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Zurück zur Natur –
der Heerter See

Aufnahme vom Heerter See (Bildrechte: Marvin Reepschläger)

Zwischen Gebhardshagen und Barum liegt der Heerter See – ein 272 Hektar großes Gelände, das unter Naturschutz steht. Das ist bemerkenswert, denn dieser See entstand in den 1950er-Jahren als Absetzteich für Schlämme aus der Eisenerzwäsche und wurde bis in die 1970er-Jahre industriell genutzt. Heute finden wir hier ein Idyll.

Von der ehemaligen Erzindustrie ist an diesem Gewässer nichts mehr zu sehen. Das Gebiet steht sogar seit 1984 wegen seiner Bedeutung für den Vogelzug und als Brutgebiet unter Naturschutz. Ganz aktuell ist auch das angrenzende Strauchholz als Naturschutzgebiet ausgewiesen, hier darf sich der Wald also völlig ungenutzt weiterentwickeln.

Auf einer Holztreppe geht’s los auf den Damm

Wir starten den Besuch im „Europäischen Vogelreservat Heerter See“ – so der offizielle Name – kurz hinter der kleinen Ortschaft Salzgitter-Heerte. Hier markiert ein kleiner Parkplatz direkt hinter der Ortsausfahrt in Richtung Gebhardshagen den Einstieg in das Naturschutzgebiet. Dass wir hier richtig sind, zeigt uns das Schild der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Eingebettet in einen grünen Baumgürtel führt eine steile Holztreppe auf den 20 Meter hohen Damm, der im Norden, Osten und Westen den See begrenzt. Auf dem Damm beginnt ein knapp sechs Kilometer langer Rundwanderweg und führt einmal um das ganze Gewässer herum.

Eingebettet in einen grünen Baumgürtel führt eine steile Holztreppe auf einen Rundwanderweg. (Foto: Marvin Reepschläger)

Der Treppenaufgang „Heerter See“ wurde durch die damalige Bürgerumweltinitiative SZ e. V. ermöglicht. Das Expo-Projekt wurde im Jahr 2000 von den Berufsbildenden Schulen Fredenberg in Eigenregie durchgeführt. Ein Schild am Treppenaufgang dankt den beteiligten Schülern und Lehrern namentlich – eine schöne Geste!

Oben angekommen, ist noch nichts vom See zu sehen. Stattdessen sind wir an diesem sonnigen Sommertag von viel Grün und blühenden Hagebuttenbüschen, Sanddornsträuchern und Wildkräutern umgeben. Zarte Libellen und Schmetterlinge schweben durch die Luft. Natur pur! Auf Infotafeln am oberen Ende der Treppe wird das noch einmal erläutert. Hier wird eindrücklich darauf hingewiesen, dass der Schutz der Natur Vorrang hat – auch vor der Erholung.

Außerdem werden alle Besucher gebeten, die Ruhe der Natur nicht zu stören, den Rundwanderweg nicht zu verlassen, Hunde anzuleinen, jede Benutzung des Gewässers zu unterlassen und das Gebiet nicht zum Grillen, Lagern oder Picknicken zu nutzen. Diese Maßnahmen helfen, das Teichgebiet der Natur zu überlassen und Eingriffe durch den Menschen zu reduzieren. Sie dienen auch der Sicherheit der Besucher, denn die mächtigen Schlammschichten von bis zu 13 Metern sind wahrlich nicht zum Betreten geeignet…

Himmlische Ruhe – nur das Knirschen der Schritte

Ein Schotterweg führt links in Richtung Beobachtungsturm. Ein paar hundert Meter weiter wird das grüne Dickicht zu unserer Rechten langsam lichter, durch die Büsche schimmert die glitzernde Wasseroberfläche. Erstaunlich, dass hier kein Verkehrslärm zu hören ist, obwohl doch eine Straße am Naturschutzgebiet vorbeiführt. Eine fast himmlische Ruhe herrscht auf dem Damm, die nur durch das Knirschen unserer Schritte auf dem Kies unterbrochen wird.

Ein kleiner Abzweig führt hinab zum See. Der hölzerne Beobachtungsturm des NABU, der einen wirklich überwältigenden Blick über das gesamte Gelände ermöglicht, hält für die Besucher Informationstafeln bereit, die die vielfältige Vogelwelt in diesem Naturreservat eindrucksvoll zeigen. Von den über 300 Vogelarten, die in langjährigen Erhebungen von der Kreisgruppe Salzgitter des Naturschutzbundes (NABU) beobachtet wurden, stehen über ein Drittel, nämlich mehr als 110 Arten, auf der „Roten Liste“ und sind damit in ihrem Bestand gefährdet. Am Heerter See können diese Tiere geschützt und ungestört brüten – aktiver Umwelt- und Tierschutz at its best!

