzeitmenschen genau an dieser Stelle auf ihre Beute geschleudert wurden. Neben diesen spektakulären Fundstücken bietet das paläon aber noch mehr: So können Sie an den zahlreichen Mitmach- und Erlebnisstationen des innovativen Ausstellungskonzepts selbst zum Vorgeschichtsforscher werden. Beispielsweise im interaktiven Besucherlabor, wo Sie Mikroskopen einen Blick auf die frühesten Zeugnisse kollektiver menschlicher Intelligenz werfen. Oder werden Sie Zeuge jener frühgeschichtlichen Jagdszenen, die in der Ausstellung detailgenau inszeniert sind. Sie können aber auch einen Blick in die Klimageschichte wagen und sich direkt in die Phase zwischen zwei Eiszeiten versetzen lassen. Erleben Sie, wie der frühe Mensch sich den veränderten Umweltbedingungen anpassen musste. Das alles up to date und auf höchstem museumspädagogischem Niveau.

Wissenschaft live für jedermann

Im transparenten Labor sehen Sie sogar „echten“ Wissenschaftlern bei ihrer Forschungsarbeit zu. Denn das paläon ist nicht nur ein Erlebnis-, sondern auch ein Forschungszentrum von internationalem Rang. Archäologen aus der ganzen Welt nutzen die Gelegenheit, Einblicke in die Steinzeit zu nehmen. Dabei kommen ständig neue Funde zu Tage. So wurden erst kürzlich die Überreste eines Waldelefanten geborgen – eine weitere Weltsensation, denn die Knochen liefern den Beleg dafür, dass die Frühmenschen selbst vor diesen körperlich deutlich überlegenen Riesen nicht Halt machten.

In Sonderausstellungen entdecken Sie zusätzliche Aspekte der Steinzeitwelt: Zurzeit begegnen Sie den furchteinflößenden Säbelzahnkatzen, den wohl mächtigsten Gegnern, denen sich die Urmenschen stellen mussten. Erleben Sie hautnah, was es bedeutet, Auge in Auge einer etwa 200 Kilogramm schweren Katze mit riesigen Zähnen gegenüberzustehen.

Oder lassen Sie sich von speziellen Veranstaltungen begeistern: Expeditionen durch die steinzeitliche Artenvielfalt im Park, öffentliche Vorträge oder Familien-Mitmach-Führungen an jedem Wochenende und in den Schulferien. Wenn Sie danach noch genug Energie haben, mieten Sie sich einfach eines der E-Bikes und erkunden die weitere Umgebung zwischen Tagebau und Ausgrabungsstellen.

Lernen jenseits der Schule

Geschichtsunterricht wird oft als trocken empfunden. Ganz anders im paläon – es wurde bewusst als außerschulischer Lernort konzipiert. Hier haben Kinder aller Altersstufen die Möglichkeit, Menschheitsgeschichte zu erleben. Schulklassen können fachbezogene und fachübergreifende Lern- und Erlebnisangebote für alle Schulformen wahrnehmen und unterschiedlichste Themenbereiche kennenlernen. Von der Entwicklung des Menschen bis zu zukunftsweisenden Fragen wie dem Klimawandel. Speziell geschulte Museumslehrer stehen ihnen dabei zur Seite.

 (Bildrechte: paläon GmbH)
Der "Erlebnisparcours" zeigt, was man alles beherrschen musste um damals überleben zu können: Feuer machen, Fährten lesen, Speere werfen. (Foto: paläon GmbH)

Zusätzlich gibt es Angebote in der Lehrerfortbildung, Programme für Kitas sowie Ferien- und Experimental-Workshops zu Themen wie „Wie arbeiten eigentlich Archäologen?“ oder „Survival-Training: Speere schnitzen und jagen wie in der Altsteinzeit“.