Aber auch Vögel, die den See auf ihrem Weg in den Süden beziehungsweise Norden als eine Zwischenstation aufsuchen, können hier zu den Zugzeiten beobachtet werden. Vogelliebhaber (Fernglas nicht vergessen!) kommen bestimmt auf ihre Kosten, wenn sie sich am Anblick von Fischadlern, verschiedenen Enten-, Gänse- und Möwenarten oder gelegentlich auch Kranichen erfreuen können. Zu beobachten sind auch Vogelarten, die stark gefährdet und nur noch selten anzutreffen sind.

Am Heerter See können Tiere geschützt und ungestört brüten. (Foto: Marvin Reepschläger)

Ein Stempel als Erinnerung

In der Hütte entdecken wir eine Stempelstation vom Tourismusverband „Nördliches Harzvorland“. An landschaftlich reizvollen Orten können Wanderer und Besucher Stempel sammeln – der Heerter See gehört dazu. An der anderen Wand gibt es noch ein weiteres Zeichen für die ungestörte Entfaltung der Natur: Riesige Spinnweben haben wollige Pollen eingefangen und schwingen nun wie Segel im leichten Wind.

Vom Beobachtungsturm aus haben wir heute einen fantastisch klaren Blick bis hinüber zum Brocken, der in der Ferne aufragt. Selbst die Gebäude auf seinem Gipfel sind zu erkennen! Wir lassen den Blick über die breiten Schilfgürtel an den Ufern schweifen und sehen ein paar Wasservögel, die friedlich auf den Wellen schaukeln. Auf der gegenüberliegenden Seeseite ist der zweite und größere Beobachtungsturm des NABU auszumachen, den man auf dem Rundwanderweg erreichen kann. Auf einmal zerreißt ein lautes Platschen die Stille. Direkt vor uns springt ein Fisch aus dem Wasser! Und das Rascheln der Schilfhalme wird plötzlich von einem immer lauter werdenden Quaken übertönt. Ein Frosch gibt hier sein Konzert, in das sofort ein weiterer von der anderen Seite einstimmt. Ob das ein Vertreter der schützenswerten Wechselkröten ist? Leider lassen sich die Amphibien, für die spezielle Gewässerstrukturen in einem EU-Projekt angelegt wurden, nicht blicken, dafür aber schwirren jede Menge Libellen am Ufer entlang.

 

„Plötzlich springt ein Fisch aus dem Wasser – Natur pur!“

Dass der Heerter See kein natürlich entstandenes Gewässer ist, ist deutlich zu sehen, denn die Plattform, auf die der Turm gebaut ist, liegt heute frei und zeigt eine recht schlammige Schicht. Dieser Schlamm ist typisch für den ehemaligen Erzklärteich, dessen Wasser nährstoffarm ist und früher sogar von der Erzwäsche leicht salzhaltig war. Noch zu Beginn der 1980er-Jahre gab es ausgedehnte vegetationsfreie Flächen, die dem Gebiet einen wattartigen Charakter verliehen. Auf dem bis zu 13 Meter mächtigen Schlamm am Ufer wächst heute das Schilfröhricht, das vielen Vögeln, Fröschen und anderen Tieren als Lebensraum dient. Tief ist der Heerter See nicht – an seiner tiefsten Stelle misst er nicht einmal drei Meter. Doch dafür ist er mit seiner je nach Wasserstand etwa 150 Hektar großen Wasserfläche eines der größten Gewässer in der Region.

Einen natürlichen Zufluss gibt es nicht. Der See speist sich aus Niederschlägen sowie aus künstlichen Zuflüssen, die zum Teil noch aus der Zeit des Bergbaus stammen. Ein fester Überlauf verhindert Überschwemmungen und leitet das überschüssige Wasser in die nahe Fuhse ab.

Seit 2007 gehört das Gelände des Heerter Sees mit angrenzendem Strauchholz der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Der NABU Salzgitter betreut heute das Gebiet, unterhält die Beobachtungstürme und bietet regelmäßig interessante Führungen zur Vogelbeobachtung an.

Es ist großartig, wie das ehemals industriell genutzte Areal heute von der Natur und ihren Bewohnern zurückerobert wird. Das allein ist schon einen Besuch am Heerter See wert. Als Vorbereitung bietet sich ein Blick in den Naturatlas Salzgitter an, der in Kooperation der Stadt Salzgitter mit dem NABU entstand und Informationen zu einem Spaziergang am Heerter See bereit hält.

